Auch ohne den verletzt auf der Tribüne sitzenden Marko Pantelic hat Hertha BSC die Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga erobert. Der Ukrainer Andrey Voronin erzielte an seiner Statt vor 74.244 begeisterten Zuschauern im ausverkauften Olympiastadion beide Treffer zum 2:1 (1:0)-Sieg über Titelverteidiger Bayern München. Für die Gäste traf Klose. „Das ist fantastisch“, freute sich Hertha-Trainer Lucien Favre.

Schon vor dem Anpfiff sorgte Herthas Trainer Lucien Favre bei den Berliner Fans für Verwunderung. Sein Assistent Harald Gämperle richtete unmittelbar vor dem Spiel über die Videoleinwand in der Arena aus, dass auf das Publikum „eine Überraschung“ warte. Diese hieß Rodnei und lief von Beginn an als linker Verteidiger. Der Brasilianer, der von den vielen Verletzungen profitierte, hatte zuvor keine Minute in der Bundesliga gespielt.

Überraschung Rodnei

Doch die fehlende Erfahrung war ihm nicht anzumerken. Rodnei agierte von Anfang an konzentriert und fügte sich nahtlos in die Hertha-Mannschaft ein. Gegen Bayerns Bastian Schweinsteiger gewann er in der ersten Spielhälfte fast alle Zweikämpfe, und im defensiven Mittelfeld stoppte der zuletzt verletzte Pal Dardai und Maximilian Nicu die Angriffsbemühungen der Bayern. Allerdings gelang den Gästen in der ersten Spielhälfte auch kaum etwas. „Wir gehen mit Respekt in die Partie“, hatte Münchens Trainer Jürgen Klinsmann vor der Begegnung gesagt.

Tatsächlich spielten beide Mannschaften zunächst abwartend, keiner wollte den ersten Fehler machen. Gefährlich wurde es für Hertha zum ersten Mal in der elften Minute: Münchens Stürmer Luca Toni schirmte im Strafraum der Berliner mit dem Rücken den Ball ab, als Herthas Kapitän Arne Friedrich den Italiener mit beiden Händen zu Boden zog. Schiedsrichter Florian Meyer ließ zum Glück der Berliner aber weiterspielen. Hertha kam ohne Pantelic in der ersten halben Stunde zu keinen Torchancen, weil vor allem das Mittelfeld enttäuschte.

Marko Babic, der auf linken Außenbahn erstmals von Beginn an spielte, agierte zu passiv, und Patrick Ebert spielte auf rechts ungewohnt hektisch. Dem U21-Nationalspieler unterliefen zunächst zahlreiche Fehlpässe. Dardai hingegen zeigte eine gute Leistung und schoss Hertha in der 30. Minute fast in Führung. Nach einem Eckball zog der Ungar von der Strafraumgrenze ab, Ze Roberto klärte auf der Linie.

Als Ebert acht Minuten später frei zum Flanken kam, bewies er dann aber seine Qualitäten: Er schlug einen langen Ball auf Andrey Voronin, der sich im Zweikampf gegen Bayerns Rechtsverteidiger Christian Lell durchsetzte und das 1:0 köpfte – Hertha war in diesem Moment zum ersten Mal in dieser Saison Tabellenführer. Die Fans tobten, und der Torschütze lief zur Eckfahne und brüllte seine Freude heraus. Es war der fünfte Saisontreffer des Angreifers, der bis zum Saisonende vom englischen Klub FC Liverpool ausgeliehen ist.

Die Führung gab den Berlinern Auftrieb. Nach dem Seitenwechsel spielten sie schneller und selbstbewusster nach vorn, doch auch die Bayern merkten nun, dass sie mehr investieren müssen. Sie setzten die Hertha-Abwehr immer stärker unter Druck und kamen in der 61. Minute zum Ausgleich: Einen Schuss von Schweinsteiger konnte Jaroslav Drobny noch abwehren, und auch den Nachschuss des Nationalspielers wehrte der Berliner Torwart mit einem starken Reflex glänzend ab. Allerdings prallte der Ball zu Miroslav Klose, der das 1:1 köpfte.

Drobny hält überragend

Es ging jetzt hin und her. Raffael hatte die Gelegenheit zum 2:1, schoss aber freistehend aus 17 Metern über das Tor (65.). Auf der Gegenseite hatte Franck Ribery die beste Gelegenheit, aber auch er scheiterte an Drobny (70). Herthas Torhüter ist schon seit Saisonbeginn einer der besten in der Bundesliga.

Seine Paraden motivierten die Mannschaft, die in der Schlussphase noch einmal alle Kräfte mobilisierte – und dafür belohnt wurde. Einen Pass von Raffael verwandelte erneut Voronin aus zwölf Metern zum 2:1 (77.). Der Jubel im Olympiastadion war nun ohrenbetäubend.