Bundesliga

Hertha-Trainer Jos Luhukay lobt Niemeyers Charakter

Trotz sportlicher Degradierung zu Saisonbeginn hat sich Herthas Ex-Kapitän nicht hängen lassen. Luhukay lobt den unermüdlichen Einsatz des Mittelfeldspielers und bezeichnet ihn als „Gewinnertypen“.

Foto: Mika Volkmann / pA

Für das Spiel am Sonnabend gegen Bremen hat Peter Niemeyer nicht viele Karten besorgen müssen. Sein Vater geht sowieso ins Stadion und die vielen Freunde, die er dort noch hat, auch. Partien bei dem Klub, in dem er seine ersten Schritte in die Bundesliga unternahm, sind für den Mittelfeldspieler immer noch etwas besonderes.

Er denkt gern an die Zeit dort zurück. Auch an die aktuelle Erstliga-Saison mit Hertha wird er sich noch lange erinnern. Nicht aufgrund dramatischer, sportlicher Ereignisse. Hertha hatte in der kompletten Spielzeit nicht einmal annähernd etwas mit dem Abstieg zu tun. Es war vielmehr der brutale Start, als ihm Trainer Jos Luhukay die Kapitänsbinde abnahm und sportliche Zweifel an ihm äußerte. Nach 32 Spieltagen aber lobte der Niederländer Niemeyer für seine Mentalität. Eine Qualität, die nicht zu trainieren ist.

„Das sind Spieler, die voran gehen. Das sind Gewinner-Typen“, sagte Luhukay angesprochen auf eine Szene im vergangenen Spiel, als Torhüter Thomas Kraft und Peter Niemeyer heftig aneinander gerieten. Für den Trainer war das der erneute Beweis, das er mit dem Ex-Kapitän eine Charakterkopf im Team hat, der sich immer wieder ins Team zurück kämpft und der mit der Unzufriedenheit über die persönliche Situation nicht die Mannschaft herunterzieht. „Das macht mich schon stolz, wenn das honoriert wird“, sagte Niemeyer. „Das ist eine schöne Bestätigung für das, wofür ich stehen möchte, und ein Kompliment für die geleistete Arbeit.“

Niemeyer war in jedem Bundesliga-Spiel im Kader

Dabei hätte der Mittelfeldspieler in dieser Spielzeit allen Grund dazu, schlecht gelaunt zu sein. In der Zweiten Liga war er gesetzt, dann wurde er degradiert. Fast jedes Liga-Spiel musste er von der Bank aus beginnen. Ein unpassender Platz für jemanden, der eigentlich seine Energie auf dem Platz auslebt. Plötzlich zum Warten verurteilt zu sein mit der Ungewissheit, ob er wenigstens am Ende der Mannschaft helfen darf.

Nur drei Bundesliga-Spiele machte der Aufstiegskapitän über volle 90 Minuten. Dafür wurde er 16 Mal eingewechselt. Mehr als manch Beobachter nach der sportlichen Degradierung zum Saisonstart erwartet hatte. Allerdings sind 692 Minuten Einsatzzeit auch zu wenig für den Ehrgeiz, den Niemeyer in sich trägt. Aber er stand bis jetzt in jedem Spiel im Kader. Ein Kunststück, dass nicht viele Profis beim rotationsfreudigen Luhukay schaffen. „Man muss das Glas halbvoll betrachten. Fußball ist ein Mannschaftssport und wir haben gemeinsam das gesteckte Ziel Klassenerhalt geschafft. Und daran habe ich auch Anteil“, sagte Niemeyer. Wenn sein Trainer diese Sätze gehört hätte, würde er sicher wieder vom Charakterkopf und Gewinnertyp sprechen.