Im Umgang mit Problem-Fans genießt Hertha BSC bundesweit Anerkennung. Anders als der eine oder andere Konkurrent verhängt der Erstligist keine gruppenbezogenen Stadionverbote. Hertha hat sich selbst auferlegt, vor jeder Sanktion den Betroffenen anzuhören. Das heißt indessen nicht, dass der Klub im Zweifelsfall nicht zu drakonischen Strafen greift.
So ist es in den ersten Maßnahmen geschehen, die der Tabellenletzte wegen der Randale vom vergangenen Wochenende im Olympiastadion ergriffen hat. Wie Morgenpost Online aus zuverlässiger Quelle erfuhr, hat Hertha BSC in einer ersten Runde 23 Stadionverbote verhängt. Sie gelten nicht nur für Berlin, sondern bundesweit in allen Stadien. Die Sperren gelten für drei Jahre, also bis 2013. Der vierköpfige Sicherheits-Beirat von Hertha BSC hatte die Beschuldigten am Mittwoch angehört, am Donnerstag gingen die Stadionverbote schriftlich an die Betroffenen.
Rund 100 Chaoten aus der Ostkurve hatten nach dem 1:2 am Samstag gegen den 1. FC Nürnberg den Betongraben übersprungen und waren aufs Spielfeld gestürmt. Sie hatten Werbeaufsteller und Banden zertreten sowie die Trainerbank von Hertha BSC samt Stühlen zum Teil schwer beschädigt. Personen wurden zum Glück nicht verletzt. Als die Polizei im Innenraum eingriff, rannte die Meute wieder in die Ostkurve zurück. Mindestens 70 Störenfriede sind mittlerweile identifiziert worden.
Dem Vernehmen nach werden rund 30 der Ultra-Szene zugerechnet, andere deren weitrem Umfeld. Wieder andere werden als Ostkurven-Fans eingeschätzt, die einfach mitgelaufen sind.
Bei den Anhörungen versuchten die Beschuldigten, entlastende Argumente vorzubringen. Die Fans hätten ihren Unmut über diese Saison, die wohl mit dem Abstieg in Liga zwei enden wird, ausdrücken wollen. Sie seien in den Medien als blindwütiger Mob dargestellt worden. Dabei sei keine einzige Person zu Schaden gekommen. Ein Audi-Cabrio, das zu Werbezwecken vor der Kurve aufgestellt war, habe keinen Kratzer abbekommen.
Dessen ungeachtet ging Hertha BSC bei seinen Sanktionen an die oberste Grenze dessen, was möglich ist. Jeder Fußball-Fans weiß, dass das Betreten des Platzes strikt verboten ist und seinen Verein in erhebliche Probleme stürzt. So wird der DFB Hertha BSC wegen unzureichender Sicherheitsmaßnahmen bestrafen. Im schlimmsten Fall drohen Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Es werden weitere Anhörungen folgen, weitere Verbote sind zu erwarten. Die Ostkurve, berühmt für die außerordentliche Stimmung, wird künftig nicht mehr das sein, was sie mal war.
Außerdem hat sich Hertha zivilrechtliche Schritte vorbehalten. So muss einer der Einpeitscher mit einer Klage wegen Schadensersatz rechnen. Er soll per Megaphon die Fans in der Ostkurve aufgefordert haben, aufs Feld zu stürmen.









