Bundesliga

Ehrenrunde für Herthas Routinier Levan Kobiashvili

Der 36 Jahre alte Abwehrspezialist bestreitet seine letzte Saison bei Hertha BSC und schwärmt: „Ich habe noch nie in einer Mannschaft gespielt, die einen so tollen Charakter hat wie diese Truppe.“

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Hertha setzt auf die Jugend. Kurzfristig entschied Cheftrainer Jos Luhukay, Anthony Syhre, 18, und Farid Abderrahmane, 17, mit ins Trainingslager in die Türkei zu nehmen. Der Tross des Fußball-Bundesligisten fliegt am heutigen Donnerstag für acht Tage nach Belek.

Ein anderer Profi ist zum letzten Mal an Bord: Levan Kobiashvili. Der 36-Jährige bestreitet seine letzte Saison. Sein Lizenzspieler-Vertrag bei Hertha endet im Juni. Im Anschluss hat er ein weiteres Jahr Vertrag. Offen ist, für welche Position. „Im vergangenen Sommer habe ich mit Hertha mal gesprochen, aber seither nicht mehr“, sagt Kobiashvili. Die Angelegenheit eile nicht, alles werde sich finden. Für jeden Profi ist das Karriereende ein tiefer Einschnitt. Eine Zäsur, die man versucht so lange wie möglich hinauszuschieben.

Abderrahmane, Herthas Jüngster, war 1998 zwei Jahre jung, als Kobiashvili zu seinem ersten Trainingslager mit dem SC Freiburg an die Algarve reiste. „Ich habe vorher ein Jahr in Russland gespielt, ich war froh über die Chance in Deutschland.“ Der Georgier sagt, er könne sich an fast jedes Detail erinnern: „Wie das Hotel war, wie warm es war, die Palmen, die Testspiele.“ Die erste vier Spiele mit dem Neuen verlor der SC Freiburg. Kobiashvili schaut auf die Resultate: „Hier, erstes Spiel bei Energie Cottbus, ich wurde eingewechselt und habe gleich getroffen.“ Stimmt, aber das 1:2-Anschlusstor in der Nachspielzeit änderte nichts an der Niederlage. Kobiashvili: „Wichtig war, dass wir am Saisonende aufgestiegen sind.“

340 Bundesliga-Spiele bestritten

Es ist ein weiter Bogen bis zu seinem 340. Bundesliga-Spiel, dem überraschenden 2:1 mit Hertha bei Borussia Dortmund in der letzten Hinrunden-Partie vor Weihnachten. Dabei hatte sich Kobiashvili beim Blick auf die Aufstellung gar nicht angesprochen gefühlt. „Als Spieler schaust du auf deine Position. Beim linken Verteidiger stand ein anderer Name. Im defensiven Mittelfeld auch. Also bin ich draußen, habe ich gedacht.“ Seinen Namen entdeckte er erst auf den zweiten Blick – als Innenverteidiger. Dort hat Kobiashili noch nie gespielt und dachte: „Da hat sich der Trainer verschrieben.“

Cheftrainer Luhukay hatte aber exakt Kobiashvili für das Abwehrzentrum bestimmt. Also nahm der gelernte Linksverteidiger in einem knallharten Duell Dortmunds Weltklasse-Stürmer Robert Lewandowski weitgehend aus dem Spiel. Und grinste hinterher: „Das Stadion, die Atmosphäre, das sind so Spiele, weshalb man Fußballer geworden ist.“

Trainerjob ist nicht sein Ziel

Jetzt bleibt die Rückrunde, 17 Partien, wie oft beschäftigt ihn das Thema Aufhören? Kobiashvili: „Ich bin nicht der Typ, der in jede Ecke schaut und denkt: Hier bist du jetzt zum letzten Mal.“ Er freue sich auf jedes Training. „Ich habe noch nie in einer Mannschaft gespielt, die einen so tollen Charakter hat, wie diese Truppe.“

Demnächst spreche er mit Hertha-Manager Michael Preetz. Irgendwann wolle er „nach Georgien zurückkehren. Wir haben im Fußball viele Probleme. Ich will meinem Land etwas zurückgeben und helfen, die Strukturen zu verbessern.“ Ob Volker Finke, Jupp Heynckes, Ralf Rangnick, Felix Magath, Otto Rehhagel – er hatte viele prominente Vorgesetzte. Mit Finke, seinem Entdecker und Förderer, hält er bis heute Kontakt. „Eine WM als Nationaltrainer – diesen Traum erfüllt sich Volker jetzt mit Kamerun. Aber er ist nicht ganz glücklich mit der WM-Gruppe.“ Kamerun trifft auf WM-Gastgeber Brasilien, Mexiko und Kroatien. Ist dieser Job seine Zukunft? Kobiashvili hebt abwehrend die Hände. „Ich kann mich den ganzen Tag mit Fußball beschäftigen. Aber Trainer zu sein, das steckt nicht in mir.“

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