Bundesliga

Hertha BSC steckt in der Ramos-Falle fest

Nach der deutlichen Heimpleite gegen Hannover fordert Hertha-Trainer Luhukay, dass sein Team offensiv vielseitiger aufgestellt werden muss. Trifft Stürmer Ramos nicht, wird es eng für den Aufsteiger.

Der Wind brauste drohend durch die hohen Pappeln. Auch Jos Luhukay hob seine Stimme und wurde energisch. Der Trainer von Hertha redete sich in Rage. Allerdings ging es weniger um die 0:3-Heimniederlage seiner Mannschaft gegen Hannover 96.

Kein Wort darüber, dass erstmals das eingetreten war, was der Aufsteiger in den ersten zwei Dritteln der Saison vermeiden konnte – deutlich zu verlieren. Kein Wort über die anhaltende Heimschwäche, seit vier Monaten warten die Berliner mittlerweile auf ein Erfolgserlebnis im Olympiastadion.

Luhukay haderte mit den Ansprüchen. „Wir haben mit unserer guten Hinrunde Erwartungen geweckt. Aber intern war Europa nie ein Ziel. Wir waren immer realistisch, weil wir wissen, wo wir herkommen.“ Mit 36 Punkten steht der Aufsteiger komfortabel da. Etablierte Klubs wie der HSV, Werder, Stuttgart, Hannover oder Hoffenheim würde dieses Polster mit Kusshand nehmen.

Noch kein Heimsieg im Jahr 2014

Aber vor 46.727 Zuschauern wurde deutlich: Hertha hat das Momentum verloren. In der ersten Saisonhälfte hatte das Team um Kapitän Fabian Lustenberger mit frischem, attraktivem Fußball für Furore gesorgt.

In 2014 jedoch gab es nur einen wirklich überzeugenden Auftritt, beim 3:0 in Hamburg. Sebastian Langkamp, der Abwehrchef, sagte nach der sechsten Heimniederlage: „Spätestens nach der Partie ist klar: Wir müssen ständig über unserem Limit spielen, um oben dran zu bleiben. Wir sind mit dem neunten Platz ganz gut bedient.“

Für Luhukay ist die Entwicklung keine Überraschung. „Wir haben nicht den Kader für einen Europa-League-Platz.“ Dazu kommen Verletzungen von wichtigen Spielern wie Lustenberger, Tolga Cigerci, Alexander Baumjohann oder Änis Ben-Hatira.

Und die Gegner haben sich taktisch auf Herthas Stäken eingestellt. Aus einer defensiven Grundordnung heraus können die Berliner blitzschnell auf Offensive umschalten. Allerdings hat der Klassenneuling Probleme, wenn er selbst das Spiel gestalten muss.

In der Abwehr fehlt Tempo

Gleichwohl liegen die Plätze für den internationalen Fußball nur drei Zähler entfernt. „Jetzt geht das schon wieder los“, seufzte Luhukay. „Wenn ich das jetzt sage, kommt das rüber, als ob der sportlich Verantwortliche kein Ziel hat.

Aber wir können uns doch nicht im Ernst vergleichen mit Dortmund, Schalke, Leverkusen, Wolfsburg, Gladbach oder Wolfsburg. Auch Mainz ist uns voraus.“ Alle genannten Teams verfügen über Personaletats, die (mindestens) doppelt so hoch sind, verglichen mit dem vom Hauptstadtklub.

Herthas Probleme wurden gegen Hannover auf mehreren Ebenen deutlich. Auf der linken Abwehrseite fehlte es sowohl Levan Kobiashvili als auch Fabian Holland an Speed. Diese Kombination wird es in dieser Saison mutmaßlich nicht wieder geben.

Nur zwei Siege ohne Ramos-Treffer

Ebenfalls augenscheinlich ist die Abhängigkeit der Berliner von Adrian Ramos. Der Torjäger hat auch in der Rückrunde bereits vier Treffer erzielt und zwei vorbereitet. Trifft der Kolumbianer aber einmal nicht, sieht es schlecht aus. Nur zwei Siege fuhr Hertha ohne Ramos-Tore ein. Dem gegenüber stehen acht Erfolge mit Ramos-Treffern. Luhukay: „Wir können uns nicht nur auf einen verlassen.“

Spielmacher Ronny, der beste Herthaner, berichtete, dass der Trainer genau das in der Besprechung vor der Partie gefordert hatte: „Er hat gesagt, wir sollen Adrian helfen.“ Das Problem hat indessen mehrere Facetten.

„Wir müssen uns in der nächsten Saison offensiv breiter aufstellen“, sagte Luhukay. Als Beispiel nannte er die mangelnde Gefahr von der linken Seite. „Änis Ben-Hatira, Nico Schulz, Johannes van den Bergh – wir haben über links kein einziges Tor vorbereitet, wenn man von der Vorlage von Johannes in Hamburg absieht.“ Hertha braucht mehr Präzision. Manager Michael Preetz sagte mit Blick auf sechs ungenutzte Großchancen: „Wir müssen bei der Effektivität zulegen.“

Auf der rechten Außenbahn hat Hertha ohnehin schon seit längerem Bedarf. Es ist anzunehmen, dass im Sommer auf beiden Seiten nachgerüstet wird. Die Frage, wie es mit Ramos weitergeht, „macht mit keine Sorge“, behauptet Luhuaky.

Der Stürmer ist durch seine starke Saison bekanntlich im Visier diverser Topvereine vom Schlage Borussia Dortmund oder AS Monaco. Egal, ob Ramos bleibt – sein Vertrag in Berlin läuft bis Juni 2015 – oder ein neuer Hochkaräter kommt, Luhukay will in 2014/15 eine Hertha, die variabler spielt und nicht nur auf die Torgefahr eines einzelnen Angreifers zu reduzieren ist.

Brisante englische Woche

Ehe es soweit ist, sind aber noch neun Partien zu bestreiten. Vor Hertha liegt eine brisante englische Woche: Auswärts in Gladbach (22. März), daheim gegen den FC Bayern (25.) und auf Schalke (28.). „Das wird eine Hammer-Woche“, sagte Langkamp. Mit Blick auf die drei Gegentore gegen Hannover sagte er: „Wir müssen uns defensiv stabilisieren.“

Die Pappeln auf dem Schenckendorff-Platz bogen sich in den Windböen. Luhukay hatte keine Lust auf politisch korrekte Aussagen vom Schlage ‚wir wollen jedes Spiel gewinnen‘. Mit Blick auf die englische Woche sagte der Trainer. „Kann sein, dass wir da null Punkte holen.“ Davon sollte man sich aber nicht täuschen lassen. Luhukay will das nächste Spiel gewinnen, unbedingt. Und das danach auch.