Manchmal im Leben ist klar, was zu tun ist. Und, dass man darüber nicht reden kann, solange das Ziel nicht erreicht ist. In dieser Zwischenphase befindet sich Michael Preetz (42) mit dem Liga-Letzten Hertha BSC. So sagte der Geschäftsführer Sport, der Klub wolle die missratene Saison mit Friedhelm Funkel beenden. Der Vertrag des im Oktober 2009 als Nachfolger von Lucien Favre angestellten Trainers läuft bis Ende Juni.

Im nächsten Satz indessen holte Preetz seine Aussage gleich wieder zurück. Dass die Mission von Funkel bei Hertha gescheitert ist, liegt bei dessen Bilanz (zwölf von 57 möglichen Punkten) auf der Hand. Also fügte Preetz mit Blick auf die ausstehenden acht Partien an: „Ich bin nicht in der Lage, irgendwelche Statements abzugeben, die bis zum Saisonende reichen.“

Wer tut sich jetzt Hertha an?

Nur, und diese Herausforderung gilt es für Manager Preetz anzugehen: Welcher Trainer tut sich im Moment Hertha BSC an? Es gibt Kandidaten, die auf dem Markt sind. Hier seien nur die Namen Armin Veh, Michael Oenning, Markus Babbel oder Marcel Koller genannt. Doch bis Saisonende braucht der Hauptstadt-Klub eine kostengünstige Lösung, die vielleicht die Chance auf das eröffnet, was man im Boxen einen „Lucky Punch“ nennt, den einen Glückstreffer des Unterlegenen gegen einen eigentlich übermächtigen Gegner.

Die Ansetzung des Wochenendes folgt genau dieser Konstellation. Das Schlusslicht tritt bei Meister Wolfsburg an (Sonntag, 17.30 Uhr). Die Vorbereitung leitet nach wie vor Funkel. Man schätzt den Bundesliga-Haudegen, der seit 1974 im Geschäft ist, richtig ein, dass er genau weiß, was los ist: Er ist ein Trainer auf Abruf. Also verschanzt er sich nach der Übungseinheit vor einer TV-Kamera hinter den Tatsachen, die er juristisch problemlos sagen kann: Nein, er mache sich keine Sorgen um seinen Job.

Mission grandios gescheitert

Er spreche täglich mit Michael Preetz. Im Übrigen: „Ich habe einen Vertrag bis zum 30. Juni.“ Darüber hinaus verballhornte er das gesamte Gewerbe. Immerhin ist seine Mission Klassenerhalt grandios gescheitert. Das Ergebnis von einem knappen halben Jahr unter Funkel lautet, dass Berlin mutmaßlich die einzige europäische Hauptstadt ist, in der kein Erstliga-Fußball gespielt wird. Kommentar Funkel beim Blick auf den Trainingsplatz: „Wir haben eine tollen Job hier. Wir sind draußen und arbeiten an der frischen Luft.“

Sollten die Berliner in Wolfsburg verlieren, wird die Diskussion dieser Woche über den Unsinn von Funkels Verbleiben im Amt noch an Fahrt aufnehmen. Im Hintergrund arbeitet Hertha seit vergangenem Samstag (1:2 gegen Nürnberg) an einer Veränderung. Nur wird das bis zur Vorstellung einer Interimslösung bis Saisonende niemand bestätigen, um Funkel als Autoritätsperson vor dem Team nicht endgültig zu beschädigen.

Unterdessen bestätigte Preetz seinen Anspruch, die sportliche Leitung auch im Fall des wahrscheinlichen Abstiegs zu übernehmen. „Ich bleibe definitiv. Wenn es so kommt, ist der sofortige Wiederaufstieg unser Ziel.“ Zudem wirbt er darum, in der jetzigen Vereinsführung um Präsident Gegenbauer weiterzumachen: „Es ist wichtig, dass wir die Reihen schließen und alle Kräfte bündeln.“

Realistisch betracht, steht Hertha jedoch vor unruhigen Zeiten. Bei der Mitgliederversammlung im Mai wird es viele Stimmen geben, die einen Neuanfang fordern. Wie umfangreich der ausfallen wird, ist heute seriös nicht zu sagen.?