Fußball

Hertha startet ohne Cigerci in die Bundesliga-Rückrunde

Herthas Trainer zeigt sich vor dem Rückrundenstart gegen Frankfurt von ungewohnter Seite. Nicht nur weil Stammspieler Cigerci ausfällt, sondern um seine Spieler auf die Bundesliga einzuschwören.

Foto: imago sportfotodienst / imago/Uwe Kraft

Jos Luhukay war etwas genervt, als er im Schneetreiben am Rande des Trainingsplatzes die Frage nach neuen Etappenzielen für seine Mannschaft beantworten sollte. „Nein, wir wollen nicht Deutscher Meister werden!“, sagte der Hertha-Trainer eine Spur barscher, als er es vielleicht beabsichtigt hatte. Der Niederländer macht kurz vor dem Rückrundenstart bei Eintracht Frankfurt einen genervten Eindruck. Von Vorfreude auf die Bundesliga keine Spur. Stattdessen wirkt er angespannt. Dabei gibt es bei Tabellenplatz sechs wenig Grund dafür.

Die Wollmütze hatte Luhukay tief ins Gesicht gezogen, als er im Schneetreiben auf dem Trainingsplatz stand. Von den in dunkelblau gekleideten Spielern unterschied ihn nur seine hellblaue Jacke. Ansonsten hätte man den Niederländer kaum erkannt, so dicht stand er während der Übungen bei seiner Mannschaft und beobachtete genau die Ausführung der gestellten Aufgaben.

Für Beobachter ist das Verhalten des Trainers nicht neu. Schon vor dem Saisonstart im Sommer gab sich der ansonsten offene Niederländer zugeknöpft. Normalerweise beantwortet er Fragen sehr transparent und gibt dabei einen Einblick in seine Gedanken bei der Trainingsgestaltung und Aufstellung. Auch seine Spieler lernten ihn im Trainingslager im türkischen Belek von dieser anderen Seite kennen. Ständig unterbrach er ihre Übungen und verteilte Rüffel.

Tolga Cigerci war bei fast allen Punkten mit dabei

Mit diesem Verhalten will Luhukay die Mannschaft wachrütteln und die Konzentration auf die Bundesliga wieder schärfen. Kapitän Fabian Lustenberger kennt das von seinem Trainer bereits: „Das hat er schon oft so in der Vorbereitung gemacht.“ Manchmal wirkt es, als ob Luhukay seiner Mannschaft mit gutem Beispiel vorangehen möchte. Er wirkt so auf seine Arbeit fokussiert wie er es von seinem Team erwartet.

Ein zusätzlicher Grund für die Anspannung des 50-Jährigen könnte auch Tolga Cigercis Gesundheitszustand sein. Der Mittelfeldspieler wird gegen Eintracht Frankfurt fehlen. „Er hat noch zu starke Probleme mit seiner Achillessehne. Es wird bis Sonnabend nicht klappen“, erklärte Luhukay.

Damit fehlt Hertha ein Puzzleteil, das nicht unwesentlich zum Erfolg in der Hinrunde beigetragen hat. 28 Punkte sammelten die Berliner als Aufsteiger. Und fast immer dabei war Tolga Cigerci, der erst am letzten Tag der Transferperiode aus Wolfsburg ausgeliehen wurde. Insgesamt zwölf Spiele absolvierte er seitdem für Hertha und schoss ein Tor. Zum Ende der Hinrunde hatte er endgültig den Stammplatz in der Startelf sicher.

Trainer Jos Luhukay will nicht jammern

Der 21-Jährige passt perfekt in das laufintensive System von Jos Luhukay. Doch alleine auf die zurückgelegte Strecke will er den Deutsch-Türken nicht reduziert wissen: „Es geht nicht alleine um die gelaufenen Kilometer. Das machen andere auch. Er ist einfach ein Spieler, der uns in den letzten Monaten gut zu Gesicht stand.“ Cigerci lief vor allem die richtigen Wege.

„Ich will nicht jammern“, sagte Luhukay knapp. Eine Regel, die sich der Trainer prinzipiell für den Umgang mit Ausfällen in der Öffentlichkeit auferlegt hat. Regelmäßig verweist er auf die vielen Alternativen im Kader. Auch jetzt ist es nicht so, dass Hertha vor der Partie in Frankfurt den Notstand ausrufen müsste. Peer Kluge, Peter Niemeyer, Levan Kobiashvili wären ebenso Alternativen wie Per Skjelbred oder Ronny.

Die leichte Genervtheit des Trainers könnte auch mit den immergleichen Fragen zu tun haben, mit denen er sich im Laufe der Vorbereitung auseinandersetzen muss. Vor allem die nach der möglichen Startelf ist er leid. „Es hat keinen Sinn jetzt laut über eine erste Elf nachzudenken. Es kann noch so viel passieren.“ Im Kopf hat Luhukay sein Team bereits zusammen. Und dass die Gereiztheit des Trainer ein gutes Omen sein kann, ist bekannt. Zu Saisonbeginn besiegte Hertha die Frankfurter mit 6:1.