Hertha BSC

Marcel Ndjeng steht vor einem Sommer voller Träume

Der 31-Jährige gilt als „Gute-Laune-Onkel“ und hat nach einer Verletzung wieder Fuß im Team gefasst. Nun hofft er auf eine Vertragsverlängerung. Und er möchte sich noch in Kameruns WM-Team spielen.

Foto: Imago / City-Press

Auf einem dunkelbraunen Ledersessel im Teamhotel von Hertha BSC an der türkischen Riviera sitzt Marcel Ndjeng, rührt ein Viertelpäckchen Zucker in seinen Tee und lächelt.

Das Lächeln ist es ja, was sie bei Hertha so an dem 31-Jährigen mögen. Ndjeng ist gewissermaßen der „Gute-Laune-Onkel“ im Team von Cheftrainer Jos Luhukay. Jemand, der die Stimmung in der Mannschaft positiv beeinflussen kann, auch wenn die Situation eigentlich verzwickt ist.

So bat ihn Luhukay zum Beginn des vergangenen Zweitliga-Jahres, als Hertha gerade in der ersten DFB-Pokalrunde gegen den Viertligisten Wormatia Worms rausgeflogen war, die Kollegen in der Kabine doch wieder zum Lachen zu bringen. Tu’ das, was du immer tust! Lächle!

Verzwickte Situation

Auch jetzt also im Wintertrainingslager in der Türkei lächelt Ndjeng wieder. Dabei ist nunmehr seine eigene Situation ein wenig verzwickt. Es könnte nämlich sein, dass die kommenden Monate bis zum Sommer seine letzten bei Hertha werden. Der Vertrag des Allrounders, der gemeinsam mit Luhukay 2012 nach Berlin gewechselt war, läuft zum Saisonende aus. „Ich würde lügen, wenn ich so tun würde, als mache ich mir darüber keine Gedanken“, sagt Ndjeng. „Aber ich bin einfach ein positiver Mensch, und das soll auch jetzt so bleiben.“

In Ndjengs Vertrag gib es eine Klausel, nach der sich der Kontrakt im Sommer automatisch um ein weiteres Jahr verlängern würde, wenn er auf mindestens 25 Einsätze in dieser Saison käme. Und alles sah zu Saisonbeginn danach aus, als hätte Ndjeng allen Grund zur Zuversicht. In der Vorbereitung hatte der in Bonn geborene Deutsch-Kameruner sogar Peter Pekarik auf der Position des Rechtsverteidigers verdrängt, der im Vorjahr noch unweigerlich zu Luhukays Stammabwehr gehörte.

Sechs Einsätze bestritt er nur in der Hinrunde

Doch im ersten Saisonspiel gegen Eintracht Frankfurt zog sich Ndjeng eine komplizierte Fußverletzung zu: Ein Knochenmarksödem im Zeh zwang ihn sieben Wochen lang zur Pause. „Die Verletzung war nicht nur kaum zu behandeln. Sie war auch schwer für den Kopf“, sagt Ndjeng heute. Erst am zwölften Spieltag kehrte er zurück. Seit dem 14. Spieltag hat er jede Partie von Beginn an bestritten. Sechs Einsätze sind es nun in dieser Spielzeit. 17 Spiele warten in der Rückrunde noch. Macht 23. Zwei fehlen für die automatische Vertragsverlängerung.

Herthas Manager Michael Preetz sagt, dass eine mögliche Vertragsverlängerung mit Ndjeng am Ende nicht an der Marke von 25 Spielen scheitern werde. „Marcel ist einer der erfahrenen Spieler bei uns und ein absolut positiver Typ.“ Nicht nur für die Stimmung sei er wichtig fürs Team, sondern auch aufgrund seiner Vielseitigkeit. In der laufenden Saison hat Ndjeng neben der Rolle des Rechtsverteidigers auch die des rechten Flügelspielers übernommen. Im Vorjahr half er bisweilen im zentralen Mittelfeld aus. „Er tut uns gut, weil er die Optionen des Trainers vergrößert“, sagt Preetz.

Schon häufiger in seiner Karriere stand er am Scheideweg

Gespräche über eine weitere Zusammenarbeit gab es bisher aber nicht. „Wir werden uns im Frühjahr zusammensetzen und besprechen, wie es weitergeht. Dass er bei uns bleibt, können wir uns generell vorstellen“, so der Manager.

Ndjeng weiß, dass er nun Einsätze braucht, um die Verantwortlichen von Hertha von einer Vertragsverlängerung zu überzeugen. Doch er lächelt weiter, schließlich stand er schon mehrfach in seiner Karriere am Scheideweg. 2009 zum Beispiel, als er nach einem halben Jahr Ausleihe und nur zwei Spielen beim HSV einen neuen Verein suchen musste. Oder 2012, als sein Vertrag beim FC Augsburg nicht verlängert wurde. Oft in der Karriere von Marcel Ndjeng war Jos Luhukay maßgeblich daran beteiligt, dass es dann doch immer gut für ihn ausging. Der Niederländer, der Ndjeng schon in Paderborn und Mönchengladbach trainiert hatte, holte ihn zunächst nach Augsburg und lotste ihn dann später auch nach Berlin.

Luhukay hat sich für Ndjeng als Glücksfall erwiesen

Wo stünde er heute, hätte er Luhukay nie getroffen? „Das will ich mir gar nicht ausmalen. Ich hätte meinen Weg wohl auch anders gemacht, aber Jos Luhukay war für meine Karriere ein Glücksfall.“ Nun hofft Ndjeng, dass es im Sommer für ihn mit Hertha und Luhukay weitergeht: „Für mich wäre das das Optimum.“

Nur eine Sache könnte die Glückseligkeit im Leben des Fußballprofis noch vergrößern: die Weltmeisterschaft in Brasilien. Fünf Länderspiele hat Ndjeng für Kamerun bereits absolviert. Im vergangenen Sommer kontaktierte ihn Kameruns deutscher Nationaltrainer Volker Finke (Ex-Trainer des SC Freiburg) und machte ihm Hoffnungen, wieder für die Nationalelf eingeladen zu werden. Kamerun hat sich derweil für Brasilien qualifiziert und trifft dort in Gruppe A auch auf den Gastgeber.

Bei einer WM dabei zu sein, ist sein größter Wunsch

„Wenn ich nach dem Ende meiner Karriere sagen kann, dass ich bei einer WM dabei gewesen bin, wäre das ein absoluter Traum“, sagt Ndjeng. Um im Juni in Kameruns Aufgebot zu stehen, braucht Ndjeng nun ebenso Einsätze wie für die Vertragsverlängerung in Berlin. Vor der Rückrunde steht Ndjeng mal wieder vor einem Scheideweg. Das Lächeln aber verliert er nicht.