Wenn die gelben Leibchen ein Indiz sind, haben Marko Babic und Leandro Cufre schlechte Aussichten. Als Trainer Lucien Favre Mittwochvormittag neun gegen neun üben lässt, stehen die beiden Winter-Zugänge von Hertha BSC nicht in jener Formation, die – erweitert um Torhüter Jaroslav Drobny und Andrey Voronin – die wahrscheinliche für das anstehende Bundesliga-Heimspiel von Hertha BSC gegen Borussia Mönchengladbach ist (Sonnabend, 15.30 Uhr). „Körperlich sind sie fit, aber ihnen fehlt es noch an der Gewöhnung an unser System“, sagt Favre.
Mit den Verpflichtungen von Babic und Cufre reagierte Hertha Ende Januar auf die – bis heute anhaltenden – Verletzungssorgen in Mittelfeld und Abwehr; beide erfüllten zum Ende der Wechselfrist als ablösefreie Spieler neben der wirtschaftlichen Komponente auch sportlich das Anforderungsprofil: erfahren, begabt – und doch bescheiden.
Nach Saisonende kann Hertha Babic per Option für zwei weitere Jahre binden, bei Cufre besteht eine solche Vereinbarung nicht. „Ich habe 17 Spiele, um zu zeigen, wie gut ich bin. Ich möchte dem Team helfen“, sagt Cufre. Gelegenheit, sich für eine weiterführende Beschäftigung zu empfehlen, hatte er wie auch Babic bis jetzt jedoch kaum. Cufre wurde bei den Siegen gegen Frankfurt und den FC Bayern (jeweils 2:1) in der Schlussphase eingewechselt und offenbarte bei seiner 45-minütigen Bewährungsprobe gegen Bielefeld (1:1) im rechten Mittelfeld arge Probleme. Babic spielte gegen die Bayern auf der linken Seite zwar 90 Minuten durch, blieb aber unauffällig; in allen übrigen Spielen war er nur Ersatz und nach seiner Einwechslung wenig impulsiv.
Eben diese fehlende Dynamik in beider Spiel ist, was Favre intern bemängelt. „Aber sie gewöhnen sich mit jedem Tag besser an das System“, sagt Manager Dieter Hoeneß. Entschieden, ob sie bleiben dürfen, wird daher frühestens nach Saisonende.
Um nicht weniger als die eigene Zukunft als Profi spielt auch Marko Pantelic. Oder verspielt der mitunter eigenwillige Serbe gerade alle Trümpfe? Fakt ist: Er ist Herthas gefährlichster Angreifer, er kann Spiele im Alleingang entscheiden – wenn er denn spielt. Gegen Mönchengladbach wird er das infolge von Knie- und Knöchelproblemen zum vierten Mal in Folge nicht tun. Gestern lief Pantelic erstmals wieder für 30 Minuten auf dem Platz, „aber er wird nicht im Kader stehen“, sagt Favre deutlich: „Er hat drei Wochen nicht mit der Mannschaft trainiert.“
Die Schwere von Pantelics Blessuren wird von den behandelnden Medizinern und dem Spieler selbst unterschiedlich beurteilt – und so stellt sich die Frage: Welches Spiel spielt Pantelic? „Er ist verletzt“, stellt Hoeneß klar: „Er hat ja ein Interesse, zu spielen.“ Denn wenn schon nicht in Berlin, so muss Pantelic sich andernorts für einen Vertrag empfehlen. Und doch ist es der 30-Jährige selbst, der sein Comeback Woche um Woche nach hinten verschiebt. Das nährt den Verdacht, dass Pantelic den beidseits kultivierten Konflikt mit Favre weiter hochschaukelt – nach dem Motto: „Du willst mich nicht? Kannst du haben!“ Hoeneß, ewiger Mittler zwischen Trainer und Torjäger, beobachtet den Fortgang mit Sorge.
Ganz anders geartet ist der Status quo im Falle des Vierten bei Hertha, dessen Zukunft unklar ist: In der heutigen Ausgabe des Fachmagazins „kicker“ bekennt sich Andrey Voronin mit klaren Worten zu Hertha BSC. Im Staraufgebot des FC Liverpool nur am Rande stehend, behagt dem Ukrainer die zentrale Rolle in Berlin deutlich mehr. „Andrey tut der Mannschaft gut“, lobt Hoeneß, „allerdings muss er für uns auch finanzierbar sein – und das ist er bis jetzt noch nicht.“ Die Lücke zwischen von Liverpool und Voronin an Ablöse und Gehalt Gefordertem und dem für Hertha in Summe Machbaren klafft unverändert.





