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Bei Hertha werden die Karten knapp

Es gibt sie doch - die Euphorie um Hertha BSC. 4000 verkaufte Tickets pro Tag, 400 neue Vereinsmitglieder binnen zwei Wochen: Beim Tabellenführer herrscht plötzlich Ausnahmezustand. Gegen Leverkusen rechnet Hertha mit knapp 60.000 Zuschauern. Und für die verbleibenden Heimspiele erwarten die Berliner eine riesige Nachfrage.

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Jennifer Preston ahnte wohl nicht, welche Auswirkung ihr Klick im Internet haben würde. Die Kauffrau für Büro-Kommunikation hatte kaum die Mitgliedsanträge für sich, ihren Ehemann René und Tochter Madelyn abgeschickt, da klingelte auch schon das Telefon. Am anderen Ende der Leitung gratulierte Hertha BSC feierlich zur Aufnahme als Mitglied Nummer 16.000 beim Berliner Bundesligisten. Beim Heimspiel gegen Bayer Leverkusen am Samstag (15.30 Uhr, Olympiastadion) wird Jennifer Preston vor dem Anpfiff im Anstoßkreis mit einem Blumenstrauß und einem Trikot mit der Rückennummer 16.000 geehrt.

Binnen zwei Wochen hat Hertha rund 400 neue Mitglieder geworben – diese Zuwachsrate liegt etwa um das Zehnfache über dem normalen Wert für einen solchen Zeitraum und „begründet sich eindeutig mit dem hervorragenden Abschneiden der Mannschaft“, sagt Geschäftsführer Ingo Schiller.

Mit vier Punkten Vorsprung führen die Blau-Weißen derzeit die Tabelle an und haben Platz eins damit auch über das kommende Wochenende hinaus sicher. „Spielen wir Samstag Champions-League-Finale?“, fragte Stürmer Andrey Voronin, als er gestern den Presseraum auf dem Vereinsgelände betrat. Das versammelte Medienaufgebot ließ darauf schließen.

Die Euphorie um Hertha erfasst jetzt doch spürbar die Bevölkerung der Hauptstadt. „Ich merke es jeden Morgen, wenn ich auf der Geschäftsstelle eintreffe“, sagt Schiller. „Die Leute warten dann schon auf die Öffnung des Fan-Shops, um sich mit Eintrittskarten und Fanartikeln einzudecken.“

Hertha spürt hohe Nachfrage gegen Schalke

Gegen Leverkusen rechnet Hertha mit knapp 60.000 Zuschauern. „Das wäre für mich ein absoluter Traum“, sagt Schiller. Einer, der Wirklichkeit zu werden verspricht. Bis zum Nachmittag waren am Mittwoch 44.000 Tickets verkauft. Allein am Montag und Dienstag dieser Woche wurden je rund 4000 Karten abgesetzt – für Schiller sind das unfassbare Werte: „In meinen elf Jahren bei Hertha kann ich mich nicht daran erinnern, so etwas einmal erlebt zu haben.“

Und der gegenwärtige Trend scheint zumindest kurzfristig stabil. An den verbleibenden Vorverkaufstagen rechnet Schiller mit ähnlichen Absätzen; dazu kommt der traditionell nachfragestarke Spieltag selbst.

Der Höhenflug der Mannschaft lässt bei Hertha die Tickets knapp werden. Zwar ist für die Heimspiele gegen Borussia Dortmund, Werder Bremen, den VfL Bochum und Schalke04 noch je über die Hälfte aller Karten verfügbar. „Doch besonders beim Spiel gegen Schalke verspüren wir eine ungemeine Nachfrage“, sagt Schiller. „Wer Tickets für die verbleibenden Heimspiele will, muss sich in bestimmten Kategorien bereits beeilen.“

Gewöhnlich sind zwei Monate vor einem Spieltermin über die 16.000 Dauerkartenkunden hinaus noch kaum Karten verkauft, im Fall des letzten Heimspiels der laufenden Saison sind es nun eine Woche nach Vorverkaufsstart schon 20.000.

Der Mannschaft gefällt die Perspektive, bis Saisonende regelmäßig in einem gut gefüllten Olympiastadion auflaufen zu dürfen. „So macht es viel mehr Spaß“, sagt Voronin. Mittelfeldspieler Pal Dardai glaubt sogar, „dass die Zuschauer der entscheidende Vorteil sein können: Wenn sie uns anfeuern, spüren wir irgendwann keine Schmerzen mehr, sondern laufen einfach automatisch weiter“.

Und damit sich die Fans noch besser mit den Profis identifizieren können, achten die Spieler auf jedes Detail: Arne Friedrich hat sich eine neue Kapitänsbinde besorgt. Lief der Spielführer der Herthaner zuvor jahrelang mit einer schwarz-rot-goldenen Binde auf, ist diese nun rot-weiß-rot, und in der Mitte prangt der Berliner Bär. Es kann als Dankeschön an die Berliner für ihre Unterstützung gewertet werden. Gleichzeitig, na klar, ist dieser Tage auch Friedrichs Binde ein Renner im Fan-Shop.