Lars Bender runzelte die Stirn und schaute ernst in die Runde. „Wir dürfen den Gegner nicht unterschätzen. Wir müssen die Aufgabe mit voller Konzentration angehen.“ Auch Karim Bellarabi betonte die Seriosität: „Wir bereiten uns vor wie immer. Jeder versucht sich im Training anzubieten.“ Thomas Schneider, der neue Co-Trainer, hatte die Statistik parat. „Im Qualifikationsspiel gegen Polen hat Gibraltar bis zur Pause nur einen Treffer kassiert.“ Es ist derzeit etwas undankbar für deutsche Fußball-Nationalmannschaft, wenn es um das anstehende Länderspiel am Freitag gegen Gibraltar geht (20.45 Uhr in Nürnberg). Es ist ein Pflichtspiel auf dem Weg zur Qualifikation für die Europameisterschaft 2016 in Frankreich. Und der Weltmeister ist mit bisher vier Punkten aus drei Partien ungewohnt schwach gestartet. „Wir müssen sehen, dass wir sauber in die Spur kommen“, sagte Bender.
Gleichzeitig wissen alle, dass es gegen Gibraltar geht. Die britische Kolonie ist erst seit 2013 vollwertiges Mitglieder der Europäischen Fußball-Union. Weil Gibraltar aber nicht Mitglied des Weltverbandes Fifa ist, gibt es nicht mal eine Weltranglisten-Position. Erwartungsgemäß liegt der Außenseiter in der Gruppe D mit drei Niederlagen und 0:17 Toren auf dem letzten Rang.
Die Erwartungshaltung beim Gegner beschreibt deren Torwart Jordan Perez. „Ich will weniger als sieben Gegentore kassieren“, sagte der Torwart, der im Hauptberuf Feuerwehrmann ist. „Dann können wir sagen: Wir sind besser als Brasilien.“ Bekanntlich hatte der WM-Gastgeber im Juli im Halbfinale gegen Deutschland eine desaströse 1:7-Pleite einstecken müssen.
Nicht einlullen lassen!
Für die Akteure des Deutschen Fußball-Bundes heißt es, sich nicht einlullen zu lassen. Auch die interessante Ansetzung dieses Doppel-Länderspieltages, der freundschaftliche Vergleich am kommenden Dienstag gegen Ex-Weltmeister Spanien in Vigo, gilt es erst einmal beiseite zu legen. „Wir nehmen Gibraltar absolut ernst“, sagte Co-Trainer Schneider. „Wir möchten eine gute Leistung abliefern und Punkte in der Qualifikation aufholen.“ Die Mannschaft hatte im Amateurstadion von Hertha BSC eine lockere Trainingseinheit absolviert. „Entscheidend wird sein, mit der richtigen Einstellung ins Spiel zu gehen. Es gibt keinen Grund, nachlässig zu sein“, sagte Schneider. Er verwies darauf, dass im Nürnberger WM-Stadion „die Hütte voll sein wird“ und dies alleine sei Verpflichtung für die Spieler für eine Topleistung.
Bellarabi, 24, der bei seiner ersten Länderspiel-Einladung vor vier Wochen einen guten Eindruck hinterlassen hatte, gab den Vorzeige-Profi. „Ich freue mich, erneut dabei sein zu dürfen. Jeder gibt Gas im Training. Aber die Entscheidung trifft der Bundestrainer.“
Schneider nimmt die Herausforderung persönlich. Da er seinen Posten als Assistent von Joachim Löw zum 1. Oktober angetreten hat, stehen in seiner Bilanz ein 0:2 gegen Polen und ein 1:1 gegen Irland. Schneider: „Ich bestehe auf einen Sieg. Das wäre mein erster. Sonst muss ich mir über meine Arbeit Gedanken machen.“




