Zur sportlichen Situation des Vereins – kaum ein Wort. Wer etwa erwartet hatte, dass es Hertha bei der Pressekonferenz am Sonntagmittag unter anderem um den Rücktritt des erfolglosen Trainers Friedhelm Funkel gehen würde, sah sich getäuscht. Im Gegenteil: „Ich bitte um Verständnis, dass wir hier und heute keine Trainerdiskussion führen“, sagte Manager Michael Preetz. Kurz: Funkel bleibt Trainer. Dieser wiederum setzte die schon vor Monaten eingeschlagene Route fort. „Wir geben nicht auf“, sagte er den Journalisten, so als sei der Klassenerhalt mehr als eine rechnerische Möglichkeit. Er denke nicht an die zweite Liga, beharrte Funkel.

Mannschaftskapitän Arne Friedrich hatte dagegen Minuten zuvor, im Anschluss an eine Trainingseinheit, gesagt: „Die Chancen auf einen Klassenerhalt sind äußerst gering geworden.“ Doch damit war das Thema Abstieg erledigt.

Viel stärker beschäftigte das Management die Ausschreitungen rund 100 enttäuschter Fans nach der 1:2-Niederlage gegen Nürnberg am Sonnabend im Berliner Olympiastadion. Die Randalierer waren zum Teil mit Latten und Eisenstangen bewaffnet und zerschlugen Plastik- und Glaswände im Bereich der Trainerbänke und zerstörten zahlreiche Stühle. Preetz stellte sich hinter die Ordnungskräfte. Sie hätten sich „vorbildlich und deeskalierend“ verhalten.

Zudem wies Preetz die Kritik an der Berliner Polizei zurück. Die Sicherung des Innenraums sei zunächst Aufgabe der Ordnungskräfte. Die Polizei sei jedoch, als sie schließlich gerufen wurde, sehr schnell zur Stelle gewesen. Auch der Deutsche Fußballbund (DFB) habe das Eingreifen der Ordnungskräfte gelobt.

Der DFB-Kontrollausschuss habe Ermittlungen aufgenommen, Hertha werde sich am Montag mit der Polizei austauschen und kündigte Konsequenzen an. Er kündigte harte Strafen für die Randalierer an, die nach dem Bundesliga-Spiel des Berliner Bundesliga-Club gegen den 1. FC Nürnberg den Stadion-Innenraum gestürmt hatten. Der Verein werde „alle rechtlichen Mittel ausschöpfen“, erklärte Preetz. „Diese Leute wollen wir nicht im Stadion, wir werden mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln durchgreifen“, betonte der 42- Jährige. „Das kann bis zu bundesweiten Stadionverboten reichen."

Unterdessen hat auch die Berliner Polizei Vorwürfe zurückgewiesen, sie habe bei den Ausschreitungen im Olympiastadion zu spät eingegriffen. Im Stadion hatte die Polizei die Lage erst nach 5 bis 8 Minuten in den Griff bekommen. Nach dem Spiel versammelten sich zwar noch einige Fans vor dem Stadion und machten ihrer Wut lautstark Luft, die Polizei löste die Gruppe aber nach Angaben einer Sprecherin auf. Nach Angaben der Polizei gab es 25 Festnahmen, 4 Polizisten seien leicht verletzt worden. 26 Strafverfahren wurden eingeleitet.

Der „Tagesspiegel“ hatte berichtet, ein Teil der Polizeikräfte sei nach dem 1:0-Zwischenstand für Hertha zum Ostkreuz abkommandiert worden, weil dort frustrierte BFC-Dynamo-Anhänger nach der Auswärtsniederlage bei Energie Cottbus II erwartet worden seien. Nach dem Ausgleich der Nürnberger im Olympiastadion seien die Kräfte wieder dorthin zurückbeordert worden. Die Polizeisprecherin konnte dies im Detail nicht bestätigen. Insgesamt sollen etwa 300 Polizisten im Einsatz gewesen sein. Zudem wurden nach Angaben der Polizei am Samstagabend am Fanshop von Hertha BSC in der Johannisthaler Chaussee in Neukölln die Schaufensterscheiben zerstört. Drei Maskierte hätten Pflastersteine geworfen, die Täter konnten unerkannt flüchten.

In Internet-Foren sollen Fans für den Fall einer weiteren Niederlage Randale angekündigt haben. „Ich hatte nicht den Eindruck, dass die Aktion von langer Hand geplant sei. Es wirkte alles eher spontan“, sagte Herthas Fan-Beauftragter Steffen Wirth.

„Mit großer Betroffenheit“ hat die Deutsche Fußball Liga (DFL) auf die Ausschreitungen reagiert. „Für uns steht fest: Gewalttäter dürfen keinen Platz im Fußball haben. Der Ligaverband wird daher natürlich die Arbeit des DFB-Kontrollausschusses nach allen Kräften unterstützen und für harte Strafen eintreten“, teilte Liga-Präsident Reinhard Rauball in einer Stellungnahme mit.

Laut Rauball wird sich angesichts der jüngsten Häufung gewalttätiger Vorkommnisse auch der Ligavorstand mit dem Thema intensiv befassen, um eine ligaweite Strategie zu beraten. „Klar ist und bleibt: DFL und Clubs werden die Thematik mit der gebotenen Sachlichkeit und Gründlichkeit angehen, aber keinerlei Toleranz gegenüber Gewalttätern dulden. Die Liga wird sich in dieser Frage zudem weiter umfassend mit dem DFB abstimmen, um mit einer einheitlichen Linie den Fußball vor gewalttätigen Chaoten zu schützen“, heißt es in der Stellungnahme weiter.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der auch Hertha-Ehrenmitglied ist, hat die Tumulte scharf verurteilt. Der „B.Z.“ (Montag) sagte Wowereit, die Ausschreitungen seien „unentschuldbar“. Frust und Enttäuschung dürften nicht in Gewalt umschlagen. Wowereit war selbst im Olympiastadion. Die Gewalt- Aktionen würden „Hertha, dem Fußball und dem Image der Sportstadt Berlin schaden“.

mit dpa/sid/hed

Video auf Youtube: Fans stürmen Spielfeld