Ein bisschen mag sich Jos Luhukay wie in einer Zeitschleife gefühlt haben am Ende dieser Englischen Woche mit drei Spielen in sieben Tagen. Mit Schalke wartet am Freitagabend (20.30 Uhr/Sky) erneut ein starker Gegner auf die Berliner. So wie zuvor mit Borussia Mönchengladbach und dem FC Bayern München. Wieder warnte Luhukay vor der Qualität des nächsten Gegners. Dabei geht es für die Berliner gar nicht mehr um das Mithalten mit Teams, die nächstes Jahr in den Europapokal wollen. Dieser Traum vom oberen Tabellendrittel ist ausgeträumt. Vielmehr geht es für Hertha nach drei Niederlagen in Folge darum, endlich den Klassenerhalt perfekt zu machen.

Nur zwei Siege in der Rückrunde

„Wir haben in dieser Woche jetzt noch eine Möglichkeit für eine Überraschung.“ Auch wenn er mit Blick auf den Gegner zugeben muss: „Schalke steht nicht umsonst auf Platz drei und spielt voll um die Champions-League-Plätze mit. Die Mannschaft spielt sehr stabil und konstant.“

Damit hat er Punkte angesprochen, die im Umkehrschluss beim Blick auf die Berliner Ergebnisse in diesem Jahr sehr nachdenklich machen. Während die Königsblauen als zweitbeste Mannschaft der Rückrunde nur einen Punkt vom Tabellenzweiten Dortmund entfernt sind, geht es für Hertha im Moment Schritt für Schritt bergab. Aktuell ist das Team nach fünf sieglosen Spielen in Folge am Ende der oberen Tabellenhälfte angekommen. Doch Rang neun ist für einen Aufsteiger immer noch eine beachtlich sichere Platzierung.

Immerhin: Stuttgart und der HSV waren noch schlechter

Aber der Schein trügt. Grund dafür ist der Punktevorrat von 28 Zählern, der in der Hinrunde angehäuft wurde und von dem das Team zehrt. In der Rückrunde ist die Elf mit acht Punkten nur noch der drittschlechteste Verein. Dahinter stehen mit dem VfB Stuttgart und dem Hamburger SV Klubs, die sich in argen Turbulenzen mitten im Abstiegskampf befinden. Dieses Punktepolster sorgt bei Hertha für Ruhe. „Es ist zwar ärgerlich, drei Spiele in Folge zu verlieren. Aber uns als Aufsteiger war klar, dass das in der Bundesliga passieren kann“, konstatierte der immer ehrgeizige Torhüter Thomas Kraft.

Die Ruhe des Keepers lässt sich mit den zwölf Punkten Abstand der Berliner bis zum Relegationsrang erklären. Dieser Vorsprung ist seit Beginn der Rückrunde trotz der aktuellen Schwächephase nur um zwei Zähler geschmolzen. Das Saisonziel Klassenerhalt soll aber trotzdem schnell perfekt gemacht werden. „Wir brauchen noch Punkte. In der Bundesliga darf man sich nie sicher sein“, mahnt deshalb der mit 348 Ligaspielen erfahrenste Hertha-Profi Levan Kobiashvili.

Karlsruhe musste 1998 sogar mit 38 Punkten absteigen

Nicht umsonst gilt in der ersten Liga immer noch die Maxime von 40 Punkten, ab der Teams den Klassenerhalt sicher hätten. Seit Einführung der Drei-Punkte-Regel in der Saison 1995/96 ist noch nie ein Team abgestiegen, das diese Menge an Zählern sammeln konnte. In den vergangenen Jahren kristallisierte sich dagegen immer mehr heraus, dass auch deutlich weniger Punkte bereits zum Klassenerhalt reichen. Doch Hertha ist gewarnt. Dreimal stiegen Mannschaften mit 36 Punkten ab. Zuletzt traf 2003 Arminia Bielefeld dieses Schicksal. Karlsruhe musste 1998 sogar mit 38 Punkten hinunter in die Zweite Liga.

„Wir haben eine überragende Hinrunde gespielt. In der Rückrunde ist es jetzt schwieriger. Wir dürfen nun nicht in Panik geraten, sondern müssen in Ruhe weiterarbeiten“, fordert Kobiashvili. Der Georgier richtet den Blick vor allem auf die noch ausstehenden sieben Spiele. Die damit noch zu verteilenden 21 Punkte sollten ausreichen, um die letzten Zähler bis zur magischen 40-Punkte-Grenze zu holen. Im Fokus stehen dafür vor allem die kommenden Heimspiele gegen Hoffenheim und Braunschweig.

Baumjohann steht im Schalke-Spiel wieder im Kader

Mit einem Sieg auf Schalke könnte Hertha allerdings schon am Freitag jeglichen Erwartungsdruck von sich nehmen. Dabei gibt es vor allem personell gute Nachrichten für Luhukay. Alexander Baumjohann steht nach seinem Kreuzbandriss ausgerechnet gegen seinen Ex-Klub Schalke erstmalig im Kader. Auch Mittelfeldmotor Tolga Cigerci ist nach auskuriertem Muskelfaserriss wieder dabei. Und Top-Torjäger Adrian Ramos reiste trotz Oberschenkelproblemen mit. Die Königsblauen hingegen müssen sicher auf den ehemaligen Herthaner Kevin Prince-Boateng verzichten. Angesichts dieser Nachrichten ist die von Luhukay erhoffte Überraschung auf Schalke kein reines Wunschdenken. Deutlich offensiver drückte es der selbstbewusste Thomas Kraft aus: „Unser Ziel ist es, dort drei Punkte zu holen.“