Hertha

Auf dem Prüfstand - Ben-Hatira und Ronny müssen zittern

Wegen der schlechten Rückrunde droht Manager Preetz zur neuen Saison mit neuen Spielern. Wer aus dem aktuellen Kader sollte sich Sorgen machen? Johannes van den Bergh etwa. Und auch John Brooks

Foto: Grombkowski / Bongarts/Getty Images

Der Manager redete nicht drum herum: „Wir ziehen unsere Erkenntnisse aus diesem Spiel, aber auch aus den vergangenen Wochen“, sagte Michael Preetz. Seit Monaten hat Hertha BSC den Klassenerhalt fast sicher. Aber die sportlich Verantwortlichen registrieren die anhaltende Misere genau. Drei Unentschieden und fünf Niederlagen lautete die Negativbilanz der letzten Partien. Hertha stellt die schlechteste Mannschaft der Rückrunde. Nun wissen alle, dass das zweite Jahr in der Bundesliga für einen Aufsteiger häufig das schwerere ist. Vor der anstehenden Transferperiode steht intern die gesamte Mannschaft auf dem Prüfstand: Wer hat die Erwartungen erfüllt, wer nicht? Wem wird eine weitere Steigerung zugetraut, wem nicht? Schaut man sich den aktuellen Kader an, gibt es einige Kandidaten, hinter denen ein Fragezeichen steht. Das Aufgebot auf dem Prüfstand:

Kontinuität im Tor

Das Trio mit Thomas Kraft, 25, Rune Jarstein, 29, und Marius Gersbeck, 18, ist Bundesliga-tauglich. Dort sind keine Veränderungen zu erwarten. Leidtragender dieser Entwicklung ist Sascha Burchert. Er war als zweiter Torwart in die Saison gegangen. Ungeachtet eines Vertrages bis 2016 hat er derzeit keine Chance auf Einsätze. Mit 24 Jahren braucht Burchert jedoch Praxis.

Bedarf im Abwehrzentrum

Innenverteidiger Sebastian Langkamp und Fabian Lustenberger haben die Erwartungen voll erfüllt und sind für die kommende Saison als Leistungsträger vorgesehen. Die Entwicklung bei Youngster John Brooks läuft langsamer als erwartet. Der US-Nationalspieler aus dem eigenen Nachwuchs hat reichlich Potenzial. Kümmert sich derzeit aber mehr um großflächige Rückentattoos, mit denen man während der Entstehungsphase keinen Hochleistungssport betreiben kann, als um eine WM-taugliche Form. Brooks wird sich das Vertrauen des Trainers neu erarbeiten müssen. Oldie Levan Kobiashvili hat in dieser Saison als Innenverteidiger überrascht. Er ist der einzige Profi bei Hertha, der eine Auflauf-Garantie für den letzten Spieltag gegen Borussia Dortmund hat. Seine Planstelle ist 2014/15 ebenso neu zu besetzen wie die von Maik Franz, den Trainer Luhukay bereits im Februar aussortiert hat. Prognose: Ein neuer Manndecker wird kommen.

Suche links hinten

Auf der rechten Seite überzeugte vor allem Peter Pekarik. Auch Marcel Ndjeng, der zudem im Mittelfeld spielen kann, wird einen neuen Vertrag erhalten. Auf der linken Seite bietet Johannes van den Bergh nach guter Hinserie eine nur mäßige Rückserie. Im Kader fehlt zudem eine starken Alternative. Nico Schulz ist gelernter Linksverteidiger, doch trotz seiner Dynamik und Laufbereitschaft leistet er sich immer wieder taktische Patzer. Rechtsverteidiger Pekarik auf links einzusetzen, wie mehrfach geschehen, kann eine Not-, aber keine Dauerlösung sein. Nicht zufällig wurde öffentlich, dass Hertha Augsburgs Linksverteidiger Matthias Ostrzolek im Visier hat, einen Lieblingsschüler von Luhukay.

Perfekte Doppel-Sechs

Auf keiner Position ist Hertha so gut aufgestellt wie im defensiven Mittelfeld. Hajime Hosogai, Per Skjelbred und Peter Niemeyer werfen diverse Qualitäten in die Waagschale. Fabian Lustenberger kann seine gelernte Position ebenfalls ausfüllen. Zudem zog Hertha gestern seine Kaufoption für Tolga Cigerci. Der VfL Wolfsburg erhält 1,4 Millionen Euro Ablösesumme, Cigerci unterschrieb bei Hertha bis 2017. Prognose: Hier gibt es keinen Bedarf unter der Voraussetzung, dass Hertha den vom HSV ausgeliehenen Skjelbred unter Vertrag nehmen kann.

Baustelle rechte Seite

Seit Jahren eine Problemzone von Hertha. In dieser Saison spielten dort Sami Allagui, Ndjeng, Skjelbred, Cigerci. Im Rückwärtsgang funktionierten alle Besetzungen ordentlich. Doch Trainer Luhukay wünscht sich von beiden Außenpositionen mehr Torgefahr, mehr Assists und insgesamt mehr Unberechenbarkeit. Hertha sucht hier mit Hochdruck. Prognose: Hier wird ein neuer Profi kommen.

Problemzone linke Außenbahn

Die Position, auf der am häufigsten gewechselt wurde. Bei Luhukay ein untrügliches Indiz, dass ihn keine Lösung wirklich überzeugt. Sorgen sollte sich Änis Ben-Hatira machen. Er hat immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen. Und braucht relativ lange, um wieder zur Topform zu finden. Wenn er die nicht hat, fehlen seinen Aktionen Klarheit und Zielstrebigkeit. Schulz spielte eine erste Bundesliga-Saison mit erheblichen Schwankungen. Spiele mit mutigen Flankenläufen wechselten sich ab mit Auftritten, bei denen wenig Druck von seiner Seite ausging. Der U21-Nationalspieler aus der eigenen Jugend wird bleiben. Aber Hertha sucht. Idealerweise einen wie Caiuby. Der Brasilianer vom FC Ingolstadt kann auf beiden Außenbahnen (und als hängende Spitze) spielen. Egal, wer kommt, Schulz wird sich steigern müssen, um auch in der nächsten Saison auf seine Einsätze zu kommen.

Spielmacher-Puzzle

Zu wenig Torgefahr, zu wenige Vorlagen lautet die Analyse für diese Schlüsselposition. Den frühen verletzungsbedingten Ausfall von Alexander Baumjohann konnte Hertha zunächst gut kompensieren. Aber in der Rückrunde fehlte es im Spielzentrum an Durchschlagskraft. Ronny zeigte ab und an Extra-Qualitäten, es mangelte an Konstanz. Ben-Hatira war nicht der erhoffte Baumjohann-Stellvertreter. Skjelbred ist ein Dauerläufer, aber kein Kreativitätsmonster. Nun ist Baumjohann zurück. Zur kommenden Saison soll er in Topform sein. Das größte Fragezeichen bleibt über Ronny. Will sich Hertha einen gut bezahlten Profi als Unterschiedsspieler für bestimmte Momente leisten? Oder ist dort eine weniger extravagante, aber laufstärkere und dynamischere Lösung gefragt?

Neue für den Sturm

Die wichtigste Baustelle. Wer ersetzt den nach Dortmund abwandernden Adrian Ramos? Bisher sind nur die Stellen drei und vier klar. Die werden von Allagui, mit acht Saisontoren Herthas zweitbester Schütze, und Sandro Wagner besetzt. Trainer Luhukay hat angekündigt, Ramos nicht durch einen Eins-zu-eins-Wechsel zu ersetzen. Er möchte die Torgefahr auf mehrere Schultern verteilen. Die erste Option ist die Rückkehr des an den HSV ausgeliehenen Pierre-Michel Lasogga. Dessen Vertrag läuft bis 2015. Aber Hertha-Manager Michael Preetz sagte, im Sommer gibt es im Sturm „viele Möglichkeiten“. Kommt Lasogga zurück, würde als Ergänzung ein schneller, technisch versierter Angreifer gesucht. Sollte Lasogga ebenfalls verkauft werden, gibt es zwei neue Offensivkräfte.

Luhukay und Preetz sind über diverse Rückrunden-Spiele verärgert. Van den Bergh, Ben-Hatira, Ronny & Co. bleiben nur noch vier Partien, um Werbung in eigener Sache zu betreiben.