Bundesliga

Herthas Pekarik - „Wir haben die Chance auf Überraschungen“

Verteidiger Peter Pekarik fällt vor allem durch seine Zuverlässigkeit auf. Vor dem Heimspiel gegen Wolfsburg sprach er über Ballett, seine Liebe für Eishockey und seine Zukunft bei Hertha.

Foto: imago sportfotodienst

Berliner Morgenpost: Herr Pekarik, wie fühlt man sich als neuer Linksverteidiger?

Peter Pekarik: Na ja, ich bin jetzt ja kein echter Linksverteidiger. Ich habe das nun drei Mal ausprobiert und fand mich ganz okay. Ich mache das gern, wenn ich gefragt werde.

Aber gewöhnen Sie sich nicht dran! Ihr Trainer Jos Luhukay sagte, er würde Sie gern mal im zentralen Mittelfeld ausprobieren. Er nannte Sie sogar „unseren kleinen Philipp Lahm“.

Oh, das höre ich jetzt zum ersten Mal. (grinst) Das freut mich. Ich habe noch nie im Mittelfeld gespielt. Aber ich mache es, wenn er das möchte.

Ist es im Fußball mittlerweile wie im richtigen Leben: Man muss anpassungsfähig sein, um erfolgreich zu bleiben?

Das ist so. Ich hatte zuvor nie etwas anderes gespielt als Rechtsverteidiger. Aber man darf nicht stehen bleiben, sonst hat man verloren. Das ist auch die Stärke unserer Mannschaft, dass viele Spieler auf ganz unterschiedlichen Positionen spielen können.

Wie beschreiben Sie ihr eigenes Spiel?

Ich bin jemand, der Einfachheit mag, der Sicherheit nach hinten mag und Fehler hasst. Ich spiele schnörkellos und versuche, wenn es möglich ist, auch nach vorn einfach zu spielen.

Gibt es so etwas wie die Schönheit des einfachen Spiels? Berühmt sind ja immer die Trickser und Dribbler.

Für mich ja. Als ich ein Junge war, habe ich den Brasilianer Cafu bewundert. Er hat hinten nie Fehler gemacht und nach vorn sehr gradlinig gespielt. Und dennoch war er einer der besten Rechtsverteidiger der Welt. Cafu hat Maßstäbe für den modernen Rechtsverteidiger gesetzt. So will ich auch spielen.

Stimmt es eigentlich, dass Sie ein Ballett-Fan sind?

(lacht) Meine Frau Lujza ist Tänzerin und liebt das Ballett. Ich war vor einem halben Jahr zum ersten Mal beim Ballett, und es war sehr beeindruckend. Es ist nicht unbedingt meine Sache. Ich mache das eher für meine Frau. Aber ich mag Musicals, Opern und andere Shows. Da gehen wir in Berlin oft zusammen hin.

Was gefällt Ihnen an der Show-Welt?

Es ist immer sehr spontan, die Menschen sind so kreativ dort. Da kann ich mich gut vom Fußball erholen. Da kommt man auf ganz andere Gedanken.

Sind Sie ein Schöngeist?

Zumindest liebe ich Kultur. Wir gehen oft zu Ausstellungen und mögen Filme. Besonders Filme über historische Ereignisse interessieren mich. „Troja“ zum Beispiel oder „300“ habe ich gerade gesehen. Alles, wo viel gekämpft wird (lacht).

Das passt gut zu Ihrer zweiten Leidenschaft: dem Eishockey.

Ich bin ein Riesen-Eishockeyfan. In meiner Heimat Slowakei ist Eishockey sehr populär. Gerade jetzt während der Olympischen Spiele sind die Leute total verrückt danach. Da gibt es sogar Public Viewing.

Ballett und Eishockey – das ist eine ungewöhnliche Mischung, finden Sie nicht?

(lacht) Ja, stimmt. Aber ich bin eben an vielem interessiert. Ich gehe auch oft zu den Eisbären in Berlin. Das ist ein toller Klub.

Sie müssen mir noch etwas anderes erklären: Was ist das mit Ihren Stutzen? Sie ziehen sie immer weiter über das Knie. Ein Mode-Tick?

Ich mache das schon, seit ich 16 Jahre alt bin. Mir gefällt das einfach so.

Ihnen gefällt es auch, einen Haarreifen zu tragen. Ebenso ungewöhnlich für einen Fußballer.

Das trage ich nur neben dem Platz. Meine Frau mag das so, und ich trage das für sie. Ich interessiere mich überhaupt sehr für Mode.

Auf Herthas Aufstiegsparty zum Beispiel trugen Sie neben dem Haarreifen auch einen ziemlich auffälligen Zweiteiler.

Ich schmücke mich halt gern. Ich liebe Mode. Ich schaue jeden Tag, was es Neues gibt, und kaufe sehr gern ein. Und meine Frau sucht auch mal etwas für mich aus.

Sie sind 2009 Deutscher Meister mit dem VfL Wolfsburg geworden. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?

Unglaublich schöne Erinnerungen. Ich kam aus der slowakischen Liga, und ein paar Monate später war ich plötzlich Deutscher Meister. Danach haben wir Champions League gespielt. Das ist unvergesslich. Als ich kam, hatte ich niemals daran gedacht, dass ich jemals so erfolgreich sein werde.

Wie war das Arbeiten mit Felix Magath damals in Wolfsburg?

Er war ein sehr harter Hund. Da musste ich immer 120 Prozent geben. Er hat von jedem gefordert, über die Leistungsgrenze hinaus zu gehen. Ich bin unglaublich glücklich, dass ich ihn als Trainer hatte. Er hat mich enorm vorangebracht.

Mit dem VfL waren Sie damals das Überraschungsteam der Liga. Nun sind Sie, wenn auch nicht auf dem Weg zum Meistertitel, aber zumindest wieder die Überraschungsmannschaft. Wie gelingt es, während einer Saison nicht einzubrechen?

Unbekümmert spielen. Einfach spielen und hinten sicher stehen. Wenn wir so weiter machen, haben wir eine große Chance, noch eine viel größere Überraschung zu schaffen. Aber dabei bleiben wir mit beiden Beinen auf dem Boden.

Im Sommer hat sich Ihr Vertrag durch den Aufstieg um ein Jahr verlängert Er läuft nun bis 2015. Gab es bereits Gespräche über eine Vertragsverlängerung?

Nein. Aber ich bin hier sehr glücklich. Wir sind eine super Gruppe und haben einen tollen Trainer. Wenn Hertha mit mir zufrieden ist, dann bleibe ich sehr gern noch lange.

Im Gegensatz zum vergangenen Jahr lässt Luhukay Sie bisweilen auch mal zu Spielbeginn auf der Bank.

Das ist okay so, denn die Rotation ist gut für unsere Mannschaft. Und außerdem spricht er sehr viel mit uns und erklärt uns, warum er so oder so entscheidet.

War das bei Magath anders?

Er hat weniger mit den Spielern gesprochen.

Ärgern Sie sich eigentlich, dass Sie am Sonntag das große Eishockeyspiel zwischen der Slowakei und Russland bei den Olympischen Spielen in Sotschi verpassen werden? Es läuft, wenn Sie sich gerade mit Hertha auf die Bundesligapartie gegen Wolfsburg vorbereiten.

Nein. Wenn wir gewinnen und auch die Slowakei gegen Russland, dann ist das ein perfekter Tag für mich.