Fußballfans neigen dazu, die moderne Ausprägung ihres geliebten Sports zu verdammen. Sie stören sich am Kommerz und an Trikot küssenden Spielern, die bei der nächsten Gelegenheit den Verein wechseln. Leuchtend dagegen die Vergangenheit. Vor dem Spiel beim FC Bayern am Sonnabend steckt für Hertha ein Fünkchen Wahrheit in der Darstellung. Denn der letzte Sieg beim Rekordmeister gelang fast auf den Tag genau vor 36 Jahren. Seitdem gibt es nichts, was den Berlinern Mut machen könnte. Etwas Hoffnung macht nur Peter Pekarik, der persönlich an einer der größten Demütigungen der Bayern beteiligt war.

„Warum sollten wir da keine Punkte holen?“, fragte Trainer Jos Luhukay, als er auf das schwere Programm seiner Mannschaft mit Spielen gegen Big Player wie München, Schalke und Leverkusen angesprochen wurde. Zumindest für die Partie gegen den Rekordmeister finden sich dafür wenig Gründe. Zu groß ist der Unterschied zwischen dem Aufsteiger Hertha und Triplesieger FC Bayern.

Rollen einst nicht klar verteilt

Als die Berliner am 29. Oktober 1977 mit 2:0 gewannen, waren die Rollen zwischen beiden Vereinen nicht so klar verteilt wie heute. Zwar spielten noch Sepp Maier oder Gerd Müller für die Bayern, aber die Mannschaft hatte ihren Höhepunkt hinter sich, landete am Ende auf Rang zwölf. Die Berliner dagegen schafften Platz drei und kamen im Jahr darauf bis ins Halbfinale des Europapokals.

Damit endet die rosarote Hertha-Vergangenheit in München. An den darauffolgenden 18 Versuchen, beim FC Bayern zu gewinnen, gibt es nichts zu beschönigen. 14 Niederlagen und vier Unentschieden bei einem deprimierenden Torverhältnis von 16:58 Treffern sprechen eine deutliche Sprache. Die letzten beiden Aufeinandertreffen in der vorletzten Saison endeten zusammengerechnet 0:10.

Gute Erinnerungen an den 4. April 2009

Noch es ist nicht allein Herthas Glücklosigkeit beim Rekordmeister, sondern vor allem Bayerns Stärke, die wenig Anlass gibt, auf die Berliner zu setzen. Vor fast genau einem Jahr, am 28. Oktober 2012, setzte es die letzte Niederlage. Gegen Leverkusen gab es ein knappes 1:2 in der heimischen Arena. Alle Fakten danach wirken wie eine einzige Machtdemonstration. 34 Bundesligaspiele hat der FC Bayern seitdem nicht verloren. Zu Hause wurden die vergangen 13 Spiele allesamt gewonnen.

Anlass zur Hoffnung bei dieser niederschmetternden Betrachtung vor der Bundesligapartie beim Tabellenführer gibt Herthas Peter Pekarik. Der Slowake demütigte mit dem VfL Wolfsburg die Bayern so stark, dass der Verein seine Strategie änderte und so zum dominanten Klub in Europa wurde. Am 4. April 2009 fertigten die Niedersachsen den Rekordmeister mit 5:1 ab, Torschützenkönig Grafite traf unter anderem per Hackentrick nachdem er fünf Verteidiger stehen ließ. Zu allem Überfluss wechselte Pekariks Trainer Felix Magath am Schluss noch Ersatztorhüter André Lenz ein. Wolfsburg wurde Deutscher Meister. „Ich erinnere mich noch gut an diese Zeit. So ein Spiel gegen die Bayern vergisst man nie“, sagte Herthas rechter Außenverteidiger.

Gegenspieler Ribéry ohne Chance

In der Nachbetrachtung war Pekariks Vorstellung nicht so glamourös. Doch der damals erst 22-Jährige nahm Franck Ribéry komplett aus der Partie, so dass sich das Offensivspiel über den Franzosen, der jüngst zu Europas besten Fußballer gewählt wurde, gar nicht erst entwickeln konnte. „Wir hatten eine sehr gute Taktik von Felix Magath. Er verlangte, dass wir Druck auf die Außen machen, so dass Bayerns Flügelspieler wie Ribéry nicht ins kombinieren kommen“, verrät der Slowake das Erfolgsrezept gegen den Rekordmeister.

Von seinem heute 30 Jahre alten französischen Gegenspieler schwärmt er allerdings noch bis heute: „Er ist noch besser geworden. Für mich gehört er neben Cristiano Ronaldo und Lionel Messi zu den besten Fußballern der Welt.“ Dass Pekariks Spiel nicht die gleiche Aufmerksamkeit wie das von Ribéry bekommt, stört den Slowaken dabei nicht. Ihm reicht es, wenn er seine Aufgabe erledigt hat und Top-Spieler ausschaltet. Am Sonnabend gegen Bayern kann er das wieder zeigen.