In der letzten Minute unterstrich Trainer Lucien Favre die derzeitige Rangordnung. Andrey Voronin trabte strahlend vom Platz. Für den Ukrainer kam Marko Pantelic, am Sonnabend Stürmer Nummer vier bei Hertha BSC. Der ehemalige Torjäger klatschte seinen Nachfolger ab. Über Pantelic gibt es nichts zu berichten, Voronin wird heute und in den nächsten Tagen so viel über sich lesen wie noch nie.
Alle drei Tore erzielte der Stürmer gegen Energie Cottbus. Schon zur Pause hatte Pal Dardai Voronin aufgezogen: „Bereite doch selbst was vor“, flachste der Mittelfeldspieler. Dabei führte Hertha bereits 2:1. Voronin hatte das erste Tor per Kopf erzielt, beim zweiten hatte er sich am langen Pfosten davongestohlen und die Eingabe aus drei Metern eingeschoben. Und zwei Minuten vor Schluss nahm er den Ball 35 Meter vor dem Energie-Tor an, ließ vier Cottbusser Verteidiger wie Kegel durcheinander purzeln und schoss platziert unten links ein, 3:1 – ein Supertor. Kommentar Voronin: „Geht doch, oder?“
Wer so auftritt, muss sich um Komplimente keine Sorgen machen. „Überragend“, lobte Michael Preetz, Leiter der Lizenzspieler-Abteilung. „Andrey hat uns das Spiel gerettet“, sagte Torwart Drobny, dem die Erleichterung über die Voronin-Gala ins Gesicht geschrieben stand. „Beim 0:1 ist mir der größte Fehler passiert, der dir als Torwart unterlaufen kann. Auswärts bei 0:0 verschulde ich die Cottbusser Führung.“
Voronin war der letzte Herthaner, der nach seinem Interview-Marathon in die Kabine kam. Und er lobte nicht sich, sondern das Team: „Die Mannschaft hat nach dem 0:1 super reagiert. Wir haben die Zweikämpfe angenommen. Das war richtig wichtig.“ Und sein Anteil? Voronin schmunzelte. „Okay, das 2:1 unmittelbar vor der Pause fiel natürlich genau zum richtigen Zeitpunkt.“ Sogar Trainer Favre erlaubte sich ein öffentliches Lob. „Andrey hält die Bälle sehr gut. Und er spielt mutig nach vorn.“ Beinahe im Vorbeigehen enthüllte Favre dann ein Geheimnis. In der Annahme, es sei nach der Zukunft von Voronin gefragt worden, dessen Leihvertrag mit dem FC Liverpool bekanntlich zum 30. Juni endet, sagte Favre: „Wir beschäftigen uns mit zwei, drei Spielern. Aber das ist geheim, dazu darf ich nichts sagen.“
Anders formuliert: Neben der Option, Voronin zu halten, beschäftigt sich Hertha mit einer Alternative zum besten Stürmer der Mannschaft. So hatte sich Voronin zwar öffentlich zu Berlin bekannt, gleichzeitig aber gesagt, er wolle mit 29 Jahren nun einen großen Vertrag abschließen. Doch mit Blick auf die Wirtschaftskrise wird den Vereinen das Geld nicht mehr so locker sitzen wie noch vor Jahresfrist. In Liverpool soll er vier Millionen Euro verdienen (die Hälfte davon zahlt Hertha). Seine Ablöse wird auf rund vier Millionen Euro taxiert. Doch ein Paket über einen neuen Dreijahresvertrag mit Voronin, das über zehn Millionen Euro liegt, wird sich Hertha kaum leisten können. Deshalb läuft im Hintergrund beim Tabellenführer die Suche nach einem Stürmer, der Marko Pantelic und eventuell auch Voronin ersetzen kann, auf Hochtouren.










