Bundesliga

Herthas Ronny freut sich auf das Duell gegen Raffael

Am Sonnabend gibt es in der Bundesliga das erste Bruder-Duell zweier Brasilianer: Herthas Ronny tritt gegen Gladbachs Raffael an. Nach dem Spiel will Ronny Trikots tauschen - und Raffael trösten.

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Die Telefone blieben still in den vergangenen Tagen. „Sonst sprechen und telefonieren wir oft, aber vor dem Match haben wir das eingeschränkt“, sagte Ronny über den Kontakt zu Raffael. Auch in der 51. Saison erlebt die Fußball-Bundesliga noch etwas Neues. Am Sonnabend (18.30 Uhr) gibt es das erste Bruder-Duell zweier Brasilianer, wenn Ronny mit Hertha BSC bei Borussia Mönchengladbach mit Raffael antritt. Ronny, mit 27 Jahren ein Jahr jünger, geht schon mal forsch voran. „Nach dem Spiel tauschen wir Trikots. Vielleicht muss ich Raffael dann trösten, wenn wir gewonnen haben.“

Es hat dem Herthaner in der Hinserie im vergangenen Oktober weh getan, dass Trainer Jos Luhukay Ronny nicht einsetzte (Endstand: 1:0). Nachdem Ronny einen langen Anlauf benötigte, um in die Saison zu kommen, ist er nun, am 26. Spieltag, endlich gesetzt. Trainer Luhukay sagt über die letzten Auftritte seiner Nummer 12: „Wenn Ronny so spielt wie die zweite Halbzeit in Mainz, dann ist er für uns ein Wohlfühlfaktor. Und gegen Hannover haben wir gesehen, dass gefährliche Situationen fast nur von Ronny ausgingen.“ Das Fazit des Vorgesetzten: „Ronny hat sich das Duell gegen seinen Bruder absolut verdient.“

Bei der Borussia ist Raffael ohnehin eine Bank. Wie schon in den Jahren bei Hertha (2008 bis 2012) setzt Lucien Favre, mittlerweile Trainer in Mönchengladbach, auf den wendigen Dribbler. Raffael zahlt das Vertrauen seines Ziehvaters zurück. 28 Jahre ist er mittlerweile alt und spielt im Moment die Saison seines Lebens. So viele Tore wie noch nie in der Bundesliga hat Raffael erzielt, bislang zwölf. Zu seinen Berliner Tagen sagt Raffael: „Ich hatte eine tolle Zeit bei Hertha und eine gute Beziehung zu den Fans.“

Verschiedene Spielertypen

Doch Raffael ist gewachsen an seinen folgenden Stationen. Bei Dynamo Kiew und auf Schalke erlebte der Profi, dass ein gut dotierter Vertrag nicht alles ist. In Kiew war die Rede von einem Jahressalär von vier Millionen Euro. Aber der Trainer, der Raffael geholt hatte, wurde wenig später entlassen. Der sensible Raffael erlebte, wie er samt Familie aus der Villa geworfen wurde, weil der Verein nicht die Miete bezahlt hatte. Für eine Halbserie wurde er an Schalke ausgeliehen. Dort musste er sich jedoch hinten anstellen, wurde häufig eingewechselt. Raffael sagt über diese Zeit: „Vor allem bin ich als Mensch weiter gereift. Jetzt bin ich glücklich, in Gladbach spielen zu dürfen.“ Die Borussia ließ sich die Dienste von Favres Lieblingsschüler fünf Millionen Euro Ablöse kosten.

Die Brüder, im Norden Brasiliens in Fortaleza geboren, stammen aus einfachen Verhältnissen. Raffael schwärmt von der guten Technik seines Bruders. „Ich bin aber ein anderer Spielertyp, bin etwas sprintstärker. Ronnys große Stärke sind Standards. Bei Ecken und Freistößen ist er immer gefährlich.“ Auch der Hertha-Profi pocht darauf: „Raffael ist Raffael, Ronny ist Ronny. Wir haben beide schon bewiesen, dass wir etwas können.“

Allerdings ist Raffael hier seinem Bruder voraus. Nach sechs Jahren in Deutschland weist der Gladbacher mittlerweile 151 Bundesliga-Spiele in Deutschland auf.

„Es gab immer Zweifel an Ronny“

Hertha hatte Ronny zwar im Frühjahr 2013 nach dessen überragender Zweitliga-Saison mit einem neuen Vier-Jahres-Vertrag ausgestattet. Aber Trainer Luhukay räumt unumwunden ein: „Es gab immer Zweifel an Ronny.“ Er spielt seine zweite Bundesliga-Saison. Die Statistik belegt die Zweifel, Ronny stand bei bisher 30 Einsätzen nur sieben Mal in der Anfangsformation. Seine Dynamik ist nicht die allerbeste, seine Kondition auch nicht. Eine andere Frage lautet: Bringt Ronny die mentale Stärke auf, zwölf Monate im Jahr seinen Fokus auf ein professionelles Sportlerleben zu legen?

Manager Michael Preetz bleibt ungeachtet der Kritik dabei, dass die Voraussetzungen durchaus bei Ronny gegeben sind: „Ronny ist im Kopf, im Erfassen von Spielsituationen vielleicht der Schnellste, den wir haben. Wenn er darauf konzentriert ist, passende Lösungen zu finden, ist Ronny ein wunderbarer Bundesliga-Spieler.“

Ronny erlebt bei Hertha mit Jos Luhukay den mittlerweile vierten Trainer (nach Markus Babbel, Michael Skibbe und Otto Rehhagel). So wie Luhukay hat ihn vorher niemand unterstützt. Aber der Trainer nimmt ihn auch in die Pflicht: „Ronny kann jetzt in den verbleibenden zwei Monaten bis Saisonende all denen, die an ihm Zweifel haben, zeigen, dass er es doch kann in der Bundesliga. Das würde ich mir wünschen.“