Als in Australien geborener Stammspieler der kroatischen Nationalmannschaft ist Josip Simunic in der Welt des Fußballs auf natürliche Weise gut vernetzt. Mit wem auch immer der Verteidiger zurzeit spricht – früher oder später ist Hertha BSC das Thema. Der Tenor ist dabei fast ausnahmslos derselbe, erzählt Simunic stolz: „Ich glaube, dass wir ziemlich viele Menschen mit unserer Leistung überrascht haben – nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa und der ganzen Welt.“

Als Tabellenführer nach dem 23. Spieltag träumt Hertha von der ersten Deutschen Meisterschaft seit 78 Jahren. Erst zum zweiten Mal stehen die Blau-Weißen drei Spieltage in Folge auf Platz eins (10.-12. der Saison 2000/01), nie zuvor waren sie so spät in der Saison Tabellenführer, und ebenfalls nie zuvor führten sie die Konkurrenz mit vier Punkten Vorsprung an. Diese Superlative sind es, warum Simunic sagt: „Wir sind in guter Verfassung und spielen schönen Fußball – so müssen wir einfach weitermachen!“

Am Wochenende beginnt in der Bundesliga das letzte Drittel der Saison. Die Tabellenkonstellation beschert praktisch nur Borussia Dortmund, Werder Bremen und dem 1.FC Köln gleichermaßen geringe Perspektiven nach oben wie kaum Sorgen nach unten. Acht Mannschaften kämpfen um die Vergabe der internationalen Startplätze, sieben kämpfen gegen den Abstieg.

„Eine besondere Situation für alle Beteiligten“ sieht Hertha-Manager Dieter Hoeneß. Und so stellt sich die Frage, welches der bessere Weg zum Titel ist: Möglichst viele Spiele gegen vermeintlich schwächere Mannschaften, weil sie in der Theorie die größte Chance auf Ertrag bieten? Oder doch regelmäßig Duelle gegen die Besten, die garantiert kein Spieler unterschätzt? Für Lucien Favre machen beide Betrachtungsweisen keinen Unterschied: „Wir gehen von Spiel zu Spiel“, sagt Berlins Trainer. „Für uns ändert es nichts, ob wir gegen den Tabellenletzten Mönchengladbach oder gegen Hamburg oder Hoffenheim spielen. In der Bundesliga gibt es keine leichten Gegner.“ Sagt auch Jan Schindelmeiser, Manager von Aufsteiger 1899 Hoffenheim: „Die Top-Mannschaften haben sicher Qualität, die den Teams unten fehlt. Doch dass die gerade in der Endphase, im Überlebenskampf um den Klassenerhalt, bisweilen über sich hinauswachsen, ist ebenfalls zu beobachten.“

Der Herbstmeister wird im Schlussdrittel seiner ersten Bundesliga-Saison beide Seiten noch ausreichend kennen lernen; von den ausstehenden elf Gegnern der Hoffenheimer pendelt nur Köln zwischen den Extremen.

Die beste Bilanz gegen die direkte Konkurrenz kann bislang der VfL Wolfsburg vorweisen (siehe Kreuztabelle), der sogar das in dieser Saison seltene Kunststück bewerkstelligt hat, in beiden Spielen gegen Hertha BSC ungeschlagen zu bleiben. Das Restprogramm des VfL bewertet Trainer Felix Magath als „nicht ohne“; er sagt aber auch: „Die Konkurrenten um die Europapokalplätze müssen noch bei uns spielen. Unsere Heimstärke kann dabei ein Vorteil sein.“

Auch der Trainer des Hamburger SV setzt auf die Heimspiele gegen direkte Konkurrenten. „Mit Hoffenheim und Hertha BSC kommen auch zwei Konkurrenten aus der Spitzengruppe nach Hamburg“, sagt Martin Jol. Kurzfristig sieht der Niederländer „ein schwieriges Programm“ auf sein Team zukommen , aber: „Wenn wir das gut überstehen, können wir bis zum Ende mitmischen.“ Denn aus den letzten drei Spielen – gegen Bochum und Köln und in Frankfurt – fordert Jol neun Punkte.

Der Blick auf das Restprogramm der Berliner verdeutlicht, wieso die Verantwortlichen bei Hertha noch reserviert sind, was Ambitionen hinsichtlich Champions League oder gar Meisterschaft angeht. Hertha muss noch nach Stuttgart, Hoffenheim und Hamburg. Generell, betont Kapitän Arne Friedrich, „sind elf Spiele noch eine lange Strecke. Bei der Drei-Punkte-Regelung können vier Punkte Vorsprung schnell schmelzen. Wir sind gut beraten, nicht zu träumen, sondern hart weiterzuarbeiten.“