Strafe für Ausschreitungen

DFB sperrt Hertha-Fans der Ostkurve aus

Beim Spiel gegen den VfB Stuttgart wird die Ostkurve im Olympiastadion, die Fankurve von Hertha BSC, leer bleiben. Das hat das Sportgericht des DFB angeordnet - als Strafe für Fanausschreitungen nach der Partie gegen Nürnberg. Außerdem muss Hertha 50.000 Euro Strafe zahlen. Der wirtschaftliche Schaden für den Verein liegt aber um ein Vielfaches höher.

Einen wahren Bärendienst haben jene 100 Chaoten Hertha BSC erwiesen, die nach der Nürnberg-Partie auf den Rasen des Olympiastadions gestürmt waren. Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) verurteilte den Bundesliga-Letzten zu einer empfindlichen Strafe. Der Hauptstadt-Klub muss gegen den VfB Stuttgart am 10. April vor einer drastisch reduzierten Kulisse spielen. So dürfen in der Arena mit ihren 74.200 Plätzen die Begegnung nur 25.000 heimische Anhänger verfolgen. Davon nicht betroffen ist das Gäste-Kontingent (7400 Karten). Zudem muss die Ostkurve, aus der die Rowdies in den Innenraum gestürmt waren, leer bleiben. Darüber hinaus erhielt Hertha eine Geldstrafe von 50.000 Euro. Diese Summe muss der Klub an das Fanprojekt der Landessportjugend Berlin überweisen.

Hans E. Lorenz, der Vorsitzende des Sportgerichtes begründete sein Urteil mit unsportlichem Verhalten der Anhänger in Tateinheit mit einem nicht ausreichenden Ordnungsdienst. „Es handelte sich nicht um eine geplante Aktion, die der Verein hätte vorhersehen oder vermeiden können.“

Gleichwohl ist dieser Richterspruch einmalig in der DFB-Historie. Lorenz erklärte, dass Hertha insgesamt einen finanziellen Schaden von etwa 500.000 Euro erleidet: „Ein härteres Urteil vom Sportgericht hat es noch nicht gegeben.“

Albtraum Geisterspiel abgewendet

Da ist es nur ein schwacher Trost, dass der DFB-Kontrollausschuss ein Verfahren gegen Nürnbergs Torwart Raphael Schäfer einleiten wird. Schäfer wird vorgeworfen, die Hertha-Fans unmittelbar vor den Ausschreitungen mit obszönen Gesten provoziert zu haben. Michael Preetz, Geschäftsführer Sport von Hertha sagte: „Das Verhalten der Chaoten ist durch nichts zu entschuldigen. Sie haben der Mannschaft und dem Klub enorm geschadet.“

So heftig das Strafmaß ausgefallen ist – zu Beginn der Verhandlung stand als Strafmaß der Albtraum aller Profivereine im Raum: ein Geisterspiel komplett ohne Zuschauer. Das konnte verhindert werden, weil die Hertha-Anhänger in der Vergangenheit noch nicht auffällig geworden waren. Und weil der Ausflug der Chaoten ohne Personenschäden abgelaufen war.

Die Verhandlung in Frankfurt dauerte rund vier Stunden. Geschäftsführer Ingo Schiller, der die vierköpfige Hertha-Delegation angeführt hatte, sagte: „Das ist ein angemessenes Urteil, deshalb haben wir dem auch zugestimmt.“

Ähnlich äußerte sich Hertha-Präsident Werner Gegenbauer: „Das DFB-Schiedsgericht hat das richtige Maß zwischen dem besonnenen Handeln der Ordnungskräfte und dem unentschuldbaren Verhalten einiger Chaoten gefunden. Hertha BSC ist nicht nur ein Imageschaden entstanden, sondern auch ein wirtschaftlicher. Wir werden gegen die identifizierten Personen weiter hart vorgehen und behalten uns zivilrechtliche Schritte vor.“

Besonders betroffen von dem Urteil sind die treuen Fans in der Ostkurve, traditionell verantwortlich für die zumeist gute Stimmung im Olympiastadion. Hertha hat bisher 30.000 Tickets für das VfB-Spiel veräußert, der Verkauf wurde am Mittwoch mit Bekanntwerden der Sanktionen gestoppt. Da die Ostkurve leer bleiben muss, sind die 6000 Besucher, die meisten von ihnen Dauerkarten-Inhaber, von dieser Partie praktisch ausgeschlossen. Das heißt, das Urteil hat zur Folge, dass die große Mehrheit der nicht auffällig gewordenen Ostkurven-Fans mit büßen muss für das, was 100 Chaoten angerichtet haben.

Eine heikle Situation für den Verein. Das Geld ist nur eines der Probleme. Geschäftsführer Schiller sagt: „In den kommenden Tagen werden wir die Modalitäten bekannt geben, wie wir den Fans, die bereits Karten für die Ostkurve gekauft haben, ihr Eintrittsgeld zurück erstatten können.“ Unabhängig davon versprach Michael Preetz, „werden wir mit den Fans der Ostkurve in den Dialog treten.“

Wie das Urteil bei den Anhängern ankommt, ist am Sonnabend beim Heimspiel gegen Dortmund zu beobachten. Es werden rund 60.000 Zuschauer erwartet.

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