Hertha

Trainer Luhukay nach Herthas Pokal-K.o. in der Kritik

Er wollte seinen Ergänzungsspielern eine Chance und der Stammbesetzung eine kleine Schaffenspause geben. Doch nach dem 1:3 beim 1. FC Kaiserslautern konzentriert sich die Kritik auf Herthas Trainer.

Foto: Thorsten Wagner / Bongarts/Getty Images

Der Plan ging nicht auf für Jos Luhukay. Nicht der für das Spiel seiner Mannschaft in der zweiten DFB-Pokalrunde gegen den 1. FC Kaiserslautern, das Hertha BSC am Mittwochabend 1:3 (1:0) verlor und damit wieder einmal früh aus dem Wettbewerb ausschied. Auch nicht der für die anschließende Rückreise aus der Pfalz, die für den niederländischen Cheftrainer anders verlief als erdacht.

Weil sich die Dopingproben zweier Profis nach der Partie verzögerten, konnte die Chartermaschine mitsamt der Mannschaft erst mit gehöriger Verspätung aus Zweibrücken abheben und landete um halb zwei Uhr morgens in Berlin-Schönefeld. Das für die Regeneration wichtige Auslaufen der Profis musste vom Vor- auf den Nachmittag verlegt werden.

„Ich nehme das auf meine Kappe“

Die außerplanmäßige Zwischenzeit dürfte Luhukay dafür genutzt haben, einen Blick in die üppigen Berliner Medien zu werfen. Und was er zu lesen bekam, wird ihm kaum gefallen haben. Erstmals seit er im Frühsommer 2012 den Trainerposten bei Hertha von Otto Rehhagel übernommen hat, schlägt dem 50-Jährigen nach dem Pokal-Aus gegen den Zweitliga-Elften FCK heftige Kritik entgegen: „Luhukays Zockerei kostet Hertha das Achtelfinale“, lautete eine Überschrift. „Luhukay schmeißt Hertha aus dem Pokal“, eine andere. Der Schuldige für das schmerzhafte Ausscheiden der Blau-Weißen und damit auch für das jähe Ende des wenn auch nur heimlich geträumten Finaltraums im eigenen Stadion war ausgemacht.

Der Trainer hatte gegen die seit fünf Ligaspielen sieglosen Pfälzer bis auf Torwart Thomas Kraft und Kapitän Fabian Lustenberger eine komplette B-Elf auf das Feld geschickt. Dieser höchst riskante Plan ging nicht auf, und das Team um Maik Franz, Sandro Wagner und Ex-Kapitän Peter Niemeyer ließ sich nach dem Führungstreffer durch Niemeyer (25. Minute) im zweiten Durchgang von kämpferisch guten, aber spielerisch überaus limitierten Lauterern niederringen.

Schuldeingeständnis hilft, erhitzte Gemüter abzukühlen

Am Donnerstagnachmittag tat Luhukay etwas, was er am Abend zuvor noch unterlassen hatte: Er übernahm die Verantwortung für das Scheitern seines Matchplanes. „Wenn man umstellt und es geht gut, bekommt man viel Lob. Dann hat man vieles richtig gemacht“, sagte der Cheftrainer nach dem Auslaufen. „Wenn nicht, dann bin ich als Trainer der Hauptverantwortliche. Ich nehme das auf meine Kappe.“

Luhukay ist lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass ein solches Schuldeingeständnis den Effekt hat, erhitzte Gemüter abzukühlen, und in den Zwischentönen gleichermaßen noch genügend Platz ist, um die eigene Position zu verteidigen. Er habe sich ganz bewusst für die Generalüberholung seiner Mannschaft entschieden, weil er damit in der Vergangenheit beim FC Augsburg gute Erfahrung gemacht habe. Bis ins Pokal-Halbfinale zog der Venloer einst mit der Methode der totalen Rotation ein. Es gehe darum, auch die sogenannten Ergänzungsspieler in Pflichtspielen einzusetzen. Dafür sei der Pokal eine gute Gelegenheit. „Wenn man die Spieler dann in der Liga braucht, sind sie da“, sagte Luhukay. Und außerdem: „Wer garantiert mir denn, dass wir mit der ersten Mannschaft weitergekommen wären?“, fragte der Trainer. Schließlich sei diese ja in der ersten Pokalrunde gegen den Viertligisten Neumünster nur mit Ach und Krach und durch einen glücklichen Elfmeter kurz vor Ende der Verlängerung in Runde zwei eingezogen.

Wieder ein Jahr des Wartens

So viel der Rechtfertigung. Denn es steckte auch eine gehörige Portion Kritik an den Akteuren in Luhukays Äußerungen, die am Mittwoch auf dem Feld standen. „Die Spieler hatten die Chance, sich für die erste Mannschaft zu empfehlen“, sagte er etwa. Gelungen ist es niemandem. Und: „Fakt ist, dass wir auf dem Papier keine schlechtere Mannschaft auf dem Platz hatten als Kaiserslautern.“ Er habe keinen Zweifel daran gehabt, dass diese Elf weiterkommen würde. Weil sie es nicht ist, hält der Niederländer nun seinen Kopf hin. „Wir können es jetzt nicht mehr ändern und müssen wieder ein Jahr lang warten, bis wir es im Pokal wieder gutmachen können.“

Die ungewohnte Kritik an seiner Person wird Luhukay verkraften können. Schwerer als der erste Fleck auf der ansonsten blütenweißen Weste des Trainers wiegt der mentale Effekt auf die Mannschaft. Diese hat nach dem starken Saisonstart mit sieben Punkten aus den ersten drei Partien keines der vergangenen vier Spiele gewinnen können und befindet sich auf dem direkten Weg in die erste, mittelschwere Krise der Saison. Zudem wurde auch in Kaiserslautern deutlich, dass Herthas derzeitige Achillesferse die mangelnde Chancenverwertung ist.

Allagui und Sahar vergeben erstklassige Chancen

Sami Allagui vergab vor der Pause freistehend aus vier Metern vor dem leeren Tor das 2:0. „Wenn ich den reinmache, geht das Spiel anders aus“, sagte der tunesische Angreifer einsichtig. Zudem ließ Ben Sahar zum Ende der Partie die beste Gelegenheit auf den Ausgleich aus, als er ebenso freistehend an FCK-Keeper Tobias Sippel scheiterte. Das Spiel hätte also auch eine andere Richtung einschlagen können. So aber musste Luhukay eingestehen: „Wenn das Ergebnis nicht da ist, kann man vieles in Frage stellen.“

Anders als im Pokal müssen Hertha und Jos Luhukay nicht ein ganzes Jahr warten, um Wiedergutmachung zu betreiben. Schon am Sonnabend empfangen die Berliner den FSV Mainz 05 (15.30 Uhr) in der Bundesliga – ein Gegner, der nach vier Pleiten in Folge inklusive des Pokal-Aus gegen Köln derzeit ähnliche Probleme hat.