Andrey Voronin hat in dieser Saison schon viele Geschichten geschrieben. Natürlich die von elf Saisontoren, darunter einem Hattrick zum 3:1 von Hertha BSC gegen Angstgegner Energie Cottbus. Vom Boulevard hat er sich als „König von Berlin“ in Pose setzen lassen, dabei steht noch gar nicht fest, ob der König nicht schon bald abdankt und weiterzieht. Und dann war da noch jene reichlich mysteriöse Geschichte von seiner gebrochenen Nase, wozu es Mitte Oktober gekommen war, als Voronin auf dem Rückweg von einer Länderspielreise beim Einsteigen ins Flugzeug zu Fall kam.

Nun ist die Nase wieder gebrochen, wieder ist es im Rahmen eines vaterländischen Einsatzes passiert, aber diesmal, versichert Dieter Hoeneß, sei alles mit rechten Dingen zugegangen. Der Manager von Hertha BSC hatte in der Zusammenfassung des WM-Qualifikationsspiels der Ukraine in Wembley gegen England (2:1) ganz genau hingeschaut – „es ist auf dem Platz passiert“, lautete danach sein fachmännisches Urteil.

Die weiterführende Prognose begründet sich dagegen vorerst rein auf die Tatsache, dass Voronin trotz der gebrochenen Nase weiterspielte. „Die Chance, dass Andrey am Samstag spielen kann, ist groß“, sagt Lucien Favre. Der Trainer des Berliner Bundesligisten muss das hoffen, schließlich soll die fast grenzenlose Vorfreude auf das Heimspiel gegen Borussia Dortmund (Sonnabend, 15.30 Uhr) nicht durch den Ausfall des besten Torjägers getrübt werden.

Schon schlimm genug ist, dass mit Arne Friedrich ein weiterer Leistungsträger fraglich ist. Erst am Spieltag selbst wird sich zeigen, ob der Kapitän mitwirken kann. „Es wäre dumm, ein Risiko einzugehen“, sagt Favre. Ja, das Spiel gegen Dortmund ist wichtig, „aber danach folgen noch acht Spiele, die auch wichtig sind“. Will heißen: Friedrich spielt nur, wenn die Ärzte uneingeschränkt grünes Licht geben; andernfalls wird er in der Innenverteidigung ein weiteres Mal vom Brasilianer Kaka vertreten.

Donnerstag immerhin steigerte Friedrich, der in den zwei Tagen zuvor nur Lauftraining hatte absolvieren können, die Intensität und arbeitete erstmals wieder mit dem Ball. „Aber beim Spiel ist es eine andere Belastung“, sagte der Rekonvaleszent, der beim 0:2 in Stuttgart am vorvergangenen Wochenende einen Muskelfaserriss im Oberschenkel erlitten hatte.

Es kann ja aber auch nicht alles wunschgemäß verlaufen; genügend andere Faktoren begründen die These, dass gegen Dortmund ein Fußballfest zu erwarten steht. Alles deutet auf ein mit 74.400 Zuschauern zum zweiten Mal in dieser Saison ausverkauftes Stadion hin, „eine tolle Atmosphäre“ prognostiziert Hoeneß und noch dazu einen strahlend schönen Frühlingstag – in Summe also „optimale Rahmenbedingungen“.

Aber damit nicht genug der erquicklichen Aussichten: Die Berliner laden als Tabellenführer und streben den elften Heimsieg in Folge an, während sich die Konkurrenz aus Wolfsburg und München sowie Hamburg und Hoffenheim gegenseitig der Punkte im Kampf um die Meisterschaft berauben wird.

Was jetzt noch fehlt? „Wir müssen unseren Teil zu dem Ganzen beitragen“, sagt Hoeneß und ahnt: „Das wird die schwierigste Aufgabe.“ Denn obgleich Dortmund in der Tabelle auf einem unscheinbaren neunten Rang notiert ist, ist ausgerechnet der BVB die Mannschaft mit den bis dato wenigsten Niederlagen. Erst vier Mal gingen die Schwarz-Gelben an den bisherigen 25 Spieltagen als Verlierer vom Platz, ihr Makel sind nur die vielen Unentschieden (13). „Maximale Konzentration“ gegen diesen Gegner, fordert daher Hoeneß – und zwar inklusive jenes letzten Quäntchens, das zuletzt in Stuttgart vergessen worden war. Denn von jetzt an, sagt Hoeneß, „geht es auf die Zielgerade“. Noch neun Spieltage: „Es wird von Woche zu Woche mehr Dramatik geben“.