Bundesliga

Hertha BSC leidet unter Heim-Weh im Olympiastadion

Hertha BSC wartet nach dem Remis gegen die TSG Hoffenheim seit sechs Partien auf einen Sieg vor eigenem Publikum.

Foto: Boris Streubel / Bongarts/Getty Images

Hinter dem Marathontor ging langsam die rote Sonne unter, als sich Kevin Volland in der vierten Minute der Nachspielzeit den Ball zum Freistoß zurechtgelegte. Anlauf, ein heftiger Hieb des Hoffenheimer Stürmers, doch Thomas Kraft im Tor von Hertha BSC legte sich quer in die Luft, parierte und sicherte dem Aufsteiger damit das 1:1 (1:1) gegen die TSG Hoffenheim.

Durch die Treffer von Sami Allagui (11.) und Eugen Polanski (30.) endet das Duell der direkten Tabellennachbarn trotz der Schrecksekunde zum Schluss mit einem gerechten Remis. Hertha bleibt damit zwar auch im siebten Spiel in Folge ohne Sieg und wartet im Jahr 2014 immer noch auf den ersten Heimerfolg. Doch der Aufsteiger kann sich zumindest damit trösten, mit der engagiertesten Leistung seit langem die Niederlagenserie von vier Pleiten in Folge gestoppt zu haben.

„Das Unentschieden geht in Ordnung. In der zweiten Halbzeit hat meine Mannschaft annähernd das gespielt, was uns in der Hinrunde stark gemacht hat“, sagte Luhukay. Auch Mittelfeldspieler Per Skjelbred war zufrieden: „Dieser Punkt ist sehr wertvoll für uns.“ Mit nun 37 Zählern dürften die Berliner den Klassenerhalt sicher haben.

Früh im Spiel war erkennbar, warum die TSG mit 63 Gegentoren die schlechteste Abwehr der Liga stellt: Den Herthanern gewährte sie großzügig Freiräume, um das unter der Woche intensiv geübte schnelle Umkehrspiel von Abwehr auf Angriff auszuprobieren. Und dies sollte die Luhukay-Elf bald auch nutzen: Skjelbred köpfte den Ball in den Lauf von Allagui, der mit einer feinen Körpertäuschung den hüftsteifen TSG-Abwehrrecken Jannik Vestergaard umkurvte und aus 16 Metern flach zum 1:0 einschoss (11.). Es war bereits Allaguis achter Saisontreffer.

Drittbester Angriff der Liga

Doch Hoffenheim ist in dieser Spielzeit eine seltsam schizophrene Mannschaft: Hinten oft haarsträubend, vorn zeigt das Team von Trainer Markus Gisdol dafür bisweilen hochklassigen Kombinationsfußball und stellt mit 62 Toren den drittbesten Angriff der Liga. Die 43.874 Zuschauer im von der Aprilsonne aufgewärmten Olympiastadion bekamen also ein munteres Duell zu sehen. Tobias Strobls Schuss landete noch am Außennetz (18.). Aber Hoffenheim übernahm nun vorerst die Regie.

Folgerichtig fiel der Ausgleich, als Eugen Polanski den Ball aus 18 Metern flach und nicht ganz unhaltbar ins linke Toreck zirkelte (30.). Hätte Tarik Elyounoussi mehr Killerinstinkt bewiesen, als er aus 14 Metern an Kraft scheiterte (32.), das Spiel wäre innerhalb von nur zwei Minuten vollkommen gekippt.

>>> Das Spiel Hertha - Hoffenheim im Minutenprotokoll <<<

Doch da war ja auch noch das andere Hoffenheim – das, das hinten gern Spalier für den Gegner steht. Fast mit dem Pausenpfiff hätte Hertha selbst den Führungstreffer erzielen können, als der agile Skjelbred auf Adrian Ramos durchsteckte, der Kolumbianer aber mit seinem Flachschuss an TSG-Keeper Koen Casteels scheiterte. Weil auch Allagui im Nachschuss nicht an Casteels vorbeikam (45.), ging es mit 1:1 in die Kabinen.

Gleiches Bild im zweiten Durchgang: Beide Teams wackelten ordentlich in der Defensive, hatten vorn aber auch Sehenswertes anzubieten: So verpasste Ramos, die scharfe Flanke von Änis Ben-Hatira gezielt Richtung Tor zu befördern (46.). Herthas Aushilfskapitän Peter Pekarik schmiss sich im Gegenzug in einen Schussversuch von Hoffenheims Roberto Firmino.

Offensiver Wechsel bei Hertha

Luhukay wechselte offensiv, nahm den unsicheren Innenverteidiger John Anthony Brooks vom Feld und schickte dafür den Mittelfeldstrategen Alexander Baumjohann auf den Rasen, der damit nach seinem Kreuzbandriss im August sein Heimspielcomeback geben durfte (60.). Nun spielte er mit Ronny gemeinsam im zentralen Mittelfeld. Hajime Hosogai rückte in die Abwehr, was gleichwohl bedeutete, dass Luhukay jetzt bereit war, für den ersten Heimsieg nach 114 Tagen das Risiko zu erhöhen.

Hoffenheim hatte mit Sejad Salihovics hauchdünn vorbeigezirkeltem Flachschuss die Chance zur Führung (68.). Plötzlich große Aufregung: Casteels hatten beim Herauslaufen Ramos umgerissen und sich dabei so schwer verletzt, dass der TSG-Keeper mit der Trage vom Platz geholt werden musste. Diagnose: Verdacht auf Schien- und Wadenbeinbruch. „Das hat meine Mannschaft geschockt“, sagte Gisdol. Und auch Ramos, war nach dem Spiel immer noch erschüttert über den Unfall: „Er ist total fertig. Die Mannschaft musste ihn erst einmal beruhigen“, sagte Luhukay.

Für Casteels kam Ersatztorwart Alexander Stolz. Und als der sich gerade im Hoffenheimer Tor eingerichtet hatte, strich ein satter Schuss vom besten Herthaner Pekarik an ihm vorbei, landete aber nur am Außennetz (77.). Hertha startete jetzt noch einmal eine Schlussoffensive: Erst scheiterte Änis Ben-Hatira aus acht Metern (86.), dann stand Ramos völlig frei vor Stolz, doch der Schlussmann blieb, zum Leidwesen der Hertha-Fans, Sieger (88.). Als dann Kraft gegen Vollands Freistoß parierte, blieb es beim verdienten Remis.