Randale-Vorwürfe

Patrick Ebert wird mit Regionalliga bestraft

Die Strafe ist schon jetzt hart. Herthas Mittelfeldspieler Patrick Ebert muss bis auf weiteres im U23-Team des Vereins in der Regionalliga spielen. Dazu kommt eine saftige Geldstrafe – und die polizeilichen Ermittlungen, zu denen er jetzt Stellung nehmen kann. Doch Trainer und Management sehen keine andere Wahl: „Diesmal ist er zu weit gegangen."

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Wenn er von der eigenen Zeit als Spieler erzählt, verraten ein spitzbübischer Blick und das Funkeln der Augen, dass auch Lucien Favre (51) nicht immer ein Musterprofi war. Sein Wissen um die Fehlbarkeit von Fußballern hat sich der Trainer von Hertha BSC erhalten, er nimmt für sich in Anspruch, „sogar sehr tolerant“ zu sein. Umso heftiger geriet gestern sein emotionaler Ausbruch. „Ich bin enorm enttäuscht“, presste Favre um Beherrschung bemüht hervor. Er kniff die Augen zusammen, er atmete tief ein und aus, er schüttelte den Kopf. „Oft waren wir nachsichtig, aber was diesmal passiert ist, ist unglaublich. Patrick Ebert ist ein guter Junge, aber diesmal ist er zu weit gegangen.“

In der Nacht zu Dienstag war besagter Ebert im Stadtteil Wilmersdorf gegen 3.35 Uhr von einer Polizeistreife angehalten worden, in seiner Begleitung befand sich Ex-Herthaner Kevin Boateng (Borussia Dortmund). Unstrittig ist, dass beide nicht ganz nüchtern waren, zur Last gelegt wird ihnen von behördlicher Seite überdies, an mehreren Autos Sachbeschädigung verübt zu haben. Als Konsequenz wird der seit Dienstag 22 Jahre alte Ebert „bis auf Weiteres“ (Favre) strafversetzt; auf unbestimmte Zeit muss er mit der U 23 trainieren und dort auch spielen. Zudem verhängte der Verein 10.000 Euro Geldstrafe. Manager Dieter Hoeneß betonte, die Sanktionen des Vereins bezögen sich „vorerst nicht auf diese Vorwürfe, sondern einzig auf die Tatsache, dass er zum wiederholten Male zur Unzeit noch auf der Straße war“.

Für Ebert bedeutet schon der Status quo einen tiefen Fall: Auch der Deutsche Fußball-Bund reagierte und strich den Mittelfeldspieler aus dem Aufgebot für die anstehenden Testländerspiele der U21 gegen die Niederlande und Weißrussland. Und statt mit den Profis des Bundesliga-Tabellenführers am Sonnabend beim VfB Stuttgart anzutreten, muss er Sonntagmittag gegen den 1. FC Magdeburg Herthas Amateure in deren Kampf gegen den Abstieg aus der viertklassigen Regionalliga verstärken. Hoeneß betonte, er trage „diese Entscheidung des Trainers zu 100 Prozent mit. Es gab keine andere Wahl, als Patrick zu sagen: Jetzt ist es genug, du hattest viele Chancen, jetzt denk’ mal über das eine oder andere nach.“

Vor Beginn des Mannschaftstrainings, um 9.20 Uhr, hatte Favre dem Sünder seine Maßnahme mitgeteilt. Sofort verließ Ebert das Gelände, auf das er am Nachmittag zum Training der Amateure zurückkehrte. „Es ist immer das Schlechteste für einen Trainer, eine solche Entscheidung zu treffen“, sagte Favre. „Ich habe das nicht gern, aber in diesem Fall ging es nicht anders.“ Eberts Mitspieler beurteilten die Sachlage ähnlich. „Es war die einzig logische Konsequenz“, sagte Kapitän Arne Friedrich, und selbst Eberts Kumpel Marko Pantelic, der das Hinspiel gegen Stuttgart (2:1) pikanterweise selbst wegen einer Suspendierung verpasst hatte, sekundierte: „Der Trainer hat gemacht, was er machen musste.“

Ebert und Boateng einzige Beschuldigte

Unterdessen hat die Polizei Ebert und Boateng als zum jetzigen Zeitpunkt einzige Beschuldigte im Tatvorwurf der Sachbeschädigung zu einer Aussage aufgefordert; ihnen steht es frei, dem nachzukommen oder die Aussage zu verweigern. Bis jetzt bestreiten beide Profis vehement jede Schuld und haben sich anwaltliche Hilfe genommen. Nach Auswertung der am Tatort Brandenburgische Straße sichergestellten Spuren sowie der vorliegenden Zeugenaussagen geht der Vorgang zur Staatsanwaltschaft, die dann über etwaige Anklageerhebung zu befinden hat.

Für Hertha bedeutet der Verzicht auf Ebert, dass Favre seine zuletzt vier Mal in Folge unveränderte Anfangself umstellen muss. Maximilian Nicu wird wohl ins rechte Mittelfeld rücken, links vertritt ihn Marko Babic – oder Cicero, falls Gojko Kacar nach dreimonatiger Verletzungspause schon wieder für einen Einsatz von Beginn an infrage kommt. Doch sind dies alles nachrangige Sorgen für Favre, dessen Mannschaft die Tabellenführung unabhängig vom Spielausgang in Stuttgart über die Länderspielpause hinaus behalten wird. Die Enttäuschung über Eberts wiederholte Disziplinlosigkeit ist vielmehr deshalb so groß, weil der Trainer seinem Sorgenfall ebenso oft schon ins Gewissen geredet hat wie Manager Hoeneß und Lizenzspielerleiter Michael Preetz. Der jetzige Vorfall bestätigte aber nur die interne Einschätzung: Ebert lernt nicht dazu. Mitarbeit: mb