Hertha BSC

Sorry, war nicht so gemeint - Salomon Kalou rudert zurück

Hertha und die Folgen der öffentlichen Kritik von Kalou: Der Manager rüffelt den Star. Der erhält eine Geldstrafe. Aber ist damit alles wieder gut? Die Morgenpost beantwortet die wichtigsten Fragen.

Foto: Maja Hitij / dpa

Wie bekommt man die Zahnpasta zurück in die Tube? Vor dieser Herausforderung steht Hertha BSC nach der öffentlichen Kritik von Salamon Kalou . Der Starstürmer, seit fünf Partien nicht mehr in der Startelf, hatte am Donnerstag gesagt: „Spieler wie mich, die so viel erreicht haben, sollte man anders behandeln. Wenn man einen großen Spieler holt, muss man eine Mannschaft um ihn herum bauen.“ Er sei gekommen, um etwas zu erreichen. Wenn dem nicht so sei, „dann ziehe ich weiter. Ich habe keine Probleme, einen anderen Klub zu finden.“ Klar, dass der Hauptstadt-Klub dies so nicht hinnehmen kann. Die Morgenpost berichtet, wie die Reaktion ausfiel und beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema.

Wie reagiert Hertha auf die Kalou-Kritik?

Mit einem internen Gespräch mit Kalou am Freitag und einer anschließenden Erklärung auf der Internetseite von Hertha. Dort rügt Manager Michael Preetz, dass Kalou seine Kritik öffentlich geübt hat. „Das ist der falsche Weg, das geht überhaupt nicht. Dies weiß Salomon Kalou inzwischen auch.“ Preetz, selbst ehemaliger Torjäger, zeigt aber ein wenig Verständnis: „Niemand ist zufrieden, wenn er auf der Bank sitzt. Das muss auch so sein. Einen Platz im Team bekommt man nicht durch Worte, sondern durch Leistung. Ich bin mir sicher, dass Salomon seinen Wert, seine Stärke für Hertha BSC noch zur Genüge unter Beweis stellen wird.“

Kalou erhielt eine Geldstrafe im vierstelligen Bereich – und zeigte sich einsichtig. „Ich bin frustriert, wenn ich der Mannschaft nicht helfen kann. Ich habe mich geärgert, dass ich in Frankfurt nicht eingewechselt wurde – da bin ich ehrlich.“ Dann folgt der entscheidende Satz: „Ich habe den Fehler gemacht, aus der Emotion, aus dem Frust heraus, unbedacht zu antworten. Da sagt man Dinge, über die man am anderen Tag schon wieder ganz anders denkt. Tut mir leid, das war nicht gut, das bedauere ich.“ Hertha würde die Angelegenheit damit gern ad acta legen. Doch so einfach ist es wohl nicht.

War Kalous Kritik gerechtfertigt?

Menschlich ist es verständlich, dass Kalou, 2012 Champions-League-Sieger mit dem FC Chelsea, unzufrieden ist mit dem Dasein auf der Bank. Bei dem Teamkollegen kommt es aber nicht gut an, wenn ein Angreifer seine Nichtberücksichtigung als Majestätsbeleidigung begreift – just nachdem der Sturmkollege (Julian Schieber) den 1:0-Siegtreffer gegen Dortmund erzielt und just, nachdem Hertha auswärts in Frankfurt vier Tore geschossen hat. Ja, Kalou ist der beste Fußballer im Team. Aber er ist, was Fitness und Dynamik angeht, nicht bei 100 Prozent. Weshalb er nicht so nach hinten arbeitet, wie das im Fußball heute nötig ist. Bei diesen Eigenschaften, die nicht jeder Fan erkennt, ist Julian Schieber stärker. Unumstritten ist, dass beide Stürmer eine exzellente Chancenverwertung haben (Kalou fünf Tore, Schieber sechs). Und als 29-Jähriger Profi weiß Kalou: Wenn er Tacheles mit dem Trainer reden will, hat das intern zu geschehen.

Was bedeutet die Kritik für den Trainer?

Die Kalou-Kritik schadet Jos Luhukay. Es wird ihm nur bedingt helfen, dass Kalou in der Hertha-Pressemitteilung die eigentlich selbstverständliche Rangordnung betont: „Ich weiß, dass allein Trainer Jos Luhukay darüber entscheidet, wer im Team ist. Er will das Beste für die Mannschaft und für den Verein.“ Das Problem für Luhukay ist, dass unter den Fans sofort wieder das Vorurteil um die Ecke biegt: Er könne halt nicht mit Stars. Das stimmt nicht.

Allein, weil es einen klaren sportlichen Grund hat, warum im Moment Schieber spielt (und nicht Kalou): Herthas Offensive hat daran gekrankt, dass zu wenig Chancen kreiert wurden. Deshalb hat Luhukay gegen den BVB und in Frankfurt auf Ronny gesetzt. Wegen dessen Schwächen im Rückwärtsgang braucht es eine zusätzliche Absicherung (durch Peter Niemeyer). Damit die Balance insgesamt passt, spielt vorn der defensivstarke Schieber.

Eigentlich hat Hertha im Sturm die Situation, die bei der Zusammenstellung beabsichtigt war: eine Auswahl zwischen mehreren guten Spielern. Das verlangt von den Profis ein Mitdenken über das eigenen Wohlergehen hinaus. Die gestiegenen Konkurrenzsituation verlangt aber vom Trainer viel Kommunikation – besonders mit jenen, die gerade nicht zur Startelf gehören, damit die sich mitgenommen fühlen.

Was bedeutet die Kritik für den Manager?

Die Situation ist eine Herausforderung für Michael Preetz. Schon einmal ist wegen einer Vertrauenskrise ein Hertha-Jahrgang auseinandergesprengt worden mit der Folge, dass Hertha im folgenden Sommer aus der Bundesliga abgestiegt. Auch 2011 war es Dezember, auch damals ging es rund um das letzte Spiel gegen Hoffenheim. Schon klar, die Entlassung des damaligen Trainers Markus Babbel (im Zusammenhang mit dessen „Baron-Münchenhausen“-Geschichten) ist nicht zu vergleichen mit der aktuellen Lage. Aber sowohl die Mannschaft, als auch die Fans beobachten genau, wie die Vereinsführung mit der Situation umgeht. Herthas sportliche Lage, drei Punkte vor der der Abstiegszone, ist noch wacklig. Bisher sind Mannschaft, Trainer und Geschäftsführung als eine Einheit aufgetreten. So eng, wie es in der Liga zugeht, wird Hertha das Ziel „Etablierung in der Bundesliga“ nur schaffen, wenn alle vertrauensvoll zusammen arbeiten.

Fliegt Kalou aus dem Kader?

Das entscheidet der Trainer heute nach dem Abschlusstraining. Allerdings hat Jos Luhukay Kalou, seitdem der Stürmer von der Elfenbeinküste vom OSC Lille Ende August nach Berlin gewechselt ist, immer ins Aufgebot geholt. Insofern steht zu vermuten, dass Luhukay Kalou auch für die Begegnung am Sonntag gegen die TSG Hoffenheim in Herthas 18er-Kader nominieren wird.

Hat Kalou nun noch eine Zukunft in Berlin?

Der zweimalige WM-Starter für die Elfenbeinküste mit der Vergangenheit bei Feyenoord Rotterdam, dem FC Chelsea und OSC Lille hat die größte internationale Strahlkraft aller Herthaner. Seine Verpflichtung war ein Signal an die Konkurrenz. Deshalb schauen andere Profis, wie Hertha mit einem Star umgeht. Kalou wollte, nachdem er eine Nacht drüber geschlafen hat, nichts mehr davon wissen, zu gehen. „Es ist ja Quatsch, dass ich Hertha verlassen will.“ Im Gegenteil, nach dem Afrika-Cup (17. Januar bis 8. Februar) „will ich hier richtig durchstarten“.