Für Salomon Kalou muss sich Berlin plötzlich wie eine ganz andere Stadt anfühlen. Als der Ivorer seinen Arbeitsplatz im Dezember verließ, herrschte noch Eiszeit. Nun, anderthalb Monate später, mutet es dort wie Frühling an. Um kurz nach zehn am Donnerstagmorgen stieg Kalou aus einem Flugzeug in Tegel und schaute in lachende Gesichter. Eine kleine Delegation seines Arbeitgebers Hertha BSC holte ihn ab und berichtete später, Kalou habe frisch gewirkt.
Ein bisschen erstaunlich ist das schon. Schließlich flog der Angreifer die ganze Nacht durch aus Abidjan über Paris bis nach Berlin. Und auch die Nächte davor dürften kurz gewesen sein. Der Gewinn des Afrika-Cups nach mehr als 20 Jahren mal wieder für die Elfenbeinküste musste ausgiebig gefeiert werden. So ausgiebig, dass Kalou erst mit einem Tag Verspätung heimkehrte. In seinem Klub fanden sie das gar nicht erfrischend und beschwerten sich beim ivorischen Verband.
Kalou aber empfingen sie wie einen verlorenen Sohn – einen, der ausgezogen war, um Ruhm und Ehre zu erlangen, und der nun zurück ist, um selbige Heldentaten bei Hertha zu vollbringen.
Kalou sagt: „Ich bin fit, ich bin bereit“
Doch Kalous Anteil am ivorischen Ruhm war eher gering. Nur ein Fünftel der Turnierzeit stand er auf dem Feld. Aber in diesen Tagen wird bei Hertha lieber das Positive hervorgehoben. Und jetzt hat man schließlich einen Afrika-Meister im Team. „Ich freue mich riesig auf die Mannschaft, auf den neuen Coach“, wurde Kalou auf der Vereinshomepage zitiert, und es folgte ein Satz, der nach vorn und nach hinten zugleich gerichtet wirkte: „Zeit, dass wir zeigen, was wir können.“
Unter dem entlassenen Trainer Jos Luhukay war jene Zeit also nie angebrochen, jedenfalls nicht für Kalou. Vor seiner Abreise war er kein Heilsbringer mehr, sondern nur noch einer von vielen – einer, der nicht spielte, sich darüber beschwerte und gerügt wurde. Alles vergessen. Jetzt kommt der Frühling. Jetzt ist Pal Dardai da. Und der neue Trainer hat sich vorgenommen, seinen schillerndsten Angreifer ganz anders zu behandeln. Kalou ist jetzt wieder wer.
Am Donnerstag nahm sich Dardai Zeit für den 29-Jährigen. Das zweite Training des Tages wurde abgesagt, und gemeinsam mit Manager Michael Preetz ging man eine halbe Stunde lang joggen. Er wolle ihm in die Augen schauen und spüren, ob Kalou schon für die Heimpartie gegen Freiburg am Sonntag einsatzbereit sei, hatte Dardai gesagt. Nach dem Kennenlernlauf stand fest, Kalou will: „Ich bin fit, ich bin bereit. Ich will bei Hertha richtig angreifen, am liebsten schon am Sonntag gegen Freiburg“. Sein erster Eindruck von Dardai sei gut. „Ich weiß, es passt“, sagte Kalou.
Gemeinsam mit Julian Schieber in der ersten Elf?
Die Frage ist nur, ob Kalou auch in diese Mannschaft passt? Bei Luhukay passte er nicht, weil seine Zweikampfwerte zu schwach waren. Dardai scheint das anders zu sehen. Als Kalou im Sommer aus Lille verpflichtet wurde, gab es den Plan im Verein, mit ihm und Julian Schieber gemeinsam zu stürmen. Luhukay mied das stets. Kalou auf den Flügel zu beordern, jene Position, die dieser jahrelang beim FC Chelsea bespielte, war für Luhukay ebenso keine Option.
Für die Partie gegen Freiburg ist denkbar, dass Kalou sofort in die Startelf rückt – und wenn, wohl außen. Denn dort ist eine Position frei, weil Per Skjelbred nach Krankheit erst am Freitag wieder trainieren kann und Fabian Lustenberger gesperrt fehlt. Beide spielen im zentralen Mittelfeld, und die verwaiste Position besetzte Dardai im Training mit Linksverteidiger Marvin Plattenhardt. Für ihn rückte Nico Schulz vom linken Flügel nach hinten. Vorn links könnte Kalou übernehmen.
Dardai hatte gesagt, er werde Kalou entscheiden lassen, ob er spielen könne. „Wenn dann aber etwas am Sonntag schief geht, werde ich in Zukunft nicht mehr fragen“, sagte der Ungar. Kalou ist jetzt also wieder gefragt bei Hertha. Ob er es bleibt, entscheidet er selbst.





