Fussball-Bundesliga

Patrick Ebert steht bei Hertha auf dem Prüfstand

Die kleinen Erfolgserlebnisse stehen in keinem Verhältnis zu noch immer bestehenden Defiziten: Für Patrick Ebert gibt es noch viel zu tun. Es gab Zeiten, da untersagte Trainer Favre ihm sogar die Ausführung von Ecken und Freistößen. Das ist vorbei, aber Ebert kann sich seiner Zukunft bei Hertha BSC trotzdem nicht zu sicher sein.

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Auf der Dachterrasse des „Marbella Paradise of Football & Sports“ saß Patrick Ebert und formulierte seine Vorsätze für das neue Jahr. Sie waren knapp gefasst, aber unmissverständlich: „Gesund bleiben“, lautete der eine, „effektiver werden“ der andere.

Mitte Januar war das, und nun ist 2009 längst nicht vorüber, doch bis jetzt darf der Mittelfeldspieler von Hertha BSC zufrieden sein: Die Mannschaft des Berliner Bundesligisten ist Tabellenführer, Ebert (21) paarte wie angestrebt Gesundheit mit Effizienz. In jedem der fünf Spiele auf Herthas Weg zum Gipfel stand er in der Startformation – und in den zurückliegenden drei Partien gegen den FC Bayern (2:1), in Wolfsburg (1:2) und gegen Borussia Mönchengladbach (2:1) bereitete er jeweils ein Tor vor.

Den Weg dorthin findet Ebert oft „fast noch wichtiger als Tore an sich“. Mit insgesamt sechs Vorlagen ist Ebert in dieser Saison bester Assistgeber der Berliner – umso bemerkenswerter ist dies, da er in nur elf von bislang 22 Bundesliga-Partien auf dem Feld stand. Weite Teile der Hinrunde hatte Ebert wegen einer chronischen Entzündung des Schambeins verpasst, Leistenprobleme schlossen sich dem an.

Gegen Mönchengladbach profitierte Pal Dardai von Eberts perfektem Abspiel, es „war so perfekt, ihm gehören mindestens 70 Prozent“, sagte der Schütze danach. Doch dem Lob des Routiniers folgt prompt die Kritik. „Patty ist ein Supertalent“, sagt Dardai, „aber er setzt sich manchmal unter Druck, Spiele mit absolut genialen Aktionen entscheiden zu müssen. In meinem Alter weiß man, dass das Einfache viel effektiver ist. Wenn Patty das lernt, wird er Nationalspieler – garantiert.“

In die Nationalmannschaft zu kommen, sagt Ebert, „ist das Ziel jedes Fußballers – auch meines“. Die Altersgenossen Serdar Tasci (VfB Stuttgart) und Andreas Beck (TSG Hoffenheim) haben den Sprung zu Joachim Löw schon geschafft, die noch um je ein Jahr jüngeren Mesut Özil und Marko Marin ebenfalls. Ebert nicht.

Kein Anspruch mehr auf Welpenschutz

Im dritten Jahr in der Bundesliga genießt Ebert keinen Welpenschutz mehr. Gleichwohl hat er nur 57 von 90 möglichen Partien bestritten – lediglich 15 über die volle Spielzeit. Was einerseits seiner Rolle als Renner auf der rechten Außenbahn geschuldet ist, der, wenn sich seine Kräfte dem Ende zuneigen, ein logischer Kandidat für eine Auswechslung ist.

Berater Jörg Neubauer stellt jedoch auch fest, sein Schützling habe lange „nicht erkannt, dass er aus seinem Talent eine Menge mehr machen muss, und was dazu nötig ist“. Neubauer und auch Trainer Lucien Favre redeten Ebert lange ins Gewissen. Danach stand bei dem Spieler, den Hertha BSC schon im Sommer 2007 mit der Ernennung zum Schirmherr seines „Kids Club“ auf die rechte Spur zu bringen versuchte, die Erkenntnis, „dass ich nicht wilde Sau spielen kann“.

Seitdem arbeitet Ebert an seinem Image. „Die Außendarstellung ist wichtig für einen Profi“, hat er reumütig gesagt. Mindestens ebenso wichtig ist der fußballerische Reifeprozess. Gesteigerte Effektivität ist ein Indiz, dass Ebert auch in diesem Bereich Fortschritte macht.

Doch stehen diese kleinen Erfolgserlebnisse in keinem Verhältnis zu noch immer bestehenden Defiziten. Es gab Zeiten, da untersagte Favre Ebert die Ausführung von Ecken und Freistößen. Inzwischen darf er wieder, sagt aber selbstkritisch: „Es geht noch besser.“ Mindestens die Hälfte der von ihm pro Spiel getretenen ruhenden Bälle müsste zu gefährlichen Situationen führen. Von einem solchen 50-Prozent-Anteil ist Ebert weit entfernt. Doch das ist nicht der Grund, dass bei Hertha intern unverändert die kritischen Beurteilungen überwiegen. Vor allem wird bemängelt, was Dardai in Worte fasste: dass Ebert mit dem Ball am Fuß notorisch die schwerste aller Lösungen sucht.

Das spricht für seinen Ehrgeiz, clever ist es nicht. Erst recht war es unklug, dass Ebert eingestehen muss, sich in der Vergangenheit „ein paar Mal nicht gut gegenüber dem Trainer verhalten“ zu haben: „Da waren ein paar dumme Aktionen dabei.“ Präzisieren will Ebert diese Selbstanzeigen nicht. Lieber spricht er davon, dass sein Verhältnis zu Favre „zurzeit sehr gut“ ist. Gleichzeitig ist festzuhalten, dass Ebert sich weiter erheblich steigern muss, will er langfristig Teil im Personalkonzept von Favre bleiben.

31 Spieler kämpfen um elf Plätze

Die zuletzt bemerkenswert hohe Trainingsintensität erklärte Ebert damit, dass nun mal „nur elf Plätze zu vergeben“ seien. In Zeiten, in denen Hertha frei ist von Verpflichtungen in DFB- und Uefa-Pokal, bewerben sich 31 Spieler um Berücksichtigung im Woche für Woche einzigen Pflichtspiel. Eberts Glück ist, dass er im rechten Mittelfeld weitgehend konkurrenzlos ist. Maximilian Nicu wird links gebraucht, wo er Lucio ersetzt, Lukasz Piszczek fehlte wegen einer Hüft-Operation über Monate und kämpft sich gerade erst wieder heran. Den Mangel an Quantität wie Qualität auf den Außenbahnen hat Favre mehrfach beklagt. Ihn zu beheben ist eine der vordringlichen Absichten in kommenden Transferperioden.