Ex-Herthaner

Alexander Madlung ist wieder mittendrin statt nicht dabei

Ein halbes Jahr wollte ihn kein Klub mehr haben. Jetzt unterschrieb Alexander Madlung einen Vertrag bei Eintracht Frankfurt. Und trifft im ersten Spiel ausgerechnet auf seinen Ex-Klub Hertha BSC.

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Alexander Madlung gehört zu den Spielern, die schnell zum Punkt kommen. Der Innenverteidiger spricht so, wie er Fußball spielt. Schnörkellos, direkt und ohne Kompromisse. Nur über ein Thema wollte er lange nicht reden. Ein halbes Jahr war der 31-Jährige arbeitslos. Obwohl er einmal Deutscher Meister war und Nationalspieler unter Joachim Löw, wollte ihn im vergangenen Sommer niemand verpflichten. Anfang Januar unterschrieb er beim nächsten Hertha-Gegner Eintracht Frankfurt (Sonnabend, 18.30 Uhr).

Wenn der 1,93 Meter große Abwehrspieler über seine Integration in das neue Team spricht, braucht er nur einen Satz zu sagen: „Vom Gefühl her ist es gut.“ In diesen wenigen Worten steckt viel mehr als nur eine Auskunft über seinen Status in der Mannschaft. Darin sind Glück und Erleichterung zu finden. Darüber, endlich wieder dazuzugehören.

Der Profifußball kennt die Geschichten der Teenager, die plötzlich zu Helden werden. Deren glückstrahlende Gesichter in Kameras schauen, die auf Zäune klettern und nicht nur die jubelnden Fans, sondern am liebsten die ganze Welt umarmen wollen. So wie Herthas 18 Jahre altes Torhüter-Talent Marius Gersbeck nach dem 2:1 in Dortmund vor Weihnachten. Doch Fußball ist auch und vor allem Geschäft. Das verlangt nach immer neuen Geschichten und Namen. Wer nicht gebraucht wird, fällt raus.

Nach sieben Jahren und Meisterschaft war Schluss in Wolfsburg

Alexander Madlung ist rausgefallen. Sein Vertrag in Wolfsburg wurde nicht verlängert. Nur wenige Wochen vor seinem 31. Geburtstag. Ein Gespräch auf der Geschäftsstelle, dann waren sieben Jahre beim VfL vorbei. 2009 wurde er dort unter Felix Magath Deutscher Meister. „Es ist ein neuer Schritt für mich am Ende der Karriere. Ich bin für alles offen, will mich auf gar nichts versteifen. Es muss einfach passen“, sagte er danach.

Doch es passte einfach nicht. Mal lag es an den Finanzen, mal war die sportliche Perspektive nicht verlockend. „Das Gesamtpaket stimmte nicht.“ Wieder so ein Satz. Einfach und geradeaus. Um jeden Preis wollte er nicht unterkommen. Doch als die Zeit bis zum Ende der Vorbereitung immer kürzer wurde, kam auch bei ihm Unruhe auf. „Ich habe den Transfermarkt sehr genau verfolgt. Aber im letzten Sommer hat sich gerade auf meiner Position sehr wenig getan.“

Er wollte erst reden, wenn er einen Vertrag unterschrieben hat

Ein neues Gefühl für den Abwehrmann. Zuvor war er sieben Jahre bei Hertha, erst im Nachwuchs, dann bei den Profis. Madlung war kein Wandervogel wie viele andere im Geschäft. Aber er wurde immer gebraucht. Ein Gefühl, das man erst zu schätzen lernt, wenn es nicht mehr da ist. Die einzigen, die anriefen, waren Journalisten. Doch er wollte nicht reden. Erst, wenn er wieder bei einem Verein unterschrieben hatte.

Madlung war auf sich allein gestellt. Kein Trainingsplan mehr, der ihm Vorgaben machte. Niemand, der ihn bei Übungen korrigierte oder seine Werte überprüfte. „Das war schon eine Umstellung, sich selbst fit zu halten“, gibt der Verteidiger zu. Er trainierte mit der Mannschaft der Freien Turner Braunschweig, in seiner Heimatstadt. Der Verein spielt in der fünftklassigen Oberliga. Dazu absolvierte er Extra-Schichten. „Da hängt viel von der Eigenverantwortung ab. Aber ich bin lange genug Profi, um zu wissen, wie ich mich fit halte und was ich noch zusätzlich machen muss.“

Auch Nürnberg hatte Interesse

31 Jahre. Es gab Zeiten, da war man damit als Abwehrspieler in den besten Jahren. Das ist vorbei. Das Alter der eingesetzten Spieler sinkt in der Bundesliga seit einiger Zeit kontinuierlich. Von noch 27,2 in der Saison 2007/08 auf 25,33 Jahre in der vergangenen Spielzeit. Dank der Nachwuchsreformen um die Jahrtausendwende herrscht in Deutschland kein Mangel an gut ausgebildeten Kickern.

Es sind nicht immer die besten Gedanken, die einem kommen, wenn man allein trainiert. Vielleicht war es die schwerste Übung, sich von negativen Eindrücken freimachen zu müssen. Madlung wollte unbedingt zurück in die Bundesliga. Und er schaffte es. Zwei Vereine meldeten sich bei ihm, Nürnberg und Frankfurt. Er entschied sich für einen leistungsbezogenen Vertrag bis 2015 bei den Hessen, die Verletzungssorgen in der Abwehr plagen. Auch weil das Gesamtpaket mit Trainer Armin Veh, den Madlung aus Wolfsburg kennt, stimmte: „Es ist ein bisschen wie bei Hertha und den Zugängen im Sommer unter Jos Luhukay: Man kennt sich schon und weiß, wie man miteinander funktioniert. “

Mit 31 noch zu jung, um alt zu sein

Alexander Madlung gehört jetzt wieder dazu, ist wieder Teil des Geschäfts Bundesliga. Fast, als wäre er nie weg gewesen. Der Wechsel in den Profialltag bei der Eintracht fiel ihm nicht schwer: „Es war gut, gleich mit ins Trainingslager nach Abu Dhabi gefahren zu sein. Da waren wir 24 Stunden am Tag zusammen, was mir die Eingewöhnung sehr leicht gemacht hat.“

Vor allem interessieren sich die Medien wieder für ihn als Akteur und nicht als Schicksal. Er wird vor dem Rückrundenauftakt gegen Hertha zur Partie befragt und antwortet locker: „Mehr als drei Punkte konnten die Berliner beim 6:1 im Hinspiel auch nicht gewinnen. Natürlich war das für sie der Start einer Euphoriewelle, wenn man nach dem Aufstieg gleich so loslegt. Aber jetzt wird das sicher anders. Hertha spielt auswärts, und die Liga kennt das Team nun ganz gut.“ In Madlungs Worten klingt Tatendurst mit, obwohl er nicht weiß, ob der Trainer ihn spielen lässt. Aber mit jedem Satz wird klar, dass er den Profifußball nicht freiwillig loslassen wird. Erst recht nicht jetzt, nachdem er ein halbes Jahr nicht gewollt war. Mit 31 Jahren fühlt er sich zu jung, um alt zu sein.