Bundesliga

Hertha-Fans sind entsetzt über Vorschlag von BVB-Boss Watzke

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke fordert Gefängnisstrafen für Krawallfans. Der Dachverband der Berliner Anhänger spricht von einer „Katastrophe“. Hertha will nicht immer für Fehlverhalten der Fans zahlen.

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Fußball-Krawallmacher sollen unverzüglich für kurze Zeit ins Gefängnis. Diese Forderung erhebt zumindest Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. „Wir müssen uns klar werden, dass der Fußball nicht alle gesellschaftlichen Probleme lösen kann“, sagte er der „Sport-Bild“ vor dem brisanten Revierderby am Dienstag gegen Schalke 04.

Die Vereine könnten nur die Symptome lindern. Deshalb sollten Leute, „die sich im Stadion daneben benehmen, auch mal ein paar Tage sitzen“. Watzke weiter: „Solange sich das nicht ändert und nur Worthülsen und Aktionismus an den Tag gelegt werden, sind wir ein wenig hilflos.“

Die Klubs könnten dies nicht ändern, „dafür ist der Gesetzgeber zuständig“. Juristisch allerdings ist das problematisch: Nur ein Richter kann ein rechtskräftiges Urteil sprechen. Es müssten Schnellgerichte eingerichtet werden wie bei der WM 2010 und der EM 2012. Damals wurden unmittelbar Geld- und Bewährungsstrafen verhängt.

Bereits 232.500 Euro Strafe für Hertha in vier Jahren

Die Koordinierungsstelle Fanprojekte (KOS) bei der Deutschen Sportjugend lehnt Watzkes Forderungen ab: „Wir sehen die gesetzlichen Grundlagen für den Umgang mit Straftätern im Fußball als ausreichend an“, erklärte KOS-Leiter Michael Gabriel. „Wir sind schon ein bisschen irritiert, dass jetzt aus dem Fußball heraus, der ähnlich kurzfristig gedachte Forderungen in der Vergangenheit stets abgelehnt hat, so populistisch eine Strafverschärfung gefordert wird.“

Auch Hertha BSC spürte jüngst wieder einmal die schmerzhaften Folgen von Fehlverhalten der eigenen Fans: Das Sportgericht des DFB belegte den Klub am Dienstag mit einer Geldstrafe in Höhe von 28.000 Euro wegen Abbrennen von bengalischen Feuern einiger Hertha-Fans in Braunschweig sowie das Werfen von Gegenständen einiger Anhänger in Dortmund im Dezember.

Insgesamt zwölf Urteile wegen Verfehlungen der Berliner Anhänger aufgrund von Pyrotechnik im Stadion, dem Werfen von Gegenständen oder dem Betreten des Platzes wurden seit 2010 gegen Hertha gefällt. Die Kosten summieren sich in den vergangenen vier Jahren auf 232.500 Euro. Hertha ist nicht gewillt, dies zu akzeptieren.

Das Beispiel Hannover 96

Nach den Vorfällen von Braunschweig sagte Herthas Finanzboss Ingo Schiller, man werde Übeltäter zukünftig in Regress nehmen. Der Verein will zwar weiterhin auf Kommunikation mit den eigenen Fans setzen. Ein Modell wie bei Hannover 96 sei allerdings nicht ausgeschlossen, heißt es: Dort wurden Strafen, die der Klub für Pyrotechnik-Aktionen seiner Anhänger zahlen muss, an die Verursacher weitergereicht.

Insgesamt 15.000 Euro sollte 96 wegen eines Bengalo-Wurfes und eines Flitzers beim Europapokal-Spiel in Kopenhagen vor mehr als zwei Jahren zahlen. Immerhin 8500 Euro holte sich der Klub im Januar vor Gericht von zwei eindeutig identifizierten Tätern zurück.

Über Watzkes Vorschlag allerdings sind sie im Dachverband der Hertha-Fans entsetzt: „Sollte das kommen, wäre das eine Katastrophe“, sagte der Vorsitzende des Förderkreis Ostkurve e.V.. Steffen Toll, der Morgenpost. „Wir lehnen das ab. Diesen Leuten fällt nichts mehr ein, und dann greifen sie zu Mitteln, die überhaupt nicht rechtsstaatlich sind.“