Manch Spieler hätte trotzig reagiert. Oder wäre dem Druck nicht gewachsen gewesen. Aber Raffael (25) kam beim 3:0 in Köln einfach dem Auftrag nach, den Hertha-Manager Michael Preetz ihm vor dem Spiel erteilt hatte. Am Donnerstag hatte Preetz den Brasilianer samt Berater Dino Lamberti in sein Büro einbestellt. Es gab Grundsätzliches zu besprechen. Preetz lobte, Raffael spiele phasenweise auffällig gut. Zu einem herausragenden Spieler fehle ihm aber, worum es im Fußball ursächlich geht: Tore und Vorlagen.
Die Zahlen stützen des Managers These. Der Doppelpack in Köln, der erste in Raffaels Bundesliga-Karriere, bedeuteten die Saisontore vier und fünf. Auch vier Assists können die triste Bilanz kaum aufhübschen. Dabei hatte Raffael vor Beginn der laufenden Saison den Anspruch formuliert, den Durchbruch hin zu einem auch für internationale Topklubs interessanten Offensivspieler zu schaffen. Die Realität ist eine andere.
Also erging diese Preetz'sche Order an Raffael: „In einer Rückrunde, wie wir sie spielen müssen – in der jedes Spiel von höchster Bedeutung ist –, braucht es Spieler, die ein 0:0 mit einem Tor zu unseren Gunsten entscheiden.“ In Köln leistete Raffael prompt Folge. In Minute 25 behauptete er sich gegen Innenverteidiger Geromel und drückte den Ball aus sieben Metern ins Netz. Beim zweiten Tor, erzielt unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff und umringt von vier Gegenspielern, nutzte er am Fünfmeterraum eiskalt eine Aneinanderreihung Kölner Unzulänglichkeiten.
Schon acht Gelbe Karten
„Zwei dreckige Tore“, beklatschte Preetz hernach, was nicht zuallerletzt abfällig gemeint war, sondern vielmehr pure Freude ausdrücken sollte. Solche hinein gearbeiteten, aber nicht minder wertvollen Tore haben Herthas technisch versierte Kicker in dieser Saison schließlich viel zu selten erzielt.
Dabei ist Raffael durchaus mehr Kämpfer, als es gemeinhin den Anschein haben mag. Seine acht Gelben Karten in der laufenden Saison sind schließlich ein Topwert bei Hertha. Und doch stand Raffael vor gar nicht langer Zeit auch im Fadenkreuz mannschaftsinterner Kritik. „Drei spielen nur für sich“, hatte Torwart Jaroslav Drobny nach dem 1:2 gegen Nürnberg Mitte März öffentlich geschimpft, und unzweifelhaft waren damit Herthas Südamerikaner gemeint.
Ob die Kritik sie je erreicht und was sie im Zweifelsfall bewirkt hat, dazu schweigen die Betroffenen. Raffael sagt nur: „Für mich ist nur wichtig, was der Trainer sagt, und er hat mich nicht kritisiert.“ Dieser Friedhelm Funkel bewertet Herthas Südamerikaner sogar als „für unser Offensivspiel unersetzlich“. Richtig ist: Von den 17 Berliner Rückrundentoren gehen sechs auf das Konto von Theofanis Gekas und eines auf das von Lukasz Piszczek. Die weiteren zehn verbuchten samt und sonders Raffael, dessen Landsmann Cicero (je drei) sowie der Kolumbianer Adrian Ramos (vier). Auffällig ist dennoch, wie gut das Zusammenspiel der verschiedenen Völkergruppen erst seit Drobnys kritischen Worten funktioniert. „Manchmal ist es sogar gut, so einen öffentlichen Brandherd zu legen“, sagt Arne Friedrich zu Drobnys Vorgehen. Sich selbst hat er bereits dafür verbal geohrfeigt, in Herthas schwieriger Lage als Kapitän nicht schon viel früher nach außen hin vernehmbar für Reizpunkte gesorgt zu haben.
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