Bundesliga

Für Jos Luhukay muss gegen Bayern ein Wunder geschehen

Angst? „Um Gottes Willen“, sagt Trainer Luhukay. Hertha BSC will die Aufgabe bei der derzeit besten Mannschaft der Welt, Triple-Sieger Bayern München, genießen. Änis Ben-Hatira trainiert wieder.

Foto: Ronny Hartmann / Bongarts/Getty Images

Die Champions League steht bei Hertha trotz Tabellenplatz vier auf dem Index. Als Aufsteiger verbietet sich das Schielen auf den wichtigsten europäischen Klubwettbewerb. Doch heute Abend schauen Mannschaft und Trainer genau hin, wenn die Partien angepfiffen werden. Denn mit dem FC Bayern spielt der nächste Bundesligagegner der Berliner daheim in München gegen den tschechischen Erstligisten Viktoria Pilsen (20.45 Uhr, ZDF).

Jos Luhukay machte am Rande des Trainingsplatzes nicht den Eindruck, als würde ihn der Gedanke an das Spiel am Sonnabend um den Schlaf bringen. Gegen die tief stehende Herbstsonne blinzelte der Trainer gut gelaunt und sagte: „Es muss schon ein Wunder geschehen, damit wir in München gewinnen.“

Champions-League-Belastung der Bayern kein Vorteil für Hertha

Einen Vorteil für Hertha kann der Coach jedenfalls nicht darin erkennen, dass die Bayern in der Woche im Europapokal spielen müssen. „Die haben so einen guten Kader, dass sie mit einer völlig anderen Mannschaft gegen uns antreten können“, glaubt er nicht an müde Münchener Beine in der Bundesliga.

Damit reihte sich der Niederländer in die lange Riege der Trainer ein, die Spiele gegen den Rekordmeister als die einfachsten Partien der gesamten Saison bezeichnen. Der Erwartungsdruck für den Aufsteiger ist gegen Tripelsieger und Ligadominator Bayern naturgemäß niedrig. Ein Bonusspiel eben, wie auch Luhukay andeutete: „Wir freuen uns darauf, in München spielen zu dürfen. Dafür haben wir doch ein Jahr in der Zweiten Liga hart arbeiten müssen. Das ist eine Belohnung.“

Hertha reist selbstbewusst nach München

Der Trainer ist vor allem bemüht, keine negative Grundstimmung aufkommen zu lassen, nach der Hertha chancenlos sei und es nur darum ginge, wie viele Gegentore Hertha kassiere. Angst? „Nein, um Gottes willen“, bemühte sich der 50-Jährige, nicht all zu viel Ehrfurcht vor den großen Bayern entstehen zu lassen. „Das ist für meine Spieler doch auch Motivation und Herausforderung, gegen so einen Gegner gut auszusehen. Die Mannschaft hat genug Selbstbewusstsein und Vertrauen, um guten Fußball zu spielen.“ Immerhin steht der Aufsteiger nach fünf Saisonsiegen (bei drei Unentschieden und zwei Niederlagen) überraschend auf Platz vier der Bundesliga.

Für Hertha geht es jetzt vor allem darum, zuletzt angeschlagene Spieler wie Per Skjelbred, Peter Pekarik und Levan Kobiashvili (alle mit leichten Fußverletzungen) wieder fit zu bekommen. Änis Ben-Hatira war wegen hartnäckiger Probleme mit dem Schambein zwischendurch bei Professor Harald Grumbiller am Chiemsee, der als Spezialist für Akupunktur und chinesische Medizin gilt. Um eine Entzündung soll es sich bei der Verletzung des offensiven Mittelfeldspielers nicht handeln. Gestern Nachmittag trainiert Ben-Hatira wieder mit den

Pekarik, Kobiashvili und Skjelbred haben Verletzungen auskuriert

Kollegen. Die anderen drei sollen heute ins Training zurückkehren (15.30 Uhr, Schenckendorff-Platz). Um seine Strategie gegen den FC Bayern machte Jos Luhukay noch ein Geheimnis.

Trotz seiner guten Laune ließ er sich nicht locken: „Wir müssen eine unglaublich gute defensive Leistung zeigen, um zu bestehen. Und nach vorne brauchen wir die nötige Entschlossenheit und Überzeugung, um vielleicht ein Tor zu erzielen.“ Vielleicht ist die Partie beim Rekordmeister auch für Trainer die einfachste Partie des Jahres.