Morgenpost Online: Herr Pantelic, Sie belegen mit Ajax den zweiten Platz in der Liga. Hertha droht der Abstieg. Haben Sie Mitleid mit ihrem ehemaligen Verein?

Marko Pantelic: Ich bin sehr traurig, wenn ich an dieses Thema denke. Und ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass dieser Verein in der nächsten Saison in der Zweiten Liga spielt. In der vergangenen Saison haben wir noch eine Toprolle gespielt, hätten mit etwas Glück sogar Meister werden können. Diesen Absturz kann ich mir nicht erklären. Unglaublich.

Morgenpost Online: Noch bleiben den Berlinern vier Spiele, um sich in die Relegation zu retten. Glauben Sie an das Wunder Klassenerhalt?

Pantelic: Es ist jetzt wirklich sehr schwer. Nach dem 0:1 gegen Stuttgart und dem Sieg von Hannover gegen Schalke sind es wieder fünf Punkte. Das ist viel. Schade, denn ich habe immer viel für den Verein gegeben und tolle Zeiten in Berlin gehabt.

Morgenpost Online: Verfolgen Sie die Spiele von Hertha im Fernsehen?

Pantelic: Ja, immer wenn ich Zeit habe. Mein Herz schlägt noch für Hertha. Und immer wenn ich am Fernseher dabei bin, gewinnt Hertha (lacht). Ich habe zuletzt das 5:1 gegen Wolfsburg gesehen und das 3:0 in Köln.

Morgenpost Online: Sie haben Hertha also zumindest etwas Glück gebracht.

Pantelic: Leider zu wenig.

Morgenpost Online: Was sind die Gründe für den Absturz des Vereins?

Pantelic: Ich möchte es nicht an einzelnen Personen festmachen. Wichtige Stammspieler hat der Verein vor der Saison gehen lassen. Ich bin gegangen, und nicht einmal zwei Monate später war der Trainer weg (Lucien Favre, d. Red.). Es tut mir weh, was mit Hertha passiert. Und das geht der aktuellen Mannschaft auch so, das weiß ich.

Morgenpost Online: Zu wem haben Sie noch Kontakt?

Pantelic: Zu Gojko Kacar, Arne Friedrich und Jaroslav Drobny. Außerdem zu dem Torwart-Trainer Enver Maric und den Physiotherapeuten. Und mit meinem Freund Patrick Ebert habe ich gerade neulich telefoniert. Er ist ein super Junge.

Morgenpost Online: Gehört derzeit aber nicht einmal zum Kader.

Pantelic: Jeder Trainer hat seine Vorstellung. Das muss man akzeptieren und kann man nicht ändern.

Morgenpost Online: Raten Sie Kacar zu einem Wechsel nach der Saison?

Pantelic: Gojko ist für mich wie ein kleiner Bruder. Ich habe mit ihm darüber gesprochen und ihm geraten, sich ganz darauf zu konzentrieren, mit Hertha in der ersten Liga zu bleiben. Falls Hertha aber absteigt, ist es für seine Karriere besser, zu wechseln. Und für Hertha wahrscheinlich auch, denn das würde dem Verein Geld bringen. Und das braucht Hertha.

Morgenpost Online: Nun spielt Hertha in Frankfurt. Gegen diesen Klub gelang Ihnen in der vergangenen Saison Ihr letzter „Doppelpack“ in der Bundesliga.

Pantelic: Ich erinnere mich noch sehr gut an das Spiel. Es war der Auftakt zur Rückrunde, wir haben 2:1 gewonnen. Es war ein richtig gutes Spiel und eine tolle Rückrunde von uns. Wir waren nach dem Sieg Zweiter.

Morgenpost Online: Wie schätzen Sie Ihre Nachfolger im Sturm, Adrian Ramos und Theofanis Gekas ein?

Pantelic: Die beiden sind gute Spieler. Ich kenne Gekas schon viele Jahre. Aber es ist nicht einfach für die Stürmer. Bei Hertha musst du ganz clever sein, explodieren können und aus jeder Chance ein Tor machen. Nein, nicht aus jeder Chance. Aus jeder halben und viertel Chance. Ich habe in meinen vier Jahren in Berlin viele Tore geschossen und viele Treffer vorbereitet. Aber jetzt bin ich in einer anderen Welt.

Morgenpost Online: Nämlich in Amsterdam. Wie ist Ihre „neue Welt“ dort?

Pantelic: Das Jahr ging schnell rum. Im vergangenen Jahr hatte ich schon meine Koffer für England gepackt. Drei Vereine von dort hatten Interesse an mir. Und dann kam es doch anders. Ajax-Trainer Martin Jol meldete sich wenige Tage vor Ende der Transferperiode. Er wollte mich als erfahrenen Spieler für eine junge Mannschaft zu Ajax holen, damit sie um die Meisterschaft mitspielen kann. Heute kann ich sagen: Es war kein Fehler, hierher zu kommen.

Morgenpost Online: Ihr Vertrag läuft im Sommer aus. Wird Ajax mit Ihnen verlängern?

Pantelic: Das ist noch unklar. Ich bin in Gesprächen. Aber man muss realistisch sein. Und das bin ich. Ajax hat eine besondere Politik. Sie setzen auf junge Spieler, die den Sprung ins Profigeschäft schaffen sollen. Ich bin einer der wichtigsten Teile der Mannschaft. Aber auch einer der teuersten (lacht).

Morgenpost Online: Was wäre für Sie eine Alternative?

Pantelic: Ein Mann ist kein guter Mann, wenn er nicht an seine Familie denkt. Ich möchte meiner Familie mit Hilfe meines nächsten Vertrags eine Lebensversicherung geben. Fünf oder sechs Jahre kann ein Profi auf jeden Fall mit dem Geld aus seiner Karriere leben. Aber was ist in zehn Jahren? Es geht nicht nur um Geld, aber eben auch.

Morgenpost Online: Wird es also diesmal ein Wechsel nach England?

Pantelic: Das ist eine der Optionen. Genauso wie Italien. Und warum keine Rückkehr nach Deutschland? Ich werde mich auf jeden Fall vor der Weltmeisterschaft in Südafrika entscheiden.

Morgenpost Online: Ihr Deutsch haben Sie nicht verlernt.

Pantelic: Ich hoffe, es wird noch besser. Wenn ich in die Bundesliga zurückkehre, belege ich auf jeden Fall einen Deutschkurs. Ich habe den Anspruch, richtig gut Deutsch zu sprechen. Schließlich will ich nach meiner Karriere vielleicht in Deutschland bleiben. Deswegen suche ich gerade in Grunewald nach einem Haus. Das wäre nach Serbien eine zweite Heimat.

Morgenpost Online: Ist auch eine Rückkehr zu Hertha möglich?

Pantelic: Ich möchte keine Gerüchte schüren. Aber generell gilt: Alles ist möglich.