Bundesliga

Hertha kassiert gegen Hannover höchste Saison-Niederlage

Hertha-Torwart Thomas Kraft erlebte eine Halbzeit lang einen ruhigen Nachmittag vor heimischer Kulisse. Doch mit dem Seitenwechsel gingen die Gäste aus Hannover in Führung und bauten sie noch aus.

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Hertha geht die Luft aus. Zum zweiten Mal in Folge verabschiedeten die Fans im Olympiastadion die eigene Mannschaft mit Pfiffen. 0:3 (0:0) unterlagen die Berliner gegen Hannover 96. Eine ärgerliche Pleite. So trat mit 96 das bis dahin auswärtsschwächste Team der Liga an, das zudem zuvor fünf Spiele in Folge ohne Sieg geblieben war. Doch mit einer schwachen zweiten Hälfte brachte sich Hertha um die gute Ausgangslage, die sich die Mannschaft um Kapitän Levan Kobiashvili erarbeitet hatte.

Nach dem Schlusspfiff standen die Herthaner ratlos um den Mittelkreis herum. Ronny, der beste Mann auf dem Platz, warf wütend seine Trinkflasche auf den Boden. Mit drei Toren Unterschied hat Hertha in dieser Saison noch nicht verloren. Will man diesem Resultat etwas Positives abgewinnen, dann den Fakt, dass Hannover gnadenlos aufgezeigt hat, wo es bei den Berlinern besser werden muss in der kommenden Saison.

Ronny sprüht vor Spiellaune

Der Reihe nach: Die Aufstellung erinnerte an das vorangegangene Zweitliga-Jahr: Ronny gab den Spielmacher, dahinter sollten Peter Niemeyer und Hajime Hosogai dem Brasilianer den Rücken freihalten. Die linke Seite entsprang der eigenen Nachwuchsabteilung mit Fabian Holland und Nico Schulz. Die Hausherren hatten das Spiel klar im Griff. Hertha-Torwart Thomas Kraft war beschäftigungslos. Hannover gelang kein einziger gefährlicher Angriff, ganz zu schweigen von einem Torschuss.

Dafür sprühte Ronny vor Spiellaune und legte den Mitspielern Chancen auf, die eigentlich für mehrere Spiele hätten reichen sollen. Schon nach 120 Sekunden spielte Ronny Adrian Ramos frei, der aus spitzem Winkel jedoch nur das Außennetz traf. Nach elf Minuten lenkte 96-Torwart Ron-Robert Zieler einen Ronny-Freistoß zur Ecke.

Dann spielte der Brasilianer erst Ramos frei, der sich bei der Ballannahme jedoch verhedderte, dahin war die schöne Gelegenheit (19.). „Der Platz ist eine Vollkatastrophe“, schimpfte Hertha-Trainer Jos Luhukay über diese Szene. Unmittelbar vor der Pause beschleunigte Ronny das Passspiel, bediente den freigelaufenen Per Skjelbred, der aber aus 13 Metern rechts am Gäste-Tor vorbeischoss (43.).

Wende in der 49. Minute

Doch die Dominanz der Blau-Weißen war mit dem ersten Torschuss von Hannover dahin. 96-Trainer Tayfun Korkut hatte zur Pause die linke Abwehrseite als Schwachstelle bei Hertha ausgemacht – zu Recht. So leistete sich Holland zunächst einen leichten Abspielfehler, dann verlor der Linksverteidiger das Laufduell gegen Leandro Bittencourt. Hannovers Leihgabe aus Dortmund war mit dem Ball schneller als der Berliner, dessen Vorlage verwandelte Lars Stindl aus neun Metern hoch unter die Latte, 0:1 (49.). „Das muss ich besser verteidigen“, sagte Holland, „da war ich einen Schritt zu langsam, und dann war Bittencourt außen an mir vorbei.“

Herthas Gelegenheit, ins Spiel zurückzukommen, verpassten Ramos und Skjelbred, die beide den Ball aus aussichtsreicher Position nicht im Tor unterbrachten.

Stattdessen narrte erneut Bittencourt die Hertha-Abwehr. Diesmal lief er Kobiashvili davon und legte den Ball vorbei an Sebastian Langkamp auf Jan Schlaudraff. Der Hannoveraner hatte alle Zeit der Welt, umkurvte Torwart Kraft und schob den Ball ins leere Tor, 0:2 (57.).

Aufholjagd bleibt aus

Wer nun auf eine große Aufholjagd gehofft hatte, wurde enttäuscht. Hertha rannte an, lag in den meisten statistischen Wertungen vorn: 16:7 Torschüsse, 59 Prozent Ballbesitz, 59 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Aber es fehlte die Überzeugung, dass da noch etwas möglich war. Einzig Ronny rackerte, legte für Ramos auf, dessen Kopfball am Tor vorbei ging (61.). In der 89. Minute jagte der Brasilianer einen 26-Meter-Schuss ans Lattenkreuz, die Fußball-Götter hatten an diesem 25. Spieltag kein Hertha-Tor vorgesehen.

Hannover teilte sich seine Kräfte ein. Szabolcs Husti bestrafte erneut das Defizit an Schnelligkeit bei Kobiashvili, legte den Ball am 36-Jährigen vorbei und zog ab, das 0:3 (90.+1). Per Skjelbred war genervt: „Die schießen drei Mal auf unser Tor und gewinnen 3:0. Dabei hätte ich allein zwei Tore für uns schießen müssen. Keine Ahnung, wie das passieren konnte.“ Ronny war zwar mit seiner eigenen Performance zufrieden, „aber das zählt nicht. Schade, dass wir verloren haben. Wir müssen jetzt den Kopf oben behalten, wir haben noch einige Spiele bis Saisonende“.

Letzter Heimsieg vor vier Monaten

Bei Hertha hält also der Negativlauf im eigenen Stadion an. Vier Monate liegt der letzte Heimsieg mittlerweile zurück (3:2 gegen Bremen). Die Bilanz in diesem Jahr lautet: null Siege, ein Remis, drei Niederlagen. Entsprechend frostig war die Stimmung, als die Mannschaft in der Ostkurve vorbeikam. „Ich verstehe, dass die Fans unzufrieden sind“, sagte Holland. „Wir versuchen doch auch, diese negative Heimserie zu brechen.“

Peter Niemeyer hatte bereits das Ganze im Blick. Viel war zuletzt gesprochen worden von der Chance auf einen Europa-League-Platz. Niemeyer sagte: „Wenn man oben steht, will man auch oben bleiben. Dafür muss der nächste Schritt von uns kommen. Das ist uns jetzt zum wiederholten Mal nicht gelungen. Da müssen wir uns selbst an die Nase fassen.“

Hertha-Trainer Jos Luhukay lieferte eine klare Analyse: „Wir hatten mehr Chancen als Hannover. Wir haben sie nicht genutzt. Hannover war nicht die bessere Mannschaft, hat aber seine Möglichkeiten eiskalt genutzt. Deshalb hat 96 verdient gewonnen.“