Kommentar

Dem Kader fehlt Tiefe

Wäre es mit Patrick Ebert besser gelaufen? Das ist nicht die Frage, meint Daniel Stolpe: Vielmehr lässt die Niederlage gegen Stuttgart erkennen, dass es bei Hertha an wirklich guten Ersatzleuten fehlt.

Es ist müßig zu spekulieren, inwieweit ein Mitwirken von Patrick Ebert das Ergebnis von Stuttgart beeinflusst hätte. Fakt ist: Trainer Lucien Favre hatte auf den allzu leicht verführbaren Profi verzichtet – und das zu Recht.

Ohne den in seiner Beständigkeit ausbaufähigen Ebert überschätzen zu wollen – Fakt ist ebenso: Mit seiner nächtlichen Disziplinlosigkeit hat der bis auf weiteres suspendierte Profi dem Tabellenführer Hertha BSC über negative Schlagzeilen hinaus auch sportlich Schaden zugefügt.

Denn in Abwesenheit des besten Berliner Torvorbereiters war bis zu den zwei VfB-Treffern noch keine Flanke in den Stuttgarter Strafraum geflogen – woran sich bis Spielende kaum etwas änderte. Mag Ebert kein allein seligmachender Heilsbringer sein – Ersatzmann Marko Babic war beim Spiel gegen Stuttgart noch nicht einmal ein Ebert.

Diese Erkenntnis untermauert die Feststellung, dass die Bank von Hertha BSC nicht die einer Spitzenmannschaft ist. Ähnlich wie der abgerutschte Überraschungs-Aufsteiger Hoffenheim vermögen auch die Berliner ihre schmerzhaften Ausfälle mit den in der Winterpause nachverpflichteten Profis nur bedingt zu kompensieren. Und die Außenbahnen im Hertha-Mittelfeld gehören ohnehin zu den am schwächsten besetzten Mannschaftsteilen.

Mut macht hingegen, dass die Berliner nach Rückschlägen in dieser Saison bis jetzt meistens umgehend wieder aufgestanden sind. Der Fortbestand der Tabellenführung während der Länderspielpause wird für angenehmes Arbeiten sorgen, und die Nationalspieler können immer noch mit breiter Brust zu ihren Auswahlteams reisen – danach aber darf sich Hertha im Titelrennen der Fußball-Bundesliga keine weitere Schwächung mehr erlauben.