Am Ende wurde es hektisch. Rudelbildung in der Hertha-Hälfte, Fabian Lustenberger wälzte sich am Boden und hielt sich den Kopf. Schiedsrichter Jochen Drees zückte erst die Gelbe und dann die Rote Karte. Die Ostkurve, die beste Sicht auf das Geschehen hatte, höhnte lautstark: „Auf Wiedersehen!“
Hertha BSC bezwang Borussia Mönchengladbach durch eine clevere Vorstellung mit 1:0 (1:0). Das Tor des Abends erzielte Adrian Ramos (36.). Gladbachs Martin Stranzl wurde nach zwei Gelben Karten wegen Ellenbogen-Checks zum Kopf des Gegners innerhalb von einer Minute mit der Ampelkarte vom Platz gestellt. Damit gewann Jos Luhukay das Duell der Taktikfüchse gegen seinen Gladbacher Kollegen Lucien Favre. „Unsere Jungs können stolz sein. Die taktische Disziplin war entscheidend“, jubelte Manager Michael Preetz.
Beim Aufsteiger hält der Höhenflug dank des vierten Sieges im fünften Heimspiel an. Jubel brandete im Olympiastadion auf, als die Tabelle eingeblendet wurde: Hertha überholt Gladbach und liegt nach neun Bundesliga-Runden mit 15 Zählern auf Rang vier. „Rang vier ist eine Momentaufnahme“, sinnierte Torwart Thomas Kraft, „aber die ist sehr schön.“ Auch wenn bei Hertha alle vom Saisonziel Klassenerhalt sprechen: Der Ordnung halber sei angemerkt, dass dieser Rang zum Saisonende das Ticket für die Qualifikationsspiele zur Champions League bedeutet.
Im Vorfeld hatten Favre und Luhukay wechselseitig ihren Respekt bekannt für die Mannschaft des Kollegen. Eine entsprechend intensive Partie entwickelte sich vor 61.539 Zuschauern, davon knapp 10.000 Borussen-Fans. Bei Hertha stand erstmals in dieser Saison Levan Kobiashvili in der Startelf. Der 35-Jährige lieferte ein aufmerksames 338. Bundesligaspiel. Trainer Luhukay setzte auf die Spielintelligenz seines Routiniers gegen die überfallartig konternden Gäste.
Bruderduell fällt aus
Der Ex-Berliner Raffael hatte die erste Chance, Herthas Sebastian Langkamp lenkte den Schuss im letzten Moment zur Ecke (3.). Beiden Teams war der Respekt anzumerken. Deshalb lag der Fokus zunächst darauf, den Gegner weit weg vom eigenen Tor zu halten. So entwickelten sich nur wenige Strafraumszenen. Etwa, als Raffael sich auf der rechten Seite in Richtung Grundlinie durchtankte und auf Max Kruse passte, der Schuss des Nationalstürmers ging jedoch übers Tor (16.).
Auch die Hausherren konterten sich nur hin und wieder in die Gladbacher Gefahrenzone. Adrian Ramos wurde im letzten Moment vom Borussen Stranzl geblockt (12.), Gladbachs Tony Janschke klärte nach einem Ben-Hatira-Freistoß im eigenen Fünfmeterraum (19.).
Eine weitere Option in solch engen Begegnungen sind Standardsituationen. Hier zeigte der Aufsteiger seine Qualität. Per Skjelbred flankte den Ball aus 26 Metern hoch in den Strafraum, Ramos köpfte den Ball in den linken Winkel, ehrfurchtsvoll schaute ter Stegen dem Ball hinterher, 1:0 (36.). „Den Kopfball trifft er überragend, da kann ich wenig machen“, kommentierte der Gäste-Torwart. Wieder bestätigte der Kolumbianer seinen Riecher für wichtige Treffer. Es war das dritte Mal in dieser Saison, dass Ramos das erste Hertha-Tor erzielte.
Nun war Gladbach verärgert, drängte auf den Ausgleich. Kraft rettete nach einem 16-Meter-Schuss von Kruse die Pausenführung (44.). Das Bruderduell zwischen Raffael und Ronny, das im Vorfeld für viel Aufmerksamkeit gesorgt hatte, fand nur im familiären Rahmen statt. Auf dem Weg zur Pause küsste Ronny, in eine Thermojacke gehüllt, Raffael auf die Stirn, beide tauschten ihre Trikots. Der Herthaner kam nicht zum Einsatz.
Gladbach versuchte nun, den Druck zu verstärken, kam gegen die Hertha-Defensive aber nicht ins Rollen. Stattdessen hatten die Gastgeber gute Kontergelegenheiten. Kobiashvili schickte Sami Allagui, der Tunesier lief frei auf den Gladbacher Kasten zu, bekam den Ball aber nicht an ter Stegen vorbei (57.). Ärgerlich für Hertha, dass das Schiedsrichter-Trio einen regulären Treffer von Ramos wegen vermeintlichen Abseits’ nicht anerkannte (63.).
Nächte Hürde liegt hoch
Nach 70 Minuten wechselte Borussen-Trainer Favre dreimal, es änderte sich nichts daran, dass die Berliner die Gäste weit weg hielten vom eigenen Tor. Die Borussia bestätigte ihre Auswärtsschwäche, nach fünf Partien in der Fremde hat Gladbach nur einen Zähler eingefahren. Aufopferungsvoll stemmten sich die Berliner gegen die Angriffe. Die Innenverteidigung Fabian Lustenberger/Sebastian Langkamp stand stabil, Hajime Hosogai, Skjelbred, Johannes van den Bergh und Petar Pekarik überzeugten ebenso wie der eingewechselte Peter Niemeyer.
Die nächste Hürde liegt hoch: Hertha tritt am kommenden Sonnabend beim Deutschen Meister und Champions-League-Sieger Bayern München an. Auch deshalb sagte van den Bergh vielleicht: Unsere Fans sollen sich die Tabelle mit Platz vier ausdrucken und mit ins Büro nehmen. Wir wissen das einzuschätzen. Unser Ziel ist der Klassenerhalt.“





