Ob Hertha BSC in der Tabelle Erster, Zweiter oder Dritter ist - für Ingo Schiller macht das im Moment keinen Unterschied. Der für Finanzen zuständige Geschäftsführer des Hauptstadt-Klubs stellt die Lizenzunterlagen für 2009/10 zusammen, die Hertha wie alle Profiklubs bis Montag, den 16. März, bei der Deutschen Fußball-Liga eingereicht haben muss.

"Für das Lizenzierungsverfahren planen wir ohne einen europäischen Wettbewerb", sagte Schiller. Tatsächlich macht es einen gravierenden Unterschied, ob Hertha die Uefa Europa League erreicht, den Nachfolger des bisherigen Uefa-Cups, die Champions League oder ohne europäische Teilnahme bleibt.

Das Beispiel Andrey Voronin (29) illustriert die Bandbreite. Der Stürmer hat sich in nur sieben Monaten zum Schlüsselspieler entwickelt: Beim 2:1 gegen Gladbach erzielte der Ukrainer sein siebtes Saisontor, damit liegt Voronin vor Marko Pantelic und Cicero (je sechs). Mittelfeldspieler Pal Dardai lobt: "Wir haben endlich einen Stürmer, der Topspiele entscheidet. Der gegen Leverkusen, Hoffenheim und Bayern trifft und nicht nur gegen, in Anführungszeichen, kleine Gegner wie Bielefeld und Cottbus. Das war bis jetzt nicht der Fall."

Hertha will Voronin, der bis Juni vom FC Liverpool ausgeliehen ist, gern halten. Voronin sagte gestern: "Ich weiß, dass andere Klubs Interesse an mir haben. Aber Hertha ist mein erster Ansprechpartner." Verfehlen die Berliner jedoch alle europäischen Wettbewerbe, ist Sparen angesagt. Dann wird Hertha den Personaletat von derzeit 31 auf 28 Millionen Euro herunterfahren. Trainer Lucien Favre sagte der Schweizer Zeitung "L'Illustré": "Im Sommer werden wir nicht einen Cent für Neueinkäufe haben." Das ist nicht alles: Hertha muss im Sommer einen Transferüberschuss von drei bis vier Millionen Euro erzielen. Es geht also nicht um Neue, sondern darum, wer aus dem vorhandenem Team abgegeben werden kann.

Verpasst Hertha den Sprung ins internationale Geschäft, ist Voronin nicht zu bezahlen. Das ändert sich, sollte Hertha tatsächlich den Einzug in die Champions League schaffen. Das würde dem Klub eine garantierte Einnahme von 15 Millionen Euro sichern. Dann wäre Voronin zu finanzieren. Allerdings wird Hertha, so eng wie die Liga-Spitze beieinander liegt, in dieser Frage erst am Saisonende Mitte Mai Sicherheit haben. Bis dahin plant Hertha 2009/10 mit reduziertem Spieler-Etat, einem Transfer-Überschuss von drei bis vier Millionen und einem Gesamthaushalt von 72 Millionen Euro.

ub/sto