Torschusspanik

Hertha ist zu sehr von Stürmer Adrian Ramos abhängig

Die Qualitäten von Adrian Ramos sind unbestritten. In dieser Saison war der Kolumbianer an mehr als 60 Prozent aller Tore beteiligt. Doch wehe, wenn der Stürmer nicht trifft – wie gegen Wolfsburg.

Foto: Oliver Mehlis / dpa

Die Statistik im Programmheft zeigte die Qualität von Adrian Ramos. Der Torjäger von Hertha BSC hat nicht nur die meisten Treffer in der Bundesliga erzielt (14, das entspricht 45,2 Prozent der Tore des Aufsteigers), er hat zudem fünf Treffer vorbereitet. Seine Vorlagen mitgerechnet, ist Ramos an 61,3 Prozent aller Hertha-Tore beteiligt.

Die Kehrseite dieser Medaille war gegen Wolfsburg zu besichtigen. „Adrian ist auch ein ganz normaler Mensch“, sagte Trainer Jos Luhukay. Eigentlich habe seine Mannschaft ähnlich wie in der Vorwoche in Hamburg vier, fünf hochkarätige Chancen erspielt. Von denen hatte Ramos gegen den HSV zwei genutzt und ein Tor von Sami Allagui vorbereitet.

„Gegen Wolfsburg hatten wir auch wieder vier Chancen“, sagte der Trainer, „aber der Unterschied war: Diesmal hat Adrian nicht getroffen. Er hatte seine Momente. Aber Adrian kann nicht immer den Unterschied für uns machen.“ Ramos war wieder eifrig. Kein Spieler schoss so oft aufs Tor wie der Kolumbianer (sechs Versuche).

Seine beste Gelegenheit ergab sich nach 35 Minuten, als der Wolfsburger Slobodan Medojevic einen Querpass vor dem eigenen Strafraum spielte – Ramos in die Beine. Der Herthaner entschied sich für die technisch schwierige Lösung, einen Heber. Zwar flog der Ball über Torwart Diego Benaglio hinweg, aber auch über das VfL-Tor (35.). Hertha-Innenverteidiger Sebastian Langkamp meinte Szenen wie diese, als er sagte: „Es ist uns nicht gelungen, die Fehler, die der VfL gemacht hat, für uns zu nutzen.“

Der Südamerikaner wird von vier Klubs umworben

Ramos ist umworben. Hertha hat ihm vor Monaten einen Vertrag vorgelegt, in der Hoffnung, dass der Stürmer über 2015 hinaus verlängert. Dem Vernehmen nach sind auch Borussia Dortmund, Atletico Madrid, der AS Monaco und ein englischer Topklub interessiert. Aber Ramos ist nicht Superman.

In der zweiten Hälfte hatte er zwei weitere Gelegenheiten. Eigentlich war er beide Male im Vorteil gegenüber den Verteidigern. Doch reduzierte er dann seine Geschwindigkeit ein wenig, um den Ball auf den passenden Fuß zu legen – ein Wimpernschlag, welcher der Wolfsburger Abwehr jeweils reichte, um den Ramos-Schuss zu blocken.

An solchen Tagen zeigt sich, dass Hertha derzeit über keinen zweiten Offensivspieler verfügt, der einen so klaren Zug zum Tor hat. Sami Allagui, mit sieben Toren zweitbester Schütze im Team, war ausgewechselt worden. Ronny, gegen Wolfsburg in der Schlussphase auf dem Platz, fällt es in der ersten Liga weiter deutlich schwerer, zu Chancen zu kommen, verglichen mit dem Zweitliga-Jahr 2012/13 (18 Tore/14 Vorlagen).

Vor diesem Hintergrund sind die Aussagen von Luhukay zu verstehen. Der Trainer hat gesagt, im Fall des Abganges von Adrian Ramos werde Hertha nicht versuchen, diesen Stürmer-Typ eins zu eins zu ersetzen. Luhukay: „Dann würden wir versuchen, die Qualitäten auf mehrere Schultern zu verteilen.“ Warum, war gegen Wolfsburg zu sehen.