Morgenpost Online: Herr Prasnikar, was macht die Spiele zwischen Energie Cottbus und Hertha BSC so besonders?
Bojan Prasnikar: Das Nachbarschaftsduell ist immer etwas sehr Herausragendes. Zum einen für die Spieler auf dem Spielfeld, zum anderen für die Fans. Die Rivalität zwischen den Anhängern der beiden Klubs ist sehr groß. Seit Tagen reden hier in Cottbus alle nur über das Spiel. Und außerdem ist die Partie für beide Mannschaften zu diesem Zeitpunkt enorm wichtig. Wir benötigen im Abstiegskampf dringend Punkte, und Hertha will Spitzenreiter bleiben. Das Spiel wird uns und auch den Berlinern zeigen, in welche Richtung es in den nächsten Wochen gehen wird.
Morgenpost Online: Steht Hertha als Tabellenführer besonders unter Druck?
Bojan Prasnikar: Im Derby zählt der Tabellenplatz gar nichts. Es geht einzig und allein darum, wer die besseren Nerven und die größere Aggressivität haben wird. Das Zweikampfverhalten wird entscheidend sein. Die Mannschaft mit mehr Mut wird gewinnen.
Morgenpost Online: Sind Sie überrascht, dass Hertha in der Tabelle ganz oben steht?
Bojan Prasnikar: Nein. Ich freue sehr für Hertha. Die Mannschaft hat in den vergangenen Monaten sehr gute Spiele gezeigt und es daher verdient, ganz oben zu stehen. Ich hoffe, dass sie nach dem Spiel bei uns wieder eine gute Serie hinlegen. Aber am Samstag sollten sie keine Punkte holen.
Morgenpost Online: Was macht die Berliner derzeit so stark?
Bojan Prasnikar: Hertha kombiniert sehr gut und ist auf jeder Position gut besetzt. Die Mannschaft tritt als Einheit auf. Wir haben großen Respekt vor der Entwicklung in Berlin. Aber keine Angst.
Morgenpost Online: Cottbus hat in Hinrunde als einzige Mannschaft in Berlin gewonnen (1:0). Wie haben Sie das geschafft?
Bojan Prasnikar: Im Herbst hatten wir viele Probleme. Dieser Sieg war für uns daher unheimlich wichtig. Damals haben wir im richtigen Moment die richtige Entscheidung getroffen und unsere Torchance genutzt. Im Derby fallen nie viele Tore. Seine Chancen muss man daher nutzen.
Morgenpost Online: In elf Spielen gewann Cottbus sieben Mal gegen Berlin. Wie wollen Sie Hertha diesmal schlagen?
Bojan Prasnikar: Es wird ein sehr Zweikampfbetontes Spiel. Die Spieler werden um jeden Ball kämpfen. In diesem Jahr funktioniert unser Spiel nach vorn besser. Das wollen wir ausnutzen und offensiv auftreten. Wir denken alle in die gleiche Richtung und haben zuletzt gute Grundlagen geschafften. Physisch und psychisch sind alle Spieler bereit, gegen Hertha an die Grenze zu gehen.
Morgenpost Online: Auf welche Spieler muss ihre Mannschaft besonders achten?
Bojan Prasnikar: Hertha hat viele wichtige Leute, von denen Andrey Voronin sicherlich als erstes zu nennen ist. Auch auf Josip Simunic und Marko Pantelic müssen wir achten. Die sind immer gefährlich. Aber wir werden auch die anderen Spieler nicht vergessen, denn die Mannschaft der Berliner ist sehr ausgeglichen.
Morgenpost Online: Die Hertha-Spieler haben sich mit intensiven Zweikämpfen und Fouls im Training auf die Partie eingestellt. Wird das Spiel tatsächlich so hart?
Bojan Prasnikar: Das bedeutet nichts. Beide Mannschaften haben das gleiche Ziel – drei Punkte. Und ohne intensive Zweikämpfe wird es eben nicht gehen. Nur mit Schönspielerei wird es schwer.
Morgenpost Online: Ist Ihre Mannschaft die Härteste der Bundesliga?
Bojan Prasnikar: Wir müssen immer hart sein. Ohne Herz und Mut geht es nicht. Wir haben nicht so viele andere Möglichkeiten. Unsere Stärken müssen wir ausspielen. Das werden wir auch am Samstag versuchen.
Morgenpost Online: In der Heimtabelle der Bundesliga ist Cottbus allerdings Letzter.
Bojan Prasnikar: Das haben wir unseren schlechten Leistungen im vergangenen Herbst zu verdanken. Wir haben vor heimischem Publikum zu wenig Punkte gemacht. Deswegen sind wir jetzt in einem Rückstand. In diesem Jahr läuft es besser. Wir haben in unserem Stadion zweimal gewonnen und sind zuversichtlich, dass es auch gegen Hertha klappt.
Morgenpost Online: In der Rückrunde tritt ihre Mannschaft entschlossener auf. Was haben Sie in der Winterpause verändert?
Bojan Prasnikar: Wir haben wieder eine positivere Einstellung in Mannschaft gebracht. Die Vorbereitung auf die Rückrunde war gut. Im Verein ist Ruhe eingekehrt, alle konzentrieren sich nur auf das Training und die Spiele. Das ist sehr wichtig.
Morgenpost Online: Zuletzt haben Sie offensiv spielen lassen. Hertha hat die drittbeste Abwehr der Liga. Ändern Sie nun Ihre Taktik?
Bojan Prasnikar: Nein. Wir werden ganz normal unser Spiel machen und nach vorn spielen. Die Frage ist nur, inwieweit Hertha das zulassen wird.
Morgenpost Online: Nach der Niederlage beim VfL Bochum (2:3) haben Sie sich über die Leistung des Schiedsrichters beschwert. Glauben Sie, dass Profi-Schiedsrichter der Bundesliga helfen würden?
Bojan Prasnikar: Fußball ein sehr wichtiger Teil des Lebens, und in der Bundesliga geht es um sehr viel. Darum muss bei einem Spiel alles in richtiger Ordnung sein. Der Fußball braucht also die besten Leute im Schiedsrichterbereich. Sie müssen bereit sein für den Job. Jeder, der auf oder am Spielfeld steht, sollte Profi sein. Nicht nur Spieler und Trainer, sondern auch die Schiedsrichter. Denn auf dem Spielfeld macht jeder seinen Job, und den Job muss jeder richtig machen.
Morgenpost Online: Sind sie der härteste Trainer der Liga?
Bojan Prasnikar: Nein.
Morgenpost Online: Warum haben Sie dann dieses Image?
Bojan Prasnikar: Vieles aus unseren Trainingseinheiten wird überinterpretiert. Dass wir hart arbeiten, ist doch aber das Mindeste, was man von uns erwarten kann.


































