Jaroslav Drobny blickte auf den Boden und schlug wütend mit der Hand in die Luft. „Es ist immer derselbe Scheiß. Wir machen die Tore nicht und gewinnen daheim nicht“, sagte der Torwart von Hertha BSC auf dem Weg in die Kabine. Soeben hatte seine Mannschaft durch ein Gegentor von Nationalstürmer Cacau in der 74. Minute 0:1 (0:0) gegen den VfB Stuttgart verloren. Hannover 96 gewann zeitgleich überraschend 4:2 (2:0) gegen Schalke 04 und belegt mit 27 Punkten den zur Relegation berechtigten 16. Tabellenrang. Hertha hat auf diesen ersehnten Tabellenplatz nach der Niederlage fünf Zähler Rückstand. Die Hoffnung auf den Klassenerhalt schwindet. Dem Klub können nur noch Siege gegen die „Großen“ der Bundesliga helfen: In den letzten vier Saisonpartien spielen die Berliner bei Eintracht Frankfurt, gegen Schalke 04, bei Bayer Leverkusen und gegen den FC Bayern München.
"In diesem Moment ist es sehr schwer, etwas zur Situation zu sagen. Ich habe aber immer Hoffnung. Wir müssen kämpfen und alles geben“, sagte Gojko Kacar. Nach dem 3:0 beim 1. FC Köln vor einer Woche wollte Hertha endlich mal in einem Heimspiel nachlegen. Den Auswärtssiegen in Hannover, beim SC Freiburg und beim VfL Wolfsburg hatten die Blau-Weißen nicht drei Punkte in Berlin folgen lassen können. Auch am Sonnabend blieb es bei den guten Vorsätzen. „Es war ein von vielen Fehlern geprägtes Spiel“, sagte Trainer Friedhelm Funkel.
Wegen der Ausschreitungen beim 1:2 gegen den 1. FC Nürnberg Mitte März durften nur 25000 Hertha-Fans ins Stadion. Dies hatte der Deutsche Fußball-Bund entschieden. Mit den Stuttgarter Anhängern kamen 26851, weitere 7500 verfolgten die Partie beim Public Viewing in der Waldbühne (siehe Text unten). Sie sahen eine Hertha, die über weite Strecken passabel spielte, aber zu keinen klaren Torchancen kam. Und wenn, dann hatten die Gastgeber kein Glück: In der 23. Minute kam Theofanis Gekas im Strafraum an den Ball und stand frei vor dem Stuttgarter Torhüter Jens Lehmann. Doch das Schiedsrichtergespann um den Unparteiischen Michael Weiner entschied auf Abseits. Eine umstrittene Szene: Funkel und Herthas Manager Michael Preetz tobten an der Seitenlinie. Sie fühlten sich zum wiederholten Male in dieser Spielzeit benachteiligt. Auch in der 41. Minute regten sie sich auf: Serdar Tasci spielte den Ball im Strafraum mit der Hand, was straffrei blieb.
Hertha jedenfalls bemühte sich, kämpfte. In der 27. Minute zog dann Levan Kobiashvili aus rund zehn Metern ab, doch Lehmann lenkte den Ball über die Latte (27.). So reichten Stuttgart eine durchschnittliche Leistung und ein schneller Konter für den Sieg. In der 74. Minute leitete Herthas schwacher Rechtsverteidiger Lukasz Piszczek diesen mit einem Fehlpass ein, der eingewechselte Cacau nahm aus rund 18 Metern Maß. Steve von Bergen fälschte ab, und der Ball flog über Drobny ins Tor. „Das war mehr als Pech. Dieses Tor ist symptomatisch für unsere Situation. Es wird jetzt ganz schwer, wir müssen in Frankfurt drei Punkte holen“, sagte von Bergen. Die Spieler waren enorm niedergeschlagen. Kapitän Arne Friedrich fand kaum Worte. „Wie unsere Konkurrenten spielen, können wir nicht beeinflussen. Wir haben es wieder versäumt, zuhause drei Punkte zu holen.“
Als wäre die Niederlage nicht genug, kam auch noch eine besonders bittere Verletzung hinzu. In der 66. Minute hatte der Trainer Florian Kringe für den enttäuschenden Kacar eingewechselt. Doch der Mittelfeldspieler musste nach nur drei Minuten wieder das Spielfeld verlassen: Erst unter der Woche von einer Fußprellung genesen, humpelte er nach seiner ersten Aktion vom Platz. Die Mitspieler trösteten ihn, doch Kringe war völlig frustriert. Er hatte sich in der Hinrunde den Fuß gebrochen, jetzt fällt er möglicherweise wieder aus. Fragen nach seinem Zustand ließ er am Abend unbeantwortet. Der Frust war zu groß. Kringe erlebt eine Seuchen-Saison. „Etwas Schlimmeres gibt es für einen Fußballer nicht. Ich hoffe für Flo, dass nichts gebrochen ist“, sagte Fabian Lustenberger. Der Schweizer litt selbst bereits zwei Mal unter einem Mittelfußbruch. Kringe war am Dienstag überraschend früh nach seiner Verletzung ins Training eingestiegen. Er sei schmerzfrei, sagte er nach den Einheiten. „Er hatte grünes Licht von den Ärzten. Das ist einfach Pech. Die genaue Diagnose müssen wir noch abwarten“, sagte Funkel. Trotz des bitteren Nachmittags wird er nicht müde, Optimismus zu verbreiten. „Es sind noch zwölf Punkte zu holen, und wir werden noch einige davon einfahren. Wir sind es ja gewohnt, wieder aufzustehen und haben uns nicht abgeschrieben.“









