Nach einem dreiviertel Jahr hat Hertha BSC den Bock umgestoßen. Mit einem glücklichen, aber wichtigen 2:1 (1:0) beim 1. FC Köln holten die Berliner den ersten Auswärtssieg seit 273 Tagen.
Zuletzt war die Blau-Weißen im Februar als Sieger in der Fremde vom Platz gegangen (2:1 in Stuttgart). Nach zuvor zwei Niederlagen in Folge kletterte Hertha mit dem vierten Saison-Sieg auf Rang 13.
Trainer Jos Luhukay setzte auf Rotation total. Auf sechs Positionen veränderte er die Aufstellung gegenüber dem 0:2 gegen Hannover. So fanden sich die beiden erfahrensten Profis auf der Bank wieder: John Heitinga (87 Länderspiele für die Niederlande) und Stareinkauf Salomon Kalou.
Als Abwehrchef bot Luhukay überraschend Jens Hegeler auf. Im Sturm gab der frischere Trainingseindruck den Ausschlag für Julian Schieber. Kalou, der zwei Qualifikationsspiele mit der Elfenbeinküste bestritten hatte, blieb zunächst draußen.
Eine zerfahrene Partie
Anfangs bot sich den 49.200 Zuschauer eine äußerst zerfahrene Partie. Beide Mannschaften waren nervös. So energisch die Bälle gewonnen wurden, so rasch wurden sie mit zahlreichen Fehlpässen hergeschenkt.
Auffällig war, dass sich Köln bei Ballbesitz schwer tat, Druck aufzubauen. Im Berliner Strafraum gewannen Hegeler und John Brooks – beide 1,93 Meter – jedes Luftduell. Auch am Boden ließ sich Hertha, erstmals von Per Skjelbred als Kapitän aufs Feld geführt, nicht überraschen.
Torwart Thomas Kraft verbrachte eine weitgehend beschäftigungslose erste Hälfte. Lediglich einmal wurde es gefährlich, als im Anschluss an eine FC-Ecke Anthony Ujah den Ball knapp am linken Pfosten des Hertha-Tores vorbei spitzelte (16.).
Beerens trifft zur Führung
Mit der Zeit spielten die Berliner mutiger nach vorn. Nico Schulz legte mit einem flotten Sprint über die linke Seite für Valentin Stocker auf. Der Schweizer Nationalspieler köpfte indessen den Ball aus sieben Metern am rechten Pfosten des FC-Tores vorbei (20.). Präziser gelang der nächste Angriff. Roy Beerens zeigte, warum Hertha den Niederländer aus der Erendivisie geholt hatte. Mit einem Haken ließ Beerens kurz hinter der Mittellinie Kölns Jung-Nationalspieler Jonas Hector stehen und schickte Stocker die rechte Seite herunter. Beerens erhielt den Ball im vollen Sprint zurückgespielt, setzte sich erneut gegen Hector durch, Beerens zog ab, durch die Beine von Innenverteidiger Mergim Mavraj sauste der Ball flach gegen den linken Innenpfosten und sprang ins Netz, 1:0 (36.). Eine starke Einzelleistung des Rechtsaußen bei seinem zweiten Saisontreffer.
Köln war beeindruckt. Der FC versuchte nun, Hertha mit Härte aus dem Rhythmus zu bringen. Doch mit einem 22-Meter-Freistoß erarbeiteten sich die Gäste die nächste Chance. Hegeler zirkelte den Ball knapp am linken Pfosten vorbei (36.). Nach der Pause spielte Hertha auf den zweiten Treffer – und offenbarte Schwächen in der Defensive. So verlor Abwehrchef Hegeler den Ball weit in der Kölner Hälfte. Dann reichte ein Pass von Yuja Osako quer durchs Mittelfeld, prompt lief Ujah allein aufs Hertha-Tor zu. Marcel Ndjeng erreichte den Nigerianer nicht mehr, der den Ball vorbei an Torwart Kraft ins rechte Eck schob, 1:1 (58.).
Trainer Luhukay wechselte Stocker aus und Peter Niemeyer ein. Herthas Geburtskind, er feierte seinen 31., zog gleich bei der ersten Berühung einfach mal aus 26 Metern ab, FC-Torwart Timo Horn lenkte den Ball mit den Fingerspitze über die Latte (62.). Dann war Hertha im Glück. Köln fuhr erneut einen schneller Konter, Miso Brecko flankte von rechts, Ujah nahm den Ball volley – Latte (63.).
„Ein dreckiger Auswärtssieg“
Nach dieser schwungvollen Phase verflachte die Partie wieder. Doch Hertha wusste mit Blick auf die schlechten Resultate der Vorwochen, dass ein Zähler zu wenig wäre. Und hatte das Glück des Tüchtigen. Marcel Ndjeng zimmerte einen 25-Meter-Freistoß auf das Kölner Tor, die Kölner Mauer ging weit auseinander, von der Schulter Ujahs sprang der Ball ins rechte Eck, Torwart Horn war nach links unterwegs – gemächlich hoppelte der Ball ins Netz, 2:1 (86.). Ndjeng gab zu: „Ich wollte über die Mauer schießen, aber dass der Ball so reingeht, mit dem Quäntchen Glück, da freue ich mich trotzdem drüber.“
Die Hertha-Profis wussten, dass sie Glück hatten. „Das war ein dreckiger Auswärtssieg“, sagte Hegeler. Luhukay sagte: „Die Aufstellung von Hegler in der Innenverteidigung war aus der Not heraus. Aber ich weiß, dass ich mich auf Jens verlassen kann.“ Luhukay hatte vor der Saison gehofft, zur Winterpause „bei 20 Punkten zu stehen. Aber wir wissen, dass wir ein schweres Programm haben.“ Nächster Gegner am Sonnabend ist der FC Bayern.





