Bundesliga

1:2 gegen Wolfsburg - Hertha schlägt sich zu Hause selbst

Gegen Wolfsburg haben die Berliner erneut eine Führung im Olympiastadion verspielt. Nach früher Führung durch Per Skjelbred kassierte Hertha zwei Gegentore von Knoche und Caligiuri.

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Einen winzigen Fleck im Olympiastadion – etwas links oberhalb der Ostkurve – erfasste die untergehende Sonne noch kurz vor dem Anpfiff. Ein stiller Moment der Wärme und Schönheit muss das gewesen sein, für die wenigen Hertha-Fans, die sich dorthin verirrt hatten. Als Schiedsrichter Marco Fritz aber wenig später die Partie der Berliner vor 40.648 Zuschauern anpfiff, war die Sonne verschwunden und ein unschöner, ja sogar ein ziemlich ärgerlicher Abend begann für die Anhänger des Berliner Bundesliga-Aufsteigers.

Denn Hertha BSC verlor am Sonntag die Heimpartie gegen den VfL Wolfsburg völlig unnötig mit 1:2 (1:0) durch die Gegentore von Robin Knoche (58.) und Daniel Caligiuri (78.). Dabei hatte Per Skjelbred die über weiter Strecken spielbestimmenden Berliner noch in Führung gebracht (21.).

Das Team von Trainer Jos Luhukay rutscht durch die zweite Heimpleite in Folge auf Tabellenplatz acht ab und muss erkennen, dass es für den Kampf um die Europapokal-Plätze doch an etwas Kaltschnäuzigkeit fehlt. „Das ist ärgerlich. Es ist nicht das erste Mal, dass wir gegen eine Spitzenmannschaft das bessere Team sind und verlieren“, sagte Hertha-Manager Michael Preetz.

Hertha-Trainer Luhukay lässt rotieren

Vor Spielbeginn tat Luhukay etwas, was er selten tut: Er ließ exakt die gleichen elf Profis aufs Feld, die vor einer Woche beim Hamburger SV mit 3:0 gewonnen hatten. Doch der Niederländer wäre nicht der Rotierer, der er ist, wenn er nicht wenigstens ein bisschen am Personalkarussell drehen würde: gleiche Elf ja, aber diesmal in anderer Formation. Johannes van den Bergh rückte vom linken, offensiven Mittelfeld zurück in die Viererkette. Peter Pekarik durfte wieder auf seiner angestammten Position rechts hinten beginnen. Für ihn wich Marcel Ndjeng ins rechte Mittelfeld aus und verdrängte Sami Allagui auf die linke Seite.

Die Hausherren begannen selbstbewusst und hätten sich durch Allagui bereits nach fünf Minuten eine recht aussichtsreiche Möglichkeit herausspielen können, wenn der Deutsch-Tunesier im VfL-Strafraum freistehend nicht so lange gewartet hätte, bis ihm Timm Klose den Ball vom Fuß stibitzte. Wolfsburg dagegen, das Team von Trainer Dieter Hecking, begann behäbig. Die erste Gelegenheit bekamen die Niedersachsen, als Kevin de Bruyne – der 17-Millionen-Einkauf vom FC Chelsea – Pekarik an der Seitenlinie alt aussehen ließ und in den Fünfmeterraum flankte, wo Ivan Perisic noch von Sebastian Langkamp am Schuss gestört werden konnte (17.).

Als es aber danach aussah, als hätten die Wölfe nun Gefallen daran gefunden, auch am Spiel teilzuhaben, lag der Ball plötzlich im Tor von VfL-Keeper Diego Benaglio: Allagui hatte eine Hereingabe von Ramos etwas zu weit vom Fuß springen lassen. Skjelbred schnappte sich das Spielgerät, sein Schuss als zwölf Metern blieb zunächst noch an Patrick Ochs hängen, doch sein Nachschuss schlug dann unten rechts zur 1:0-Führung für die Berliner ein (21.).

Wolfsburg hatte die besseren Einzelkönner in seinen Reihen

Fast hätte Hertha sogleich nachlegen können, doch der Schuss von Adrian Ramos aus fünf Metern strich knapp am Wolfsburger Tor vorbei (23.). Der VfL reagierte gereizt: Erst trat Luiz Gustavo Pekarik auf Höhe der Mittellinie wüst um und sah dafür Gelb (25.). Dann hatte Hertha zweimal Glück, als erst Torwart Thomas Kraft einen Schuss von Perisic aus zwölf Metern mit einem starken Reflex parierte (27.) und wenig später van den Bergh einen Volleyschuss von de Bruyne abblockte (28.).

Wolfsburg, das war schnell zu erkennen, hatte die besseren Einzelkönner in seinen Reihen. Aber zielstrebiger nach vorn spielte der Bundesliga-Aufsteiger aus Berlin. Fast wären die Blau-Weißen sogar mit 2:0 in die Pause gegangen, wenn Ramos nach dem katastrophalen Fehlpass von Slobodan Medojevic frei vor Benaglio die Nerven behalten hätte und der Heber des Kolumbianers nicht auf dem Tornetz gelandet wäre (35.).

Zu Beginn des zweiten Durchgangs verflachte die Partie. Hertha schien alles im Griff zu haben, Wolfsburg überlegte, ob man nicht doch ein bisschen mehr investieren könnte, schließlich will der vom VW-Konzern alimentierte Klub im kommenden Jahr international spielen. Nach einem VfL-Eckball stieg plötzlich Innenverteidiger Knoche hoch und köpfte den Ball aus acht Metern wuchtig zum 1:1-Ausgleich am machtlosen Kraft vorbei ins Netz (58.).

Luhukay griff zur Ultima Ratio und brachte Ronny

Hertha war aber keineswegs geschockt. Ramos nahm den Ball im Strafraum in aussichtsreicher Lage an, doch Klose verhinderte mit beherzter Grätsche den erneuten Führungstreffer der Herthaner (67.). Luhukay reagierte und brachte mit Änis Ben-Hatira für Allagui eine frische Offensivkraft (74.). Damit gab der Deutsch-Tunesier sein Comeback, nachdem er sich Anfang Dezember im Training einen Syndesmoseriss im linken Sprunggelenk zugezogen hatte.

Hertha drehte nun noch einmal auf: Einen satten Fernschuss von Tolga Cigerci aus 25 Metern konnte Benaglio mit Mühe parieren (75.). Hecking hatte aber diesmal das glücklichere Händchen bei der Wahl des Jokers: Der kurz zuvor eingewechselte Caligiuri wurde 20 Meter vor dem Berliner Tor nicht angegriffen und drosch den Ball an Kraft vorbei in den Winkel (78.).

Luhukay griff zur Ultima Ratio und brachte Ronny. Ein Freistoß des Brasilianers landete bei Ramos, dessen scharfe Hereingabe köpfte der unglückliche Ben-Hatira aber aus fünf Metern freistehend an die Latte (83.). Es war die letzte Gelegenheit in einem Spiel, das die Herthaner völlig unnötig verloren.