Michael Preetz weinte. Der Manager von Hertha BSC hatte ein weißes Taschentuch in der Hand. Nach dem Abpfiff mussten die Gefühle raus. Friedhelm Funkel war gefasst. Der Trainer des Tabellenletzten saß auf dem Podium in der Pressekonferenz und flüchtete sich hinter die rhetorischen Floskeln, die ihn bisher durch schwere Zeiten getragen hatten.

1:2 hatte Hertha gegen den 1. FC Nürnberg verloren. Es war die 17. Saisonniederlage, die die letzte Hoffnung auf den Klassenerhalt genommen hat. Auf die Frage, was dieses Resultat im Abstiegskampf bedeutete, antwortete Funkel gleich zweimal: "Dieses Spiel hat uns sicher nicht geholfen." Wenig später formulierte er: "Unsere Situation hat sich mit dem Ergebnis nicht verbessert."

Die Wahrheit ist: Ungeachtet aller theoretischen Rechenspiele, mit der man Herthas Verbleib in der Liga begründen kann - daran glaubt niemand mehr. Die Mission Funkel ist beendet. Er wurde geholt, weil er der mit Abstand erfahrenste Trainer für den Kampf um den Klassenerhalt in Deutschland ist. Funkel hat einiges geändert. Im Winter hat er mit Gekas, Kobiashvili und Hubnik drei fertige neue Spieler bekommen. Es hat sich unter Funkel einiges gebessert. Geblieben ist indessen die beschämende Bilanz: zwei Siege, sechs Unentschieden, zehn Niederlagen.

Es mutet unbarmherzig an, diese Rechnung ausgerechnet nach Herthas bestem Heimspiel in dieser Saison zu machen. Aber Fakt ist: Daheim, wo die Basis für den Klassenerhalt gelegt werden muss, ist Hertha mit Funkel in zehn (!) Anläufen nicht ein einziger Erfolg geglückt.

Das Vertrauen ist dahin, der Rückstand auf Relegationsplatz 16 beträgt acht Spiele vor dem Ende acht Punkte, auf Rang 15 gar neun.

Die Entscheidung, wie es weitergehen soll, muss Preetz, der sportliche Leiter, treffen. Der 42-Jährige erlebt ein albtraumhaftes erstes Jahr als Manager. Er musste Trainer Lucien Favre im vergangenen September entlassen, weil der mit der Krisensituation nicht mehr klar kam. Funkel war der Wunschkandidat, für den sich Preetz entschieden hatte. Die Hoffnungen, die sich mit dem Bundesliga-Haudegen verknüpft haben, sind nicht aufgegangen. Hertha wird ab sofort die meiste Konzentration auf das Unternehmen Wiederaufstieg richten.

Macht es Sinn, Jürgen Röber, den Erfolgstrainer vergangener Tage, zu bitten? Der ist auf dem Markt und bekennender Berlin- und Hertha-Fan. Aushelfen bis Saisonende würde Röber, falls sein Lieblingsverein fragt. Ob der 56-Jährige noch mal durch das Stahlbad Zweite Liga gehen will, wie bei seinem ersten Amtsantritt 1996 darf bezweifelt werden.

Auf Preetz kommen schwere Tage zu. Ab sofort wird die Diskussion über den Niedergang von Hertha beginnen. Verkürzt auf die Frage: Wer hat Schuld: Favre? Funkel? Preetz? Präsident Werner Gegenbauer?

Davon darf er sich nicht beeindrucken lassen. In der Krise ist ein Manager gefragt, der handeln kann. Im ersten Schritt ist eine Trainerlösung bis Saisonende zu finden. Für Sonntag Vormittag ist eine Pressekonferenz angekündigt. Dort wird Preetz erwartet.

Dann ist die Planung für den Neuaufbau voranzutreiben. Wer wird bleiben? Wer geht? Und im Mai warten die Mitglieder auf der nächsten Versammlung auf die Perspektiven, die Preetz für Hertha BSC aufzeigen kann.