Bundesliga

Acht Punkte - Hertha schlingert durch die Liga

Nach einem Viertel der Bundesliga-Saison fahnden die Berliner immer noch nach Stabilität. Luhukay kritisiert den Schweizer Nationaltrainer Petkovic wegen der Einladung von Kapitän Fabian Lustenberger.

Foto: Marius Becker / dpa

Salomon Kalou legte sich fest: „Die Handschrift von Di Matteo war zu erkennen: Schalke hatte eine starke Defensive, eine gute Balance und hat vorn seine Chancen genutzt.“ Kalou wusste, von wem er sprach: Schließlich hatte der Stürmer von Hertha BSC mit Roberto Di Matteo 2012 die Champions League mit dem FC Chelsea gewonnen. Darum sei ihr Gespräch nach dem Abpfiff in Gelsenkirchen gegangen. „Um Erinnerungen. Wir haben uns seit jener Nacht in München nicht gesehen.“

In der Gegenwart indessen ist weder dem Torjäger noch Hertha nach Feiern zu Mute. Es sei eine schwierige Partie gewesen, erzählte Kalou. „Ich habe keine einzige Chance herausgearbeitet, das ist nicht gut.“ 0:2 unterlagen die Berliner auf Schalke, es war die vierte Niederlage im achten Saisonspiel.

Was helfen 5:0-Ecken und 29:3-Flanken?

Die Dienstreise nach Gelsenkirchen ist kompliziert zu bewerten, weil Hertha gegen einen favorisierten Gegner – Schalke empfängt in der Champions League am Dienstag Sporting Lissabon – viele Dinge richtig machte. Die Gäste waren mutig, erspielten 5:0 Ecken. 29 Hertha-Flanken standen drei Schalker Flanken gegenüber. Gleichwohl war die Niederlage verdient, weil Schalke seine Chancen nutzte. „Fußball ist Ergebnissport, das wissen wir und das wisst ihr“, sagte Kapitän Fabian Lustenberger in die Medienrunde.

Übersetzt heißt das: Acht Punkte nach acht Spielen sind zu wenig für Hertha. Interessant zu beobachten war der Umgang mit dem erneuten Rückschlag. Bei Hertha entschieden sie sich für eine Art Schlingerkurs: Einerseits eigene Mängel einzuräumen, andrerseits die Vorkommnisse auf andere zu schieben. Den Ton gab Trainer Jos Luhukay vor. In der Defensive habe sein Team gut gestanden, nur drei Chancen zugelassen. „Das ist absolut o.k.“, so Luhukay.

Ärger um das erste Gegentor von Huntelaar

„Was war von Huntelaar, Boateng oder Draxler zu sehen – abgesehen von den Toren.“ Das stimmt – und ist zugleich die Crux dieser Argumentation. Weil Klaas Jan Huntelaar den einen entscheidenden Zweikampf gewann und zur Schalker Führung einköpfte. Was Luhukay so nicht gelten lässt. „Huntelaar schiebt John Heitinga klar weg, das muss der Schiedsrichter sehen. Aber wenn dir da nicht geholfen wird, dann liegst du 0:1 zurück.“ Auch der zweite Gegentreffer habe nichts mit einem Problem im System oder in der Taktik zu tun. „Wenn Fabian Lustenberger 100prozentig fit ist, fällt das 0:2 nicht. Weil er dann auf Draxler draufgeht und der nicht zum Abschluss kommt.“ Den Grund für die mangelnde Fitness schob Luhukay dem Schweizer Nationaltrainer Vladimir Petkovic zu. Versehen mit der Einleitung, seine Aussagen seien „keine Kritik am Schweizer Nationaltrainer“, sagte Luhukay, dass Lustenberger nach seiner siebenmonatigen Verletzungspause noch dabei sei, seine Form zu finden. „Fabian braucht im Moment hartes Training und Spielpraxis.“

Stattdessen wurde der Hertha-Kapitän von Petkovic für die Schweizer EM-Qualifikationsspiele in Slowenien (0:1) und in San Marino (4:0) eingeladen, reiste viel – und wurde zweimal nicht eingesetzt. Auf die Frage, ob er sich mit Petkovic in Verbindung setzen werde, antwortete Luhukay: „Nein. Die Einladung für Lustenberger war genauso wenig abgestimmt wie vor vier Wochen die Kritik des Schweizer Trainers an Hertha in Sachen Valentin Stocker. Da kann man doch mal fragen, was los ist.“

Lustenberger verpokert sich

Lustenberger hatte gepokert – und sich vertan. Der Kapitän räumte ein, er habe sich schon vor der Partie auf Schalke nicht gut gefühlt, dem Trainer aber nichts gesagt. „Nach 70 Minuten war ich platt.“ Lustenberger sah den Grund in der Niederlage in der mangelnden Durchschlagskraft. „Wenn du keine Tore machst, kannst du nicht gewinnen.“

Auch das eine Erkenntnis: Hertha strahlte so gut wie keine Torgefahr ausstrahlte. „Salomon war nicht im Spiel“, sagte Luhukay. Ebenso wenig wie Stocker. Der Trainer hat jedoch Sorge, dass seine Worte als Indiz für eine schlechte Stimmung ausgelegt werden könnten. Und sprach von sich in der dritten Person: „Nein, Luhukay kritisiert nicht Salomon, wir haben zusammen verloren. Aber ich stelle fest, dass er es schwer hatte, sich durchzusetzen. Außerdem sind die Stürmer abhängig von den Bällen, die sie bekommen. Und da kam kaum etwas bei ihnen an.“

Unter dem Strich bleibt: Das erste Saisonviertel ist absolviert und Hertha sucht immer noch nach Stabilität. Auf Schalke gab es gute Ansätze, aber auch gravierende Schwächen. Nebenkriegsschauplätze wie irgendwelche Nationaltrainer oder der Schiedsrichter lenken nur ab. Ob Trainer, Kapitän oder Torjäger – der Weg zu mehr Stabilität führt über Arbeit und Selbstverantwortung.