Finanzprobleme

Von welchen Spielern sich Hertha trennen könnte

Ob beim US-Nachrichtensender CNN, in der italienischen "Gazetta dello Sport" oder der Londoner "Times" - alle berichten über Hertha BSC, den neuen Tabellenführer der Bundesliga. Und im Olympiastadion träumen die Fans von der ersten Meisterschaft seit 1931. Doch Trainer Lucien Favre plagen ganz andere Sorgen.

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Hertha BSC ist der Tabellenführer der Bundesliga. Die Fans träumen schon von der ersten Meisterschaft seit 1931. Abwehrspieler Josip Simunic bezeichnet im RBB, die Partie in Cottbus „als die wichtigste der ganzen Saison“. Sollte Hertha am Samstag gewinnen, so Simunic, „haben wir eine sehr gute Ausgangsposition für die letzten elf Spiele“.

Seinen Profis hat Trainer Lucien Favre Träume von der Champions League oder dem Titel ausdrücklich gestattet. Doch mittlerweile wird deutlich, warum Favre und die anderen Verantwortlichen des Klubs, sich derzeit eher defensiv äußern.

Hertha muss in der kommenden Saison sparen. Nicht nur, dass der Personal-Haushalt 2009/10 von derzeit 31 auf 28 Millionen reduziert wird (bei einem Gesamt-Etat von 72 Mio.). „Der Plan sieht einen Transfer-Überschuss vor“, bestätigt Hertha-Präsident Werner Gegenbauer. „Erst wenn der Überschuss höher ausfällt, als die vereinbarte Summe, kann Hertha sich neue Spieler leisten.“ Die Summe, von der die Rede ist, beläuft sich auf drei bis vier Millionen Euro.

Die Champions League würde 15 Millionen Euro garantieren

Die Berliner müssen sparen, weil der neue ab 2009 geltende TV-Vertrag der Liga weniger Geld bringen wird, als ursprünglich geplant. Zudem rechnet Hertha mit Blick auf die weltweite Wirtschaftskrise einen „Sicherheitspuffer“ ein. „Beides trägt zu den Einsparungen bei. Aber den weitaus größeren Teil machen die ausbleibenden TV-Einnahmen aus“, sagte Ingo Schiller, Herthas Finanzchef. Bei dieser Planung wird es bleiben, es sei denn, der Hauptstadt-Klub erreicht die Champions League. Die Königklasse würde 15 Millionen Euro garantieren.

„Das Geschäft ist fließend“, sagt Gegenbauer. Mit dem Wissen um Herthas Schuldenstand von rund 30 Millionen Euro haben Präsidium und Geschäftsführung vereinbart, solange kein Risiko einzugehen, bis Klarheit herrscht, ob und für welchen Wettbewerb sich Hertha qualifiziert: „Das heißt, wir können uns bei bestimmten Themen nicht frühzeitig binden.“ Somit muss sich Torjäger Andrey Voronin, der möglichst bald Klarheit haben möchte, gedulden.

Auch für den Trainer verändern sich mit dem Sparkurs die Herausforderungen. Gegenbauer hat mit Wissen der Geschäftsführung Ende Januar ein ausführliches Gespräch mit Favre geführt. „Ich habe ihm reinen Wein eingeschenkt: Wie unsere finanziellen Möglichkeiten aussehen, sollten wir die Champions League erreichen. Aber auch, wie es aussieht, wenn das nicht gelingt“, sagt Gegenbauer. Wie war die Reaktion von Favre, dessen erklärtes Ziel der Aufbau einer Mannschaft ist, die um den Titel spielen kann? Gegenbauer: „Der Trainer hat den Vertrag bei Hertha vorzeitig um ein Jahr bis 2011 verlängert.“

Favre bestätigte Morgenpost Online, umfänglich eingeweiht zu sein. „Ich weiß, dass wir sparen müssen.“ Öffentliches lamentieren, dass das ehrgeizige Ziel, ein Topteam zu formen, so kaum zu erreichen ist, kommt dem Schweizer nicht in den Sinn. Favre: „Wir können nur das Geld ausgeben, das wir haben. Fertig.“

Welcher Spieler aus dem aktuellen Kader bringt Geld?

Während seine Spieler nun täglich auf die Champions League und den Titel angesprochen werden, muss die sportliche Leitung darüber nachdenken, wie ein Transferüberschuss zu erzielen ist. Welcher Spieler aus dem aktuellen Kader bringt nennenswert Geld, ohne allzu sehr die Substanz zu gefährden?

Null Einnahmen bringen Profis, deren Verträge im Sommer auslaufen, etwa Marko Pantelic oder Leihspieler wie Voronin. Spieler, die längere Verträge haben, können potenziell verkauft werden. Doch Arne Friedrich, Raffael, Gojko Kacar, Cicero oder Jaroslav Drobny sind als Korsettstangen für die Zukunft gedacht. So wird der Blick auf jene fallen, bei denen zweifelhaft ist, ob sie das Potenzial für ganz oben mitbringen: Steve von Bergen, Lukasz Piszczek, Lucio, aber auch Patrick Ebert dürfen sich hier angesprochen fühlen.

Ein Sonderfall ist Josip Simunic. Der Kroate hat in seinem Vertrag Ausstiegsklauseln ausgehandelt. Er entscheidet selbst, ob er geht, falls ein Klub sieben Millionen Euro Ablöse zahlt. Allerdings vermittelt er derzeit den Eindruck, sich wie nur wenige mit Hertha zu identifizieren. Es sind schwierige Entscheidungen, die auf die sportliche Leitung zukommen. Die Mannschaft kann sie dem Verein erleichtern: Indem sie sich für die lukrative Champions League qualifiziert.