Ausnahmsweise durften sich die Fußball-Profis von Hertha BSC über ein freies Wochenende freuen. Erst am Dienstag nimmt der Bundesligist die Vorbereitung zum Schlager gegen den FC Bayern auf (Samstag, 15.30 Uhr, Olympiastadion). Der Dritte empfängt den Zweiten – das Topspiel des 20. Spieltages findet in Berlin statt. Doch Hertha hat Sorgen: Wer soll auf den beiden Schlüsselpositionen im System von Trainer Lucien Favre spielen, auf der „Doppel-Sechs“ im defensiven Mittelfeld? Favre sagte Morgenpost Online: „Ehrlich, ich weiß es noch nicht.“
Klar ist nur, wer dort nicht gegen den Rekordmeister spielen darf: Cicero. Der Brasilianer kassierte beim 1:1 in Bielefeld wegen Reklamierens eine Gelbe Karte. Es war seine fünfte, er ist gesperrt. Josip Simunic rügte: „Wie sich Cicero die fünfte Gelbe geholt hat, war blöd.“ Außerdem fallen Fabian Lustenberger und Youngster Lennart Hartmann verletzt aus.
Was bleibt, ist die Hoffnung auf zwei Rekonvaleszenten – allerdings sieht es auch da nicht gut aus. Gojko Kacar (22) kehrte am Sonntag aus Belgrad zurück, der serbische Verband hatte ihn für ein U21-Länderspiel nominiert. Doch die medizinische Untersuchung in Serbien bestätigte nur, was ohnehin klar war: Kacar ist derzeit nicht einsatzfähig. Seit dem 13. Dezember, als er sich einen Anbruch des Schienbeinköpfchens zugezogen hat, konnte er nicht mehr mit der Mannschaft trainieren. So wertvoll Kacar in Normalform ist - in der Hinrunde erzielte er fünf Tore -, er hat die komplette Vorbereitung auf die Rückrunde verpasst.
Ähnlich sieht es mit Pal Dardai (32) aus. Der Routinier ist zwar ein wenig weiter als Kacar. Dardai konnte im Januar eine Woche arbeiten, ehe ihn eine Meniskus-Operation zurückwarf. Nach vierwöchiger Pause will der Ungar Dienstag ins reguläre Training einsteigen. Trotz des attraktiven Gegners am Samstag will Favre weder Dardai noch Kacar zu früh ins Rennen schicken: „Wir dürfen kein Risiko nehmen. Wir haben noch 15 Spiele in der Rückrunde.“
Was passiert, wenn zu früh zu viel gewagt wird, erlebt Hertha gerade: Bei Sofian Chahed ist eine Muskelverletzung von Anfang Dezember im Januar im Trainingslager in Marbella erneut aufgebrochen. Der Verteidiger fällt bis auf weiteres aus. Deshalb die Prognose: Gegen den Titelfavoriten aus München stehen in Herthas Startelf weder Dardai noch Kacar.
Somit bleibt die Frage: Wie will Hertha die Offensivpower der Bayern um Franck Ribery, Bastian Schweinsteiger und Ze Roberto stoppen? Kurios, aber bezeichnend für die Berliner Personallage: Der einzig gesetzte Spieler im defensiven Mittelfeld ist Maximilian Nicu. Dabei hat der gelernte Flügelspieler lediglich ein Mal in der Schaltzentrale ausgeholfen, zum Rückrunden-Start gegen Frankfurt (2:1). Die Aufgabe hat Nicu ansprechend gelöst. „Er ist ein intelligenter Spieler, Maximilian lernt schnell“, hatte Trainer Favre gelobt.
Nun sucht Hertha einen Nebenmann für Nicu. Simunic kann zur Not im defensiven Mittelfeld spielen, ist aber eigentlich in der Innenverteidigung gegen Luca Toni vorgesehen. Marko Babic (28), im Winter von Betis Sevilla gekommen, kann dort theoretisch spielen. Wer jedoch die Defizite von Babic in Sachen Tempo und Power bei dessen beiden Kurzeinsätzen gesehen hat, wird das gegen die schnellen Bayern für keine Ideallösung halten. Manager Dieter Hoeneß sagte: „Gerade vor dem Bayern-Spiel ist die Situation nicht sonderlich glücklich. Der Trainer muss sich was einfallen lassen.“
Sollte sich gar niemand finden lassen, hat Dardai noch einen Vorschlag auf Lager: „Ich habe überlegt, ob ich Andi Schmidt anrufen soll und frage, ob er spielen kann.“ Der verdiente Mittelfeldspieler (35) hatte nach 18 Jahren im Klub seine Karriere im Juni 2008 beendet...





