Zweite Runde

Hertha BSC verabschiedet sich aus dem DFB-Pokal

Einmal mehr ein frühes Aus: Hertha-Trainer Jos Luhukay bietet bei der 1:3-Pleite gegen Kaiserslautern eine B-Elf auf und muss sich nun einige Kritik gefallen lassen.

Foto: Uwe Anspach / dpa

Wortlos stapften die Profis von Hertha BSC Richtung Kabine. Nur wenige hatten Lust, noch kurz zum Interview stehen zubleiben. „Das war ein Hin und Her, rauf und runter. Beide hatten ihre Chancen, nur wir haben unsere nicht genutzt“, resümierte Ben Sahar und kam natürlich noch auf die vielleicht entscheidende Szene dieses Pokalspiels zu sprechen. „Ich glaube, den muss ich nicht unbedingt machen“, sagte der Israeli über seine Großchance in der 67. Minute, die das 2:2 beim 1. FC Kaiserslautern bedeutet hätte. Stattdessen hieß es auf dem Betzenberg am Ende 1:3 (0:1) aus Berliner Sicht, das Aus in der zweiten Runde.

Bei Hertha planen sie finanziell ja schon aus Tradition nicht mehr mit den rund 500.000 Euro, die ein Achtelfinale im DFB-Pokal einbringt, und daran haben sie auch in diesem Jahr gut getan. „Am Ende haben die Details gefehlt“, sagte Hertha-Coach Jos Luhukay und meinte nicht nur die Chance von Sahar. „Wir hatten Probleme im Defensivverhalten und haben viele erste Bälle nicht bekommen“, so der 50-Jährige.

Dass die Abwehr teilweise wackelte, musste nicht verwundern. Denn Luhukay stellte im Vergleich zum 0:1 in Freiburg am Sonntag gleich neun neue Spieler in die Anfangsformation. Die Rotation hatte Luhukay vor dem Spiel angekündigt und um Verständnis geworben. Nach der Partie sagte der Trainer: „Ich war überzeugt, dass wir mit dieser Mannschaft eine Runde weiterkommen.“

Niemeyer erzielt die Führung

Nur Kapitän Fabian Lustenberger und Torwart Thomas Kraft überstanden die Generalüberholung. Der Schweizer ersetzte wie erwartet den verletzten John Brooks in der Innenverteidigung, daneben kam Maik Franz zu seinem ersten Pflichtspieleinsatz in dieser Saison. Christoph Janker und Fabian Holland komplettierten auf den Außen die neue Abwehrformation, die in der Anfangs-phase zunächst nur bei Standardsituationen gefordert war: In der dritten Minute zielte Kaiserslauterns Linksverteidiger Chris Löwe bei einen Freistoß aus 25 Metern knapp vorbei, kurz darauf köpfte Olivier Occéan eine Ecke über das Tor von Kraft.

Die Lauterer, die am Wochenende bei der Premiere ihres neuen Trainers Kosta Runjaic ein achtbares 0:0 in Köln geholt hatten, dominierten die Anfangsminuten. Hertha kam erst langsam auf Touren. Lustenberger bediente Sami Allagui mit einem langen Pass, der diesem jedoch von der Hacke sprang (8.). Der Deutsch-Tunesier bildete den Zwei-Mann-Sturm mit Sandro Wagner, der sich aber häufig fallen ließ und das Spiel aus dem Mittelfeld heraus ankurbelte.

Die Lauterer zeigten Angriffslust

Ausgerechnet Wagner. Der hatte in der Rückrunde der Saison 2011/2012 für den FCK gestürmt und kein einziges Tor gegen den Abstieg erzielt. Das haben sie in Kaiserslautern nicht vergessen, bei jeder Aktion wurde Wagner gnadenlos ausgepfiffen. Trotzdem bediente er in der 25. Minute seelenruhig Sahar, der von links in den Strafraum flankte, wo Peter Niemeyer aus acht Metern zum 1:0 traf. Fast wäre wenig später das 2:0 gefallen: Allagui verfehlte nach einer scharfen Sahar-Flanke völlig freistehend aus fünf Metern (35.). Luhukays Rechnung schien zunächst aufzugehen.

Aber schon mit einer Doppelchance kurz vor der Pause zeigten die Lauterer, dass mit ihnen an diesem Abend noch zu rechnen sein würde: Karim Matmour und Mohammadou Idrissou vergaben jedoch (39.). Nach Wiederanpfiff legten die Gastgeber vor 24.219 Zuschauern erneut stürmisch los – und wurden belohnt: Zunächst konnte Janker vor Idrissou in höchster Not klären, bei der anschließenden Ecke war der Stürmer dann aber da und köpfte zum 1:1 ein (52.). Kein schönes Spiel, eine kämpferische Leistung hatte Luhukay vorab gefordert. Doch gegen die wie aufgedreht agierenden Roten Teufel fanden die Berliner nach dem Ausgleich plötzlich kein Rezept mehr und leisteten sich immer mehr eigene Fehler in der Abwehr.

1200 Hertha-Anhänger bangten im Stadion

Ein Querschläger von Franz landete unglücklich bei Matmour. Der Algerier entwischte dem fahrigen Holland und drosch den Ball ins lange Eck zum 1:2 (63.). Als dann Sahar nur vier Minuten später durch den besten Berliner Angriff des Spiels über den engagierten Niemeyer und Allagui frei vor FCK-Keeper Tobias Sippel auftauchte, diesen aber nicht überwinden konnte, ahnten die mitgereisten 1200 Hertha-Anhänger, dass es nichts werden würde mit dem Pokal-Achtelfinale. „Das war schwer, ich bin vorher 50 Meter über den Platz gesprintet, und der Ball lag nicht ganz in meiner Nähe“, erklärte Sahar später. Stattdessen sorgte Occéan sieben Minuten vor Schluss für die Entscheidung. Die eingewechselten Adrian Ramos und Ronny konnten keine Akzente mehr setzten.

„In der zweiten Halbzeit haben die letzten Prozent gefehlt“, versuchte Lustenberger später die beiden unterschiedlichen Durchgänge der Herthaner zu erklären. Sein Trainer, Jos Luhukay, wird sich nun Kritik gefallen lassen müssen. Denn bei vielen Anhängern dürfte der Eindruck entstanden sein, dass sich Hertha aus dem Pokal rotiert hat. Damit nach dem positiven Saisonstart nun nicht Ernüchterung einsetzt, braucht Hertha am Sonnabend beim Bundesligaspiel gegen Mainz einen Erfolg.

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