Friedhelm Funkel (56) ist seit knapp vier Jahrzehnten im Profigeschäft: seit 1974 als Spieler, seit 1991 als Trainer. Eines muss man dem Trainer vom Tabellenletzten Hertha BSC lassen: Seinen Optimismus hat er nicht verloren. „Ich fahre voller Vorfreude nach Frankfurt. Natürlich ist das ein besonderes Spiel. Es wäre ja traurig, wenn dem nicht so wäre.“
Die Eintracht, wo er von 2004 bis 2009 wirkte, hat Funkel stets als „meine schönste Station“ gelobt. 2005 war er mit Frankfurt aufgestiegen, seither haben sich die Hessen wieder in der ersten Liga etabliert. „Es waren erfolgreiche Jahre“, sagt Funkel.
In der entscheidenden Saisonphase kehrt er nun zurück an den ehemaligen Arbeitsplatz – seither haben sich viele Dinge geändert. Organisatorisch hat Hertha mit Blick auf die Wetterlage nach dem Vulkanausbruch auf Island den Reiseplan umdisponiert. Statt mit dem Flugzeug reist der blau-weiße Tross am Sonnabend mit dem ICE nach Frankfurt. Je nach Wetterlage wird am Sonntag nach dem Spiel (Anpfiff 17.30 Uhr, live im Morgenpost-Ticker) entschieden, ob die Rückreise nach Berlin per Flieger oder Bahn unternommen wird.
Gravierender sind die Veränderungen im Umfeld. So mag sich Funkel auf die Rückkehr freuen, die Eintracht-Anhänger versprechen im Internet: „Wir schießen Funkel in die Zweite Liga.“ Nachfolger Michael Skibbe lästert über den Vorgänger. In der Mainzer Allgemeinen Zeitung sagte Skibbe, bei seiner Spionage-Tour nach Berlin am vergangenen Wochenende habe er beim 0:1 gegen Stuttgart „eine träge und schleppende Hertha“ gesehen. Gewundert hat sich Skibbe über Herthas Protestbrief wegen schwacher Schiedsrichter-Leistungen an den Deutschen Fußball-Bund. „Damit wollen sie nur davon ablenken, dass sie Letzter sind.“
Funkel will zu diesen Scharmützeln nichts beisteuern. „Das ist doch alles Kinderkram.“ Stattdessen schwärmt er von Hertha und Frankfurt: zwei Traditionsvereine mit großem Einzugsgebiet. Beide ambitioniert. „Der Anspruch ist es, international zu spielen, was Hertha in der Vergangenheit öfter gelungen ist als der Eintracht.“
Funkel fremdelt in Berlin
Eigentlich jedoch fremdelt Funkel, seit Oktober 2009 in Berlin, nach wie vor mit seiner Aufgabe in der Hauptstadt. So sagte er dieser Woche in einer Frankfurter Zeitung, er lese schon seit drei Wochen keine Zeitung mehr. „In Berlin ist alles so hektisch.“ Vorbei die Frankfurter Zeiten, wo er sich täglich um neun Uhr mit Heribert Bruchhagen, dem Vorstandsvorsitzenden der Eintracht, zu einer Tasse Kaffee zusammengesetzt hat. Funkel und Bruchhagen, zwei Brüder im Geiste, die in dem emotionalen Fußball-Geschäft knochentrockene Realisten geblieben sind. Funkel, der materiell abgesichert, mit seiner stoischen Ruhe selbst in extremen Situationen stets die Mannschaft hinter sich hatte.
Mittlerweile sind sie in Frankfurt zwar froh, den „Klassenerhalts-Pragmatiker Funkel“ (Süddeutsche Zeitung) gegen Skibbe getauscht zu haben, der mit einem weitgehend identischen Kader plötzlich attraktiven Fußball spielen lässt, der die Eintracht in die Nähe der internationalen Plätze gebracht hat. Funkel indessen hat lange gebraucht, um zu verstehen, dass der Autopilot „Ich mache auch bei Hertha alles so wie immer“ direkt ins Verderben führt. Bei allem, was er an Positivem bewirkt hat: die Mannschaft hat sich stabilisiert, die Defensive funktioniert besser, auswärts wird relativ regelmäßig gewonnen – geblieben ist das grundsätzliche, existenzgefährdende Problem: Hertha ist und bleibt Tabellenletzter.
Öffentlich sagt Funkel nichts dazu, aber er vermittelt den Eindruck, dass er die Kritik an ihm als ungerecht empfindet. Mit Manager Michael Preetz verbindet ihn ein solides Arbeitsverhältnis. Präsident Werner Gegenbauer hat in kritischer Situation, als Funkel Anfang März vor der Entlassung stand, vehement zum Trainer gestanden. Aber sonst fühlt sich Funkel relativ allein in Berlin. Unbeachtet von den Fans, nicht respektiert von den Medien. Sein Selbstbild ist es, das ihn antreibt. Ein Funkel gibt nicht auf.
Bei fünf Punkten Rückstand scheint die Lage für Hertha bei nur noch vier ausstehenden Partien aussichtslos. Funkel ist anderer Meinung. An den Schiedsrichtern soll es nicht scheitern. So meldete sich am Freitag Herbert Fandel, der designierte Vorsitzende des Schiedsrichter-Ausschusses, bei Manager Preetz, dem Verfasser des Protestbriefes. In einem offenen Gespräch vereinbarten beide künftig eine bessere Kommunikation, Fandel signalisierte mehr Sensibilität bei den Ansetzungen. Preetz Morgenpost Online: „Damit ist das Thema erledigt.“ Die Partie in Frankfurt leitet Dr. Felix Brych (München).




