Bundesliga

Hertha warf sich den Angriffen der Bayern beherzt entgegen

So früh wie niemand zuvor ist Bayern München Deutscher Meister geworden. Die Mannschaft von Pep Guardiola besiegte eine kämpferische Hertha BSC mit 3:1 im Olympiastadion.

Mit dem Schlusspfiff bildeten sich um 21.52 Uhr spontan zwei Jubeltrauben. Eine um Pep Guardiola, der von Matthias Sammer und seinen Assistenten umarmt wurde. In Rekordzeit hatte der spanische Trainer des FC Bayern seinen ersten Titel in der Bundesliga geholt. Wenige Meter weiter hüpften die Spieler Dante, Franck Ribéry, Mario Götze, Jerome Boateng, Thomas Müller wie ein ausgelassener Kindergeburtstag im Kreis herum. Auf den Videoleinwänden zeigte sich Hertha BSC als höflicher Gastgeber. „Herzlichen Glückwunsch zur Deutschen Meisterschaft 2013/14“ war dort zu lesen.

Im mit 76.197 Zuschauern ausverkauften Olympiastadion waren die Berliner mit 1:3 (0:2) unterlegen, so dass die Münchner sich bereits nach 27 Runden ihren 24. Meistertitel sicherten, so früh wie noch nie seit Einführung der Bundesliga 1963.

Die derzeit beste Mannschaft der Welt feierte vor dem Gästeblock, Guardiola, der den deutschen Brauch der Bierdusche ein wenig fürchtete, schaute sich das fröhliche Treiben aus 40 Meter Entfernung an und telefonierte sogar kurz mit seiner Frau. Doch in Gedanken war er schnell auch beim ehemaligen Präsidenten Uli Hoeneß. „Dieser Meistertitel ist für Uli. Er ist die wichtigste Person im Verein.“ Hoeneß, der demnächst seine Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung antreten muss, war nicht mit in Berlin.

Dann bedankte sich der Spanier bei seiner Mannschaft für den wichtigsten Titel der Saison: „Dass es so gut läuft, hätte ich nicht gedacht. Ich bin sehr zufrieden. Diese Mannschaft hat einen sehr guten Charakter.“ Verteidiger Jerome Boateng lieferte den Beweis: „Wir wollen jetzt weiter Rekorde brechen.“

Mauer der Berliner stand nur sechs Minuten

Der Spielfilm ist rasch erzählt. Hertha-Trainer Jos Luhukay setzte auf Laufbereitschaft. Deshalb rückte Per Skjelbred ins Team. Youngster Hany Mukhtar, 19, kam ausgerechnet gegen die Übermannschaft zum ersten Startelf-Einsatz. Für den Gelb-gesperrten Innenverteidiger Sebastian Langkamp spielte Christoph Janker. Ronny musste zunächst mit einem Platz auf der Bank vorlieb nehmen.

Die Partie nahm dann den Verlauf, den bisher alle Gegner kennen gelernt haben: Auch wenn sich Hertha den Angriffen der Gäste beherzt entgegenwarf, dominierte der Champions-League-Sieger sofort. Mit ihrem Hochgeschwindigkeitsfußball versprühten die Bayern jedes Mal Gefahr. So stand die Mauer der Berliner nur sechs Minuten. Dann brachte Janker unter Bedrängnis nur einen Querschläger im Hertha-Strafraum zustande, Toni Kroos versenkte den Ball volley aus zehn Metern, 0:1.

Dominanz der Bayern war atemberaubend

Hertha war geschockt. Nach nur 14 Minuten folgte der nächste Rückschlag. Eine Kombination über Philipp Lahm und Rafinha landete bei Bastian Schweinsteiger. Der flankte von der Strafraumgrenze auf Mario Götze – per Kopf erzielte der Nationalspieler das 0:2. Hertha-Trainer Jos Luhukay sagte: „Zu diesem Zeitpunkt dachte ich, die Bayern haben ein oder zwei Mann mehr auf dem Platz. Und als das 0:2 fiel, habe ich gedacht: Hoffentlich gibt das kein Schützenfest.“

Die Dominanz der Bayern war atemberaubend. Nach einer halben Stunde wies die Statistik bei Hertha 35 angekommene Pässe aus. Bei den Bayern waren es zu diesem Zeitpunkt 313. So einseitig das Geschehen war, die Hertha-Fans zeigten Sinn für Galgenhumor. Den Bayern-Fans donnerten sie entgegen: „Ihr holt die Meisterschaft und den Europa-Cup und den Pokal – und das ist uns scheißegal“.

Nach der Pause wechselten die Bayern Weltklasse gegen Weltklasse aus. Müller, Robben und Schweinsteiger gingen, Mario Mandzukic, Franck Ribéry und Thiago kamen. Mandzukic hatte die Gelegenheit zur Vorentscheidung, aber Herthas Bester, Thomas Kraft, klärte mit einer Fußparade (61.).

Mittlerweile wagte sich Hertha nach vorn – und wurde belohnt. Rafinha schubste Ramos um, Elfmeter. Bayern-Torwart Manuel Neuer tauchte ins linke Eck, also schob Ramos den Ball gelassen in die Mitte ein, 1:2 (66.), sein 16. Saisontreffer. Das Publikum feierte das Tor enthusiastisch. Nun lag ein Hauch von Sensation in der Luft. Ging da noch was?

Nein, nicht gegen den FC Bayern dieser Saison. Mario Götze drang in den Strafraum ein, Ribéry hob den Ball mit viel Gefühl über Kraft, 1:3 (79.). „Deutscher Fußball-Meister wird nur der FCB“, sangen nun die Bayern-Fans. Und das erstmals im März.

Kompliment von Jürgen Klopp

Herthas Peter Pekarik räumte später ein: „Die Bayern sind in diesem Jahr einfach ohne Konkurrenz.“ Per Skjelbred sagte: „Das Tempo, das die Bayern gehen, ist Wahnsinn. Wir haben als Mannschaft gekämpft, das ist positiv.“ Jos Luhukay gratulierte: „Es ist beeindruckend, wie Pep Guardiola und seine Mannschaft diese Saison absolvieren.“ Aus Dortmund sendete auch Rivale Jürgen Klopp Hochachtung: „Unglaublich, was ihr da abgerissen habt in dieser Saison. Und wir sehen euch zwar, aber brauchen tatsächlich ein Fernrohr. Macht nichts, ich kann es sogar ab und zu genießen. Es sieht einfach gut aus“, meinte der BVB-Trainer.

Auf den gebürtiger Berliner Boateng wartete da schon eine neue Aufgabe: „Ich bin Mitkoordinator der Feierlichkeiten. Mal sehen, wie lange Pep Guardiola und Matthias Sammer uns rauslassen.“ Die nächsten beiden Tage gibt es frei.