Bundesliga

Hertha wünscht sich Realismus und sortiert den Kader neu

Bei den Saison-Abschlussgesprächen wurde Spielern Jarstein, Bergh und Ronny mitgeteilt, dass sie keine Zukunft in Berlin haben. Trotz Kritik sollen Kalou und Hegeler eine zweite Chance erhalten.

Foto: Streubel / Bongarts/Getty Images

Es ist bei Hertha BSC nicht anders als bei Eintracht Frankfurt, dem VfB Stuttgart, dem HSV oder Hannover 96: Die Mitglieder der Traditionsvereine tun sich schwer, die veränderten Bedingungen in der Fußball-Bundesliga in ihrer Gefühlswelt unterzubringen.

Auf der Mitgliederversammlung von Hertha argumentierte ein Mitglied, es sei Berlin nicht würdig, im nächsten Jahr wieder nur um den Klassenerhalt zu spielen. Die Antwort von Manager Michael Preetz lautete: „Ich kann es momentan nicht ändern. Wir müssen Hertha Schritt für Schritt entwickeln.“

Auch Bernd Schiphorst, der Vorsitzende des Aufsichtsrates von Hertha, wies darauf hin: „Die Bundesliga befindet sich gerade in einem Wandel. Mit dem FC Ingolstadt ist ein weiterer Klub vom neuen Typus aufgestiegen. Unsere Aufgabe ist, Hertha BSC so aufzustellen, dass wir auch unter den veränderten Bedingungen mithalten können.“

Reichlich Gegenwind für Preetz

Egal ob in Berlin oder den genannten Städten: Die Erwartung in der Anhängerschaft ist, dass der eigene Klub grundsätzlich in der oberen Hälfte der Liga mitspielen möge – im Minimum. Die Realität jedoch lautet: Das schwierige zweite Jahr in der Bundesliga hat Hertha – wenn auch knapp – mit dem Klassenerhalt beendet.

Manager Preetz bekam reichlich Gegenwind auf der Veranstaltung. Hinter der vordergründigen Kritik an Transfers oder Trainer-Entscheidungen stand die Erwartung, dass alles besser sein sollte. Dass Hertha nicht durchgehend in der unteren Tabellenhälfte stattfinden möge wie (mit Ausnahme des ersten Spieltages) in der vergangenen Saison.

Preetz ließ sich aber nicht von seiner Linie abbringen. „Ich werde jetzt nicht versprechen, dass wir nächste Saison nach Europa wollen. Für unrealistische Ziele stehe ich nicht zur Verfügung.“

Keine Zukunft für Jarstein, van den Bergh und Ronny

Die wirklichkeitsnahe Einordnung von Hertha für die kommende Saison lautet: Der Wettbewerb in der Liga ist hart. Zwischen Platz sieben und einem Abstiegsrang ist alles möglich. Diese Ungewissheit widerspricht jedoch den Hoffnungen der Mitglieder und Fans.

Präsident Werner Gegenbauer sagte nach der Versammlung: „Wir haben alle Fragen beantwortet. Ob die Antworten als zufriedenstellend empfunden wurden, liegt im Auge der Betrachter.“

Unstrittig ist, dass es im Kader von Hertha Veränderungen geben wird. Bei den Saison-Abschlussgesprächen wurde nach Berichten mehrerer Medien den Spielern Rune Jarstein, Johannes van den Bergh und Ronny mitgeteilt, dass sie trotz laufender Verträge keine Zukunft in Berlin haben. John Heitinga, Peter Niemeyer und Sandro Wagner wurde gesagt, ihnen würden bei einem Wechsel keine Steine in den Weg gelegt. Trotz teilweise heftiger Kritik in der abgelaufenen Saison sollen Salomon Kalou und Jens Hegeler 2015/16 eine zweite Chance erhalten.