Mitgliederversammlung

Hertha vermeldet Mitgliederrekord und Schuldenabbau

Rund 30.000 Mitglieder halten Aufsteiger Hertha BSC die Treue. Das war nicht die einzige gute Nachricht bei der Mitgliederversammlung. Die Schulden sind um über fünf Millionen Euro reduziert.

Beim Nachmittagstraining hatte Fabian Lustenberger noch pausiert und sich in der Kabine pflegen lassen. Am Abend stand der Kapitän von Hertha BSC jedoch Rede und Antwort. Im Foyer des ICC erfüllte Lustenberger Autogramm- und Fotowünsche. Bei der Mitgliederversammlung befand sich der frisch gebackene Nationalspieler der Schweiz mit der Mannschaft ebenso im Saal wie Trainer Jos Luhukay.

Leider hatte es das aktuelle Präsidium wieder einmal nicht für sinnvoll gehalten, jene auf dem Podium zu präsentieren, deretwegen die meisten der mittlerweile 30.000 Mitglieder, das ist Rekord, bei Hertha eingetreten sind: eben die Mannschaft. Trotz sportlich fulminanten Einstiegs in die Bundesliga-Saison saß das Team an der Seite, für die 1400 Personen im Saal nur schwer auszumachen. Um 20.10 Uhr verabschiedete Präsident Werner Gegenbauer Spieler und Trainer: „Die müssen jetzt ins Bett.“

Ähnlich aufregend gerieten die ersten zwei Stunden der Veranstaltung, in der ausführlich Vereinsjubiläen begangen wurden für 25-/40-/50- und 60-jährige Mitgliedschaft. Bei „Immerhertha“, dem Blog der Morgenpost, beschrieb der Nutzer „Sir Henry“ die Stimmung im Saal 1 unter dem Funkturm so: „Es gibt drei Fraktionen auf der Mitgliederversammlung: Die erste Fraktion lauscht andächtig. Die zweite schläft. Die dritte tankt bereits am Tresen.“

>>>Die Versammlung zum Nachlesen bei „Immer Hertha“<<<

Bernd Schiphorst, der Vorsitzende des Aufsichtsrates, kündigte die Gründung eines Hertha-Museums an. Wie vermeldet, soll es am Glockenturm eingerichtet werden. „Jetzt wird es ernst“, sagte Schiphorst. „Den Standort haben wir. Die Räume werden im nächsten Jahr saniert und hergerichtet.“ Noch offen ist die Frage der Finanzierung. Schiphorst machte für die Ausstattung einen Bedarf von rund einer Million Euro aus. „Wir wollen nicht ein paar Pötte in Omas Vitrine stellen. Das Ding muss sitzen und soll Spaß machen.“ Er versprach: „2017, wenn der Verein seinen 125. Geburtstag feiert, hat Hertha ein Museum.“

Bei aller Traditionspflege – es gibt beim Fußball-Bundesligisten auch aktuelle Themen. Finanzchef Ingo Schiller berichtete, dass die Rückkehr in die Fußball-Bundesliga ein kostspieliges Abenteuer war: Hertha BSC hat in der Saison 2012/13 7,8 Millionen Euro weniger eingenommen als ausgegeben. Im zurückliegenden Zweitliga-Jahr standen Einnahmen von 57,7 Millionen Euro Ausgaben von 65,5 Millionen gegenüber.

>>> „Immer Hertha“ - der Fan-Blog der Berliner Morgenpost<<<

Dennoch gelang es dem Hauptstadt-Klub die Verbindlichkeiten von 42 auf 36,8 Millionen Euro zu senken. Das wurde möglich, weil Hertha die Catering-Rechte für das Olympiastadion von 2014 bis 2020 an einen unbekannten Investor für rund zehn Millionen Euro verkauft hat. „Wir haben diese Zusatzeinnahme vorgezogen, um die Verbindlichkeiten zu reduzieren“, sagte Schiller. „Geringere Verbindlichkeiten bedeuten eine geringere Zinsbelastung.“ Bisher lagen die Rechte an den Einnahmen aus dem Catering bei der Olympiastadion GmbH. Der aktuelle Vertrag mit Aramak endet im Juni 2014. Derzeit prüft Hertha einige Anbieter für die folgenden Jahre.

Zudem erfüllt Hertha damit eine Auflage der Deutschen-Fußball-Liga, die von ihren Erstligisten fordert, jeweils zum 31. Dezember eines Jahres das negative Eigenkapital um zehn Prozent abzubauen. Trotzdem belegt das Millionen-Minus der vergangenen Saison die Probleme, die Bundesliga Absteiger wie Hertha (oder in den Vorjahren Eintracht Frankfurt, Kaiserslautern oder der 1. FC Köln) mit entsprechenden Erstliga-Strukturen im Unterhaus haben. Für die Mission Wiederaufstieg hat Hertha in 2012/13 insgesamt 26,6 Millionen Euro an Personal-Etat ausgegeben. Die Mannschaft samt Trainer Jos Luhukay haben es dem Verein mit der Zweitliga-Meisterschaft zurückgezahlt. Einen solchen finanziellen Kraftakt hätte sich der Verein in der Zweiten Liga nicht ein zweites Jahr in Folge leisten können.

Positive finanzielle und sportliche Finanzen

Für die laufende Bundesliga-Saison gab sich Schiller zuversichtlich. „Es bleibt das Ziel, ein schwarze Eins zu erwirtschaften.“ Parallel mit dem guten sportlichen Verlauf – Hertha ist aktuell Siebter – gibt es auch positive Zeichen bei den Finanzen. Im Zuschauer-Bereich hat Hertha jetzt schon eine Million Euro mehr eingenommen, als geplant. In der TV-Tabelle (die die vergangenen vier Jahre berücksichtigt) hat Hertha den FC Augsburg überholt und rangiert dort auf Platz 16. Jeder Platz Unterschied bedeutet eine Mehr-Einnahme von mehr als einer Million Euro. Schiller versprach: „Die 36,8 Millionen sollen der Oberdeckel sein bei den Verbindlichkeiten.“ Das ist nur möglich, wenn Hertha in den kommenden Jahren stetig sein wichtigstes Ziel erreicht: ein dauerhafter Fußball-Bundesligist zu sein. Schiller weiter: „Sportlicher Erfolg geht Hand in Hand mit wirtschaftlichem Erfolg.“

Manager Michael Preetz erklärte, warum Pierre-Michel Lasogga an den HSV ausgeliehen wurde. „Es wäre eine Entscheidung für Pierre-Michel Lasogga und nicht gegen ihn. Im Moment profitieren alle von der Situation. Hertha wird davon profitieren, wenn Pierre zur neuen Saison in einer Topverfassung zu uns zurückkehren wird.“ Außerdem sagte er zur Trennung von Torwarttrainer Christian Fiedler im Sommer, dass es einstimmiger Wunsch der sportlichen Leitung gewesen sei, auf dieser Position eine Änderung herbeizuführen.